Der Grieche arbeitete sich ins Halbfinale vor

Tsitsipas und Nadal im Halbfinale der Australian Open

Dienstag, 22. Januar 2019 | 15:09 Uhr

Im Halbfinale der Tennis-Australian-Open kommt es zum Duell des langjährigen Stars Rafael Nadal mit dem aufstrebenden Publikumsliebling Stefanos Tsitsipas. Der Spanier und der Grieche gewannen am Dienstag beim “Happy Slam” ihre Viertelfinali. Nadal setzte sich gegen den US-Amerikaner Frances Tiafoe 6:3,6:4,6:2 durch, Tsitsipas davor gegen den Spanier Roberto Bautista Agut 7:5,5:6,6:4,7:6(2).

Mit dem ungesetzten Tiafoe hatte Nadal relativ einfaches Spiel, zu klar und offensichtlich war der Klassenunterschied. Der Weltranglisten-Zweite ist damit im Turnierverlauf weiter ohne Satzverlust, obwohl er davor seit dem gewonnenen Viertelfinale gegen Dominic Thiem bei den US Open im September kein Match auf der Tour gespielt hatte. Noch zwei Siege fehlen dem Iberer auf seinen 18. Major-Titel, womit ihm nur noch zwei auf den Schweizer Rekordhalter Roger Federer fehlen würden.

Der Turniersieger von 2009 wird in seinem sechsten Halbfinale im Melbourne Park aber wohl hart zu kämpfen haben. “Er hat die Chance, einer der Besten für lange Zeit zu sein”, sagte der 32-Jährige über Tsitsipas. Gegen Bautista Agut (Nr. 22) bestätigte die Nummer 14 des Turniers seinen Achtelfinalerfolg gegen Federer. Nadal möchte nicht das nächste Opfer sein, hat aber Respekt: “Ich habe vor ein paar Runden gesagt, dass die Jungen ein paar Jahre warten können. Aber sie wollen nicht warten.”

Nadal setzte jedenfalls gegen Tiafoe eine unglaubliche Grand-Slam-Bilanz gegen US-Amerikaner fort. Seit einer Niederlage in der dritten Runde der US Open 2005 gegen James Blake hat er bei Majors 21. Partien in Folge gegen Spieler aus den USA gewonnen. Nadal steht nun zum bereits 30. Mal in der Vorschlussrunde einer der drei wichtigsten Tennis-Turniere, 17-mal der bisher 29-mal ging es für ihn weiter bis zum Titel.

Bis dahin ist es für Tsitsipas noch ein weiter weg, aktuell hat er auch nur den Moment genossen. “Es fühlt sich an wie ein Märchen. Das ist, wofür ich gearbeitet habe”, sagte er. Besonders zufrieden war er darüber, dass er an den Sieg über Idol Federer anknüpfen konnte. “Die größte Herausforderung war die Vorbereitung auf dieses Match. Ich bin froh, dass ich heute gut gespielt habe. Das zeigt, dass das kein Zufall war.

Zu sehr von den Gefühlen mitreißen lassen wollte sich Tsitsipas auch diesmal nicht, Kraft gibt ihm in Australien seine Familie. Nach dem Match gegen Bautista Agut erklärte er, wer außer Starcoach Patrick Mouratoglou in seiner Box saß: die kleine Schwester Elisavet, Bruder Petros, Vater und Trainer Apostolos und Mutter Julia, zu Sowjetzeiten eine Spitzenspielerin. Sein schon 1984 gestorbener Großvater Sergej Salnikow wurde 1956 Fußball-Olympiasieger – in Melbourne.

Kosmopolit Tsitsipas, nach eigenen Worten ein stolzer Grieche, spricht auch Russisch, war früh in Europa unterwegs und dreht seit einiger Zeit Videoclips über seine Reisen, die er auf Youtube veröffentlicht. In seinem Siegerinterview bat er darum, seinen Kanal zu abonnieren – die Zahl der Abonnenten verdoppelte sich angeblich binnen weniger Stunden. Tsitsipas’ Siegeszug in Melbourne erinnert an das Jahr 2006, als der Zyprer Marcos Baghdatis, mit dem Tsitsipas befreundet ist, es dort bis ins Finale schaffte.

“Ich liebe Kino, Film und Fotografie”, verriet der 20-Jährige. Videos zu drehen entspanne ihn, wenn er sich schlecht fühle. “Ich verstehe dadurch, dass Tennis nicht das Wichtigste im Leben ist, dass wir andere Talente haben.” Dazu trug auch ein einschneidendes Erlebnis bei: Sein Vater rettete ihn als Teenager auf Kreta vor dem Ertrinken.

Von: APA/dpa