Blumenmeer für die Opfer des Unglücks

Trauer und Schock nach Hubschrauberabsturz in Leicester

Sonntag, 28. Oktober 2018 | 16:21 Uhr

Hunderte Menschen haben am Tag nach dem Hubschrauberunglück beim Stadion des englischen Fußball-Erstligisten Leicester City Blumen, Fan-Schals und Trikots niedergelegt. Trauernde Fans weinten und trösteten einander. Der Helikopter mit dem Club-Besitzer Vichai Srivaddhanaprabha, dessen Tochter und drei weiteren Personen an Bord war am Samstagabend auf einem Parkplatz neben dem Stadion abgestürzt.

Die Rettungskräfte und die Behörden machten zunächst keine Angaben über die Zahl der Opfer. Doch es gibt kaum Hoffnung, dass die Insassen des Hubschraubers überlebt haben könnten. Der in den blau-weißen Vereinsfarben lackierte Helikopter Srivaddhanaprabhas war nach dem Leicester-Spiel gegen West Ham wie üblich vom Spielfeld gestartet, aber kurz danach ins Trudeln geraten und nach dem Aufprall in Flammen aufgegangen.

Auch die Ursache des Unglücks war zunächst nicht bekannt. Augenzeugen berichteten von einem plötzlichen Stillstand des Heckrotors kurz nach dem Start. Die Maschine habe sich daraufhin wie ein Kreisel gedreht und sei unkontrolliert abgestürzt. Einer der ersten am Unglücksort sei Leicesters Torhüter Kasper Schmeichel gewesen, berichteten Augenzeugen dem Sender BBC.

Rettungskräfte eilten zum Unfallort, machten aber zunächst keine Angaben zu Details. Der Club, für den Ex-ÖFB-Nationalspieler Christian Fuchs am Samstag nicht zum Einsatz gekommen war, kündigte an, eine Erklärung abzugeben, sobald nähere Fakten bekannt seien. Die Polizei twitterte am Sonntag, die Untersuchungen dauerten an. Zudem seien Experten der Flugverkehrsbehörde AAIB zur Untersuchung des Unglücks eingeschaltet worden. Auf Fernsehbildern war am Tag nach dem Unglück das völlig ausgebrannte Wrack des Hubschraubers zu sehen.

Unter den Anhängern von Leicester City war Srivaddhanaprabha sehr beliebt. Im August 2010 hatte er den damaligen Zweitligisten gekauft. Im Februar 2011 übernahm er zudem das Amt des Präsidenten. Sein Sohn Aiyawatt wurde Vize-Präsident. Das Duo ergriff einige ungewöhnliche Maßnahmen und ließ unter anderem Mönche einfliegen, die das Stadion des Clubs mit religiösen Ritualen segnen sollten.

Doch vor allem mit ihren umfangreichen Investments trugen sie zu Leicesters sportlichem Aufschwung bei. In der Saison 2013/2014 feierte der Club als Tabellenerster die Rückkehr in die Premier League. Als der Zweitliga-Pokal vor jubelnden Fans in die Höhe gestemmt wurde, war Srivaddhanaprabha mittendrin und ließ sich von den Fans feiern.

Seine Popularität stieg weiter. Denn nachdem die Foxes in der Comeback-Saison der Premier League mit einem beeindruckenden Schlussspurt den Abstieg verhindert hatten, gewann die Mannschaft unter dem neuen Coach Claudio Ranieri und mit Fuchs als Spieler 2015/16 sensationell die englische Meisterschaft – ein Fußballwunder.

Srivaddhanaprabha gilt als großzügig. Der Milliardär spendete zwei Millionen Pfund (rund 2,2 Millionen Euro) für ein Kinderkrankenhaus in Leicester. Nach dem Titelgewinn löste er sein Versprechen ein und beschenkte 19 Spieler mit Luxusautos im Wert von jeweils rund 100.000 Pfund (ca. 130.000 Euro). An seinem Geburtstag spendierte er den Fans im Stadion regelmäßig Bier und Kuchen.

Seine Karriere hatte der Unternehmer mit dem Verkauf von importieren Waren aus Hongkong begonnen. 1989 eröffnete er ein Geschäft für zollfreie Waren. Später erlangte er das Monopol auf Duty-Free-Shops in sämtlichen Flughäfen Thailands. Bereits um die Jahrtausendwende war er Milliardär. Sein Unternehmen King Power ist Trikotsponsor von Leicester City und auch Namensgeber für das Stadion der Foxes.

Von: APA/dpa/ag.

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