Stanislaw Tschertschessow und sein Team überraschten die Experten

Tschertschessow träumt von “vielen schönen Tagen”

Mittwoch, 20. Juni 2018 | 10:38 Uhr

Gastgeber Russland hat mit dem 3:1-Sieg über Ägypten auch im zweiten WM-Spiel für Aufsehen gesorgt und erstmals seit dem Zerfall der Sowjetunion den Aufstieg in die K.o.-Phase einer Fußball-Weltmeisterschaft geschafft. Die Fans im größten Land der Welt träumen bereits von weiteren Erfolgen. In Ägypten wird indes über den Trainer diskutiert, und Superstar Mohamed Salah ist frustriert.

Als 70. waren die Russen laut FIFA-Weltrangliste als schwächster aller 32 Teilnehmer in die Endrunde gestartet. Die Wahrheit auf dem Platz ist jedoch eine völlig andere. Sechs Punkte und stolze 8:1 Tore hat die “Sbornaja” nach zwei Turnierspielen bereits auf dem Konto. Dem 5:0 zum Auftakt gegen Saudi-Arabien ließ sie am Dienstag in St. Petersburg gegen Rekord-Afrikameister Ägypten den nächsten klaren Sieg folgen.

Ob dies der glücklichste Tag in seinem Leben sei, wurde Russlands Trainer Stanislaw Tschertschessow danach gefragt. “Ich hoffe, dass noch viele schöne Tage kommen werden”, sagte der ehemalige Tormann, der mit dem FC Tirol von 2000 bis 2002 dreimal en suite Meister geworden war. Einer Prognose, wie weit sein Team kommen könne, wich der 54-Jährige elegant aus: “Das Beste, was wir tun können ist ausschlafen, ausruhen, wieder gut schlafen. Und dabei können wir uns dann ein paar nette Gedanken machen.”

Neben Tschertschessow, der nach der harten Kritik in den vergangenen Wochen nun von allen Seiten in den höchsten Tönen gelobt wird, ist Denis Tscheryschew für seine Landsleute der große Held. Als die WM am Donnerstag losging, hatte der 27-Jährige keinen Platz in der Startelf. Jetzt ist der Sohn des Ex-Internationalen Dmitri Tscheryschew und ausgebildete Offensivspieler in aller Munde. Zwei Treffer nach seiner Einwechslung zum Auftakt, gegen Ägypten Schütze des wichtigen 2:0 (58.) – Tscheryschew führt nun sogar die Torschützenliste gemeinsam mit Weltfußballer Cristiano Ronaldo an.

Mit dem Superstar aus Portugal verbindet ihn übrigens eine gemeinsame Zeit: Da sein Vater von 1996 bis 2003 in Spanien spielte, wurde er in der Akademie von Real Madrid ausgebildet. Für die Kampfmannschaft der Königlichen absolvierte er sieben Pflichtspiele, davon drei in der Champions League. “Ich bin gleichauf mit Ronaldo?”, fragte der Tscheryschew selbst ganz überrascht, um dann zu betonten: “Wir befinden uns aber trotzdem auf verschiedenen Ebenen. Die Zahl der Tore ist unsere Gemeinsamkeit.”

Liverpool-Torjäger Salah traf zwar gleich in seinem ersten WM-Spiel, wollte nach der Niederlage aber keinen Kommentar abgeben. 24 Tage nach seiner Schulterverletzung im Champions-League-Finale gegen Real Madrid (1:3) gab Afrikas Fußballer des Jahres sein Comeback und deutete seine Klasse mehrmals an. Doch das bevorstehende WM-Ausscheiden bedeutete für den 26-Jährigen den vorläufigen Tiefpunkt von vier frustrierenden Wochen am Ende einer grandiosen Saison.

Ägyptens Trainer Hector Cuper, der Valencia 2000 und 2001 jeweils ins Champions-League-Finale und nun die “Pharaonen” zur ersten dritten WM-Teilnahme nach 1934 und 1990 geführt hatte, musste sich dagegen den unangenehmen Fragen stellen. Weil auch der Argentinier bisher nicht den ersten Sieg bei einer WM-Endrunde schaffte, spekulierten die ägyptischen Medien bereits über seine Entlassung.

“Darüber entscheide nur ich”, betonte Cuper trotzig, als dieses Thema angeschnitten wurde. “Wenn die Verantwortlichen nicht glücklich sind mit dem, was ich getan habe, werde ich der erste sein, der geht.” Auch die Ursache für die Niederlage brachte der 62-Jährige schnell auf den Punkt: “Wir hatten zwölf schlechte Minuten, da haben wir schlecht verteidigt und deshalb verloren.”

Von: APA/dpa