Zidane macht Platz für frische Kräfte

“Tragödie”: Real nach Zidane-Rücktritt vor unruhigem Sommer

Freitag, 01. Juni 2018 | 15:57 Uhr

Der Rücktritt von Erfolgstrainer Zinedine Zidane bei Real Madrid ging nicht ohne Schockwirkung über die Bühne. Statt entspannt den Sommerurlaub anzutreten, steht der spanische Rekordmeister rund um seinen prominenten Präsidenten, den Bauunternehmer Florentino Perez, vor tiefgreifenden Renovierungsarbeiten.

Die Madrider Sport-Zeitung “AS” schrieb am Freitag von einer “Makrokrise” und einem “Desaster”, das Konkurrenzblatt “Marca” von einer “Tragödie” und “Beerdigungsstimmung in der Umkleidekabine”. “Kaputt”, titelte auf Seite eins – und nicht ohne Schadenfreude – die in Barcelona erscheinende Fachzeitung “Sport”.

Der Topclub steht nach dem dritten Champions-League-Titel en suite vor einer Zäsur und einem Neuanfang. Der sichtlich mitgenommene Perez beantwortete bei der kurzfristig angesetzten Pressekonferenz am Donnerstag erst gar keine Fragen zu einem möglichen Zidane-Nachfolger. Musste er in den vergangenen Tagen noch die Debatte um die abwanderungswilligen Angreifer Cristiano Ronaldo und Gareth Bale moderieren, so steht er nun vor einer schwierigen Aufgabe bei der Suche nach einem Trainer.

Medial gehandelt werden bereits Liverpool-Coach Jürgen Klopp oder Joachim Löw. Deutschlands Nationalteamtrainer schloss ein Engagement bereits aus: “Für mich ist das kein Thema, ich bin jetzt bei der WM”, sagte Löw. Wahrscheinlicher ist Mauricio Pochettino, der in der englischen Premier League Tottenham Hotspur in den vergangenen Jahren zu einem Spitzenteam geformt hat. Der Argentinier soll ganz oben auf der Wunschliste des mächtigen Präsidenten stehen.

Geht es nach den Real-Fans, sollte der Ersatz Klopp heißen. Nach einer Umfrage von “AS” setzte sich der frühere Dortmund-Trainer mit 40 Prozent der Stimmen knapp vor Pochettino (35 Prozent) und deutlich vor Löw (15 Prozent) und Arsene Wenger (neun Prozent) durch. Aber auch Jugend-Trainer und Ex-Real-Profi Guti ist im Gespräch.

Wer auch immer das Erbe Zidanes antritt, steht vor dem vielleicht begehrtesten Job im Weltfußball – aber auch vor einem äußerst undankbaren. Denn dem “Mythos” Zidane (“Marca”) werden nicht nur die Titel und Trophäen zugeschrieben. Der Franzose hat es als Nachfolger von Rafa Benitez auch geschafft, die Egos der Einzelspieler zu einer funktionierenden Mannschaft zu formen. In zweieinhalb Jahren als Chefcoach gewann der Mann aus Marseille neun Titel, darunter als erster Trainer drei Mal in Serie die Champions League.

Zur ganzen königlichen Wahrheit gehört aber auch, dass Real die Saison in der Liga auf Platz drei mit 17 Punkten Rückstand auf den Dauerrivalen FC Barcelona beendete und das in die Jahre gekommene Team dringend eine personelle Frischzellenkur benötigt.

Medien in Madrid gehen davon aus, dass nach dem Adieu von Zidane auch mehrere Spieler ihren Abgang forcieren könnten. Dazu gehört Ronaldo, der schon nach dem Champions-League-Finale gegen Liverpool seinen Abschied angedeutet hatte. Der 33-jährige Portugiese soll mit Perez seit Jahren im Clinch liegen und sich dafür mit Zidane sehr gut verstanden haben. Zu den Abwanderungs-Kandidaten gehören auch Torhüter Keylor Navas, Stürmer Karim Benzema und der Matchwinner des CL-Finales, Gareth Bale.

Von: APA/dpa/ag.