Lewis Hamilton (l.) entging Startkarambolage

Überraschender Hamilton-Sieg nach Startchaos

Sonntag, 17. September 2017 | 18:18 Uhr

Mercedes-Pilot Lewis Hamilton hat nach Ausfällen der vor ihm gestarteten Konkurrenz unerwartet den Grand Prix von Singapur gewonnen und dadurch seine Führung in der Formel-1-WM deutlich ausgebaut. Während Sebastian Vettel, Max Verstappen und Kimi Räikkönen bei Regen schon in der ersten Runde ausschieden, fuhr der Brite am Sonntag seinen dritten Sieg in Serie heraus.

Hamilton feierte im Nachtrennen auf dem Stadtkurs vor Daniel Ricciardo im Red Bull (+ 4,507 Sek.) und seinem Teamkollegen Valtteri Bottas (8,800) seinen siebenten Saisonerfolg. In der Gesamtwertung führt er nun komfortable 28 Punkte vor Vettel. Das nächste Rennen findet in zwei Wochen in Malaysia statt, danach folgen noch fünf weitere.

Hamilton bejubelte seinen 60. Grand-Prix-Sieg besonders überschwänglich, schließlich hatte Mercedes auf dem verwinkelten Stadtkurs nur als Außenseiter gegolten. Der anfängliche Regen und die Fehler von Vettel und Co. bescherten ihm aber doch noch einen Freudentag. “Was für eine Wende, was für ein großartiger Tag. Natürlich hatten wir Glück, der liebe Gott hat mich gesegnet und ich habe die Situation mit den Ferraris genutzt”, sagte Hamilton.

Auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff hatte allen Grund zur Freude. “Das war natürlich ein Wahnsinns-Crash zwischen den Dreien, in dem Fall waren wir der Nutznießer. Lewis ist aber ein super Rennen gefahren”, betonte der Wiener. Mit diesem unverhofften Ausgang sei aber keinesfalls zu rechnen gewesen. “Natürlich ist das sensationell für die Meisterschaft. In der Früh war die Stimmung nicht großartig und wir haben noch von Schadensbegrenzung gesprochen. Und jetzt fahren wir hier mit den Plätzen eins und drei und mit so einem Vorsprung weg. Das nehmen wir natürlich gern.”

Für die im Qualifying dominierenden Ferrari und Red Bulls begann das Rennen denkbar schlecht. Verstappen und Räikkönen kollidierten unmittelbar nach dem Start und schieden mit demolierten Autos aus. Pole-Position-Mann Vettel überstand das anfängliche Chaos trotz Berührung scheinbar unbeschadet, musste seinen schwer havarierten Ferrari aber schon kurz darauf nach einem selbst verschuldeten Dreher ebenfalls abstellen. “Ich denke, das Auto war schon beschädigt, da macht es keinen Unterschied, um ehrlich zu sein”, so Vettel mit dem Verweis auf einen Kühlerschaden mit Druckverlust.

Am verhängnisvollen Startunfall sah der etwas nach innen gezogene Deutsche bei sich keine Schuld. “Ich war überrascht, ich habe nur einen gesehen, dann hat es schon geknallt. Es ist blöd gelaufen, weil wir beide draußen sind. Natürlich ist das doof, aber was sollen wir machen. Es geht weiter”, kommentierte Vettel das bittere Aus für beide Ferrari. Der vierfache Singapur-Sieger hatte in den jüngsten 18 Rennen stets gepunktet.

Räikkönen wollte sich öffentlich nicht an der Suche nach dem Unfallverursacher beteiligen. “Wer auch immer schuld ist, es ändert nichts daran, dass es enttäuschend ist und das Rennen für uns vorbei ist”, meinte der Finne. Der von Serienausfällen geplagte Verstappen war ebenfalls geknickt. “Am Ende war ich in einem Ferrari-Sandwich. Es ist passiert, ich bin froh, dass alle drei draußen sind, nicht nur ich. Aber das ist natürlich schade”, sagte der Niederländer, der sehr wohl Vettel als den Hauptschuldigen sah.

Die Rennrichter entschieden jedenfalls, dass keiner der drei beteiligten Fahrer “allein oder hauptsächlich” die Schuld an dem Crash trage. Von Strafen wurde daher abgesehen.

Während das Crash-Trio durch die Finger schaute, fuhr der unbeschadet durch die Startphase gekommene Hamilton nach der erforderlichen Safety-Car-Phase vorne auf und davon. Wenig später erzwang ein Unfall von Daniil Kwjat (Toro Rosso) dann aber schon die nächste Sicherheitsunterbrechung. Hamilton kam jedoch auch beim Neustart wieder gut weg und raste auf der immer trockener werdenden Strecke souverän vorne weg.

Die dritte Safety-Car-Unterbrechung nach einem weiteren Crash schob das Feld noch einmal zusammen. Hamilton hielt seine Verfolger aber bis zum Ende der Zweistunden-Rennzeit klar auf Distanz und wurde schließlich nach 58 Runden als Sieger abgewunken.

Von: apa