Lamoureux-Davidson trifft beim Penaltyschießen

US-Frauen zum zweiten Mal nach 1998 Eishockey-Olympiasieger

Donnerstag, 22. Februar 2018 | 09:33 Uhr

In einem Final-Krimi haben die US-amerikanischen Eishockey-Frauen den Erzrivalen Kanada entthront und zum zweiten Mal die olympische Goldmedaille gewonnen. Das US-Team setzte sich am Donnerstag im Endspiel bei den Winterspielen von Pyeongchang mit 3:2 nach Penaltyschießen durch und bezwang den vierfachen Olympiasieger.

Großen Anteil am Triumph hatten Monique Lamoureux-Morando mit einem Tor und Jocelyne Lamoureux-Davidson mit dem letztlich entscheidenden Penalty. Monique und Jocelyne sind die Schwestern von Vienna Capitals-Torhüter J.P. Lamoureux und Graz-Stürmer Mario Lamoureux. Nachdem Jocelyne Lamoureux-Davidson im Showdown getroffen hatte, hielt Maddie Rooney danach den Versuch von Meghan Agosta.

Erstmals wurde ein Finale beim olympischen Frauen-Turnier im Penaltyschießen entschieden. Die Kanadierinnen hatten bei den vorigen vier Winterspielen jeweils Gold gewonnen und waren zuvor bei Olympia 24 Spiele in Serie ungeschlagen gewesen. Nur bei der Olympia-Premiere 1998 in Nagano hatten die USA im Finale bisher triumphiert.

Eishockey-Legende Wayne Gretzky richtete vor dem “Gipfel des Frauen-Eishockeys” (“Sports Illustrated”) via Twitter kurz vor dem ersten Bully noch pathetische Worte an die kanadischen Frauen: “Wir alle spielen für etwas Größeres als uns selbst… #WirAlleSpielenFürKanada”.

Doch wie schon beim umkämpften 1:2 in der Vorrunde setzte das US-Team die Kanadierinnen früh unter Druck, schoss erneut deutlich öfter auf das gegnerische Tor. 25 Sekunden vor Ende des ersten Drittels erzielte Hilary Knight in Überzahl die verdiente Führung.

Kanada schlug zurück. Haley Irwin (23.) und Marie-Philip Poulin (27.) überwanden die erst 20-jährige US-Torfrau Rooney. Poulin hatte den USA 2014 in Sotschi mit ihren beiden Treffern kurz vor Ende des dritten Drittels und in der Verlängerung noch den Triumph entrissen.

Das Spiel im Gangneung Hockey Centre war auch von harten Aktionen auf beiden Seiten geprägt, insgesamt 18 Strafminuten verteilten die Unparteiischen. Nach dem Rückstand liefen die Amerikanerinnen verzweifelt auf das Tor von Shannon Szabados an, konnten die zweifache Olympiasiegerin lange nicht bezwingen. Erst Monique Lamoureux-Morando (54.) nutzte einen kollektiven kanadischen Aussetzer in der Defensive und glich nach einem Solo aus. In der Verlängerung konnten beide Teams ihre zahlreichen Chancen nicht nutzen. Schließlich ließen Gigi Marvin, Amanda Kessel und Jocelyne Lamoureux-Davidson die USA mit ihren Penaltytreffern wie zuletzt 1998 jubeln.

Die beiden Teams aus Nordamerika stehen im Frauen-Eishockey für absolute Ausnahmeklasse. Keine andere Auswahl stand jemals in einem WM-Finale, achtmal gewann Kanada, zehn Titel feierten die USA, darunter auch bei den vergangenen vier Weltmeisterschaften. Und auch auf dem olympischen Eis von Pyeongchang dominierten sie nach Belieben – jeweils 5:0 hieß es für die USA (gegen Finnland) und Kanada (gegen die Olympischen Athleten aus Russland) in den Halbfinali. Die Finninnen holten sich Bronze mit einem 3:2-Erfolg über die russische Auswahl.

Von: APA/ag,