Neuer will die Slowaken nicht unterschätzen

Torhüter Neuer mahnt vor voreiligen “Hurra-Schreien”

Samstag, 25. Juni 2016 | 17:15 Uhr

Deutschland hat bei der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich erstmals seit 20 Jahren die EM-Gruppenphase ohne Gegentor überstanden. 1996 in England folgte danach der bisher letzte von drei EM-Titeln. Doch vor dem Start in die K.o.-Phase am Sonntag (18.00 Uhr) in Lille gegen Außenseiter Slowakei warnte Torhüter Manuel Neuer vor Sorglosigkeit.

Neuer, im bisherigen Turnierverlauf statt Bastian Schweinsteiger Kapitän der Deutschen, sieht in den bisherigen EM-Auftritten in Frankreich noch keinen Grund "für Hurra-Schreie". Seine Botschaft vor dem Achtelfinale ist klar: Nur kein Leichtsinn und keine Unvernunft. "Natürlich ist es eine andere Drucksituation. In einem Spiel kann immer alles passieren. Wir dürfen keinen Gegner auf die leichte Schulter nehmen", forderte der Welttorhüter.

Für Fan-Euphorie in der Heimat könne erst ein Sieg gegen die Slowakei und ein folgendes erfolgreiches Spiel im Viertelfinale gegen Italien oder Spanien sorgen. Doch auch Neuer betonte die Zuversicht der Weltmeister. "Wir sind gut vorbereitet. Wir sind eine Mannschaft, die sich auf den Punkt konzentrieren kann", sagte der Bayern-Goalie.

Die bisherigen Prüfungen haben die Schützlinge von Joachim Löw nicht immer glanzvoll, aber im Endeffekt souverän bestanden. Neuer selbst wurde aber kaum richtig geprüft. Polen (0:0) und Nordirland (1:0) brachten zusammen gerade einmal einen Torschuss zusammen. Gegen die Ukraine (2:0) musste der 68-fache Teamspieler öfter eingreifen, hielt aber auch da sein Gehäuse sauber.

Die Abwehr vor ihm ließ wenig durch, wer am Sonntag aber die Innenverteidigung bilden wird, war noch offen. Mats Hummels, der nach einer Verletzung im ersten Spiel noch pausiert hatte, fand schnell wieder zu seiner Form und ist gesetzt.

Nach einem Härtetest im Abschlusstraining meldete sich auch Jerome Boateng bereit für einen Startelf-Einsatz gegen die Slowakei. Das bestätigte Joachim Löw einen Tag vor dem Spiel am Sonntag in Lille. "Im Grunde genommen hat die Wade heute gehalten. Er hatte keine Probleme, er hat alles absolviert. Er wird morgen spielen", sagte der Bundestrainer in der ARD.

Unabhängig vom Personal erwartet Löw, dass zu der bisher gezeigten defensiven Stabilität nach vorne effektiver gearbeitet wird. Gegen Nordirland vergaben Thomas Müller und Co. etwa zehn hochkarätige Torchancen. "Wir müssen vor dem Tor zielstrebiger und konsequenter sein", forderte der Chefcoach.

Denn auch die Slowakei wird sich wohl in erster Linie der Defensivarbeit verschreiben. "Wir brauchen einen Tag, wie wir ihn beim 0:0 gegen England hatten", befand der verletzte Ex-Salzburger Dusan Svento. In der Außenseiter-Rolle fühlen sich die Slowaken aber wohl. "Wir haben diesmal den Vorteil, dass auf uns kein Druck mehr lastet, nachdem wir unser Ziel, das Achtelfinale, schon erreicht haben", sagte Teamchef Jan Kozak.

Der slowakische Verbandschef Jan Kovacik erklärte das DFB-Team gleich auch zum Titelanwärter Nummer eins. "Für mich ist Deutschland der größte Favorit in diesem Turnier", sagte Kovacik. "Wir wissen, dass Deutschland der große Favorit ist. Nicht nur in diesem Spiel, sondern in dem gesamten Turnier", stellte auch Kapitän Martin Skrtel fest. Dennoch versprach er in Lille einen Achtelfinal-Kampf bis zum Ende. "Alles ist möglich. Wir haben keine Angst. Unser Selbstvertrauen ist mit Überstehen der Vorrunde gewachsen."

Von: apa