Die Euro2020 wackelt beträchtlich

UEFA schlägt offenbar Verlegung der Fußball-EM vor

Sonntag, 15. März 2020 | 20:26 Uhr

Wegen der Coronavirus-Pandemie will der Europäische Fußball-Verband nach Informationen des ZDF den Teilnehmern offenbar eine Verschiebung der Europameisterschaft vorschlagen. Die UEFA wolle am Dienstag zuerst den nationalen Ligen und der Vereinigung der europäischen Clubs (ECA) und dann später allen nationalen europäischen Fußballverbänden eine Turnierverlegung empfehlen.

Noch ist die EM, die in zwölf Ländern stattfindet, vom 12. Juni bis 12. Juli geplant. Eine Alternative wäre, die EM im Sommer 2021 auszutragen. Dafür müsste allerdings die FIFA die neu geschaffene FIFA-Club-WM auf Eis zu legen. Eine zweite Möglichkeit wäre die Verlegung der EM in den Spätherbst oder frühen Winter dieses Jahres.

Mit diesen Plänen stößt die UEFA bei Italiens Verband auf offene Ohren. “Wir werden der UEFA eine Verschiebung der EM vorschlagen”, erklärte Verbandschef Gabriele Gravina in einem Mediaset-TV-Interview. Damit würde auch die Hoffnung bestehen, die Serie A doch noch zu beenden. Das EM-Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei am 12. Juni ist in Rom geplant.

Auch Österreichs Sportminister und Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) spricht sich für eine Verschiebung der Fußball-EM aus. Betreffend der Olympischen Spiele ab Ende Juli in Japan äußerte sich Kogler am Sonntagabend im ORF-Fernsehen etwas zurückhaltender, aber auch die Abhaltung dieses Großereignisses hält er für sehr schwierig.

Die Fußball-EM dürfe hingegen unter den herrschenden Umständen wegen der Coronavirus-Krise keinesfalls im Sommer stattfinden. “Da habe ich persönlich eine klare Meinung und vermutlich wird sie auch so ausgehen, dass man die verschieben sollte”, sagte Kogler und sprach angesichts der Austragung in elf Staaten von einem wahren “Virenschleuderprogramm”.

Die EM im Frühsommer abzuhalten, sei aus jetziger Sicht völlig unverantwortlich, obwohl man freilich nicht wissen könne, wie sich die Lage bis dahin entwickeln werde. “Aber Juni ist nicht mehr so weit weg. Man muss jetzt die Entscheidung treffen. Ich kann mir nicht vorstellen, und hielte es auch nicht für sinnvoll, mit der jetzigen Wissenslage, wo in vielen Länder die Fallzahlen im Explodieren sind, zu sagen, na gut, halten wir irgendwie daran fest und schauen wir mal. Das ist unvorstellbar.”

Etwas anders schätzt Kogler die Situation der Olympischen Spiele in Tokio ein, die am 24. Juli beginnen sollen. “Aus mehreren Gründen: Erstens später, zweitens Japan, weiter weg. Die haben nicht solche Probleme auf der Insel, aber es gibt schon das Problem, dass die Teilnehmer aus ganzer Welt daherkommen, auch da muss man wieder aufpassen.”

Letztlich werde es neben der weiteren Corona-Entwicklung auch davon abhängen, ob die Qualifikationen wegen der aktuellen Veranstaltungsstopps überhaupt noch fair ablaufen können. Die Entscheidung liege ohnehin beim IOC, damit sollte es sich aber nicht mehr zu lange Zeit lassen. Außerdem sei nicht abschätzbar, wie sich die Lage im Sommer darstellen werde. “Wie dort das Risiko minimiert werden kann, halte ich noch für offen, aber schwierig wird das allemal.”

Im Hinblick auf das vier Milliarden schwere Hilfspaket seiner Regierung für wirtschaftliche Coronavirus-Folgen in Österreich kündigte Kogler auch Gelder für den Sport an. Härtefällen aus diesem Bereich – etwa für Ein-Personen-Unternehmen oder Beschäftigte mit Werkverträgen – solle “möglichst schnell und unbürokratisch” geholfen werden. Für den Sportbereich werde sicher Geld da sein, versprach er. An wen, in welcher Höhe und Form sowie unter welchem Titel diese Mittel fließen sollen, sei aber noch offen.

Von: APA/dpa