Thomas derzeit stärker als Froome

Thomas baute Tour-Führung bei Quintana-Sieg aus

Mittwoch, 25. Juli 2018 | 20:29 Uhr

Vorentscheidung bei der 105. Tour de France: Topfavorit Christopher Froome verlor am Mittwoch auf seinen führenden Sky-Teamkollegen Geraint Thomas 48 Sekunden. Auch der nunmehrige Zweite, Tom Dumoulin (+1:59) konnte am Ende das Tempo des Walisers nicht mehr mitgehen und büßte ein paar Sekunden ein. Den Tagessieg holte sich der kolumbianische Movistar-Profi Nairo Quintana.

Das nur 65 Kilometer lange aber sehr anspruchsvolle Teilstück über drei schwere Anstiege war eine der letzten Möglichkeiten für die Siegaspiranten, das Klassement noch einmal auf den Kopf zu stellen. Letztlich aber parierte die einmal mehr kaum zu bezwingende Sky-Armada alle Attacken – bis auf jene von Quintana – souverän. Primoz Roglic (4./2:47) probierte es, konnte aber Froome zunächst nicht abschütteln. Drei Kilometer vor dem Ziel wagte der Slowene noch einen Angriff, wurde jedoch erneut eingeholt.

Als gut zwei Kilometer vor dem Gipfel der Niederländer Dumoulin antrat, ging Thomas mit, Froome hatte aber keine Kraft mehr. Im Sprint um Rang drei setzte sich Thomas durch, Titelverteidiger Froome kam mit 48 Sekunden Rückstand auf seinen Sky-Kollegen an und liegt in der Gesamtwertung nun schon 2:31 Minuten hinter Thomas. Damit ist die Hierarchie im britischen Super-Team wohl endgültig geklärt.

Nach der Zielankunft gab Froome seine Ambitionen auf seinen fünften Gesamtsieg bei der Tour de France für dieses Jahr aufgegeben. Der Brite, der als erster Radprofi seit Marco Pantani 1998 das Double aus Giro d’Italia und Tour angestrebt hatte, kündigte an, sich fortan ganz in den Dienst seines führenden Teamkollegen Geraint Thomas stellen zu wollen.

“Er hat bis jetzt ein absolut fehlerfreies Rennen gezeigt. Er verdient es zu 100 Prozent im Gelben Trikot zu fahren. Hoffentlich kann er es zu Ende bringen und das Trikot bis Paris bringen”, so der 33-Jährige. “Er hat zwei Minuten auf (Tom) Dumoulin. Das ist, denke ich, eine ziemlich komfortable Führung.”

Das Ende der Siegambitionen war an diesem Tag aber noch nicht alles Negative für Froome. Denn die Polizei forderte den vierfachen Gesamtsieger bei der Abfahrt vom Zielort zu seinem Teambus auf, stehen zu bleiben, wodurch Froome nach Sky-Angaben zu Sturz kam. Offenbar verwechselten ihn die Beamten mit einen Fan. Der 33-Jährige blieb bei dem Vorfall unverletzt.

Froome, der die vergangenen drei Ausgaben in teils beängstigend souveräner Manier für sich entschieden hatte, konnte diese Dominanz heuer zu keinem Zeitpunkt zeigen. Zudem sah er sich seit dem Start vor zweieinhalb Wochen immer wieder mit Anfeindungen aus dem Publikum konfrontiert. Sein Start war aufgrund eines Verfahrens wegen eines möglichen Dopingvergehens während der Spanienrundfahrt im vergangenen Herbst erst wenige Tage zuvor festgestanden. Der Weltverband UCI stellte das Verfahren ein und sprach Froome von allen Vorwürfen frei.

Einen Schreckmoment gab es auf dem 17. Abschnitt für den dreifachen Weltmeister Peter Sagan. Der Träger des Grünen Trikots des besten Sprinters kam in einer Abfahrt zu Sturz. Der Slowake konnte seine Fahrt fortsetzen, ob jedoch weiterfahren kann, ist unklar.

Zwar sei nichts gebrochen, Sagan habe jedoch Hämatome und offene Schürfwunden, sagte Ralph Scherzer, Teamsprecher des deutschen Bora-Rennstalls am Mittwochabend. Erst am Donnerstag soll entschieden werden, ob der 28-jährige Slowake weiterfahren kann.

Vor der letzten Pyrenäen-Gebirgsetappe und dem Zeitfahren am Samstag dürfen sich die Spitzenfahrer am Donnerstag noch einen ruhigeren Tag gönnen. Da steht auf dem 18. Teilstück von Trie-sur-Baise nach Pau über 171 Kilometer eine Flachetappe mit erwartetem Massensprint an.

Von: apa

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