Vorteil Rapid im Play-off-Showdown

VAR-Patzer und Ärger bei turbulentem Rapid-Sieg

Freitag, 27. Mai 2022 | 20:32 Uhr

Nach dem ersten Teil des Showdowns um den letzten Europacup-Startplatz in der Fußball-Bundesliga war Rapids Trainer Ferdinand Feldhofer zwar stolz, aber auch ein wenig bedrückt. “Ja, wir hätten 3:0 in Führung gehen müssen, ja, wir hätten auch einen Elfmeter bekommen müssen und ja, wir haben wieder einen Verletzten mehr. Es passt einfach zu unserem Frühjahr”, sagte Feldhofer nach dem 2:1-Sieg bei der WSG Tirol im Hinspiel des Europacup-Play-offs am Donnerstag bei Sky.

Besonders die schwere Verletzung von Rapid-Kapitän Maximilian Hofmann überschattete das erste Duell um einen Platz in der zweiten Runde der Conference-League-Qualifikation. In der Nachspielzeit der ersten Spielhälfte prallte der Innenverteidiger unglücklich mit dem Knie des herausstürmenden SCR-Goalies Paul Gartler zusammen und zog sich dabei einen Jochbein-, Kiefer- und Augenhöhlenbruch zu. Der 28-Jährige wird wohl am Samstag operiert und dürfte laut Geschäftsführer Sport Zoran Barisic monatelang ausfallen. “Ein Spiegelbild dieser Saison”, sagte der Sportchef über die Verletzung von Hofmann.

Für das Rückspiel am Sonntag (17.00 Uhr/Sky) in Hütteldorf sind zudem Thorsten Schick, Yusuf Demir, Marco Grüll, Robert Ljubicic und nach den Angaben von Feldhofer “ein, zwei weitere Spieler” fraglich. Kein Thema ist Filip Stojkovic, der eine Vertragsverlängerung ausschlug und sich für die WSG-Partien wegen einer Blessur nicht einsatzfähig meldete. Allerdings kursieren im Internet Videos, die zeigen, dass der Rechtsverteidiger am Donnerstag im Stadion in Belgrad den Cupsieg seines Ex-Clubs Roter Stern Belgrad feierte. Rapid reagierte darauf mit einer fristlosen Auflösung des noch bis Ende Juni laufenden Vertrages.

“Die Rapid-Familie erwartet zurecht von jedem Spieler vollen Einsatz und Identifikation. Ich bin auch persönlich sehr enttäuscht, dass dies scheinbar nicht mehr für alle selbstverständlich zu sein scheint. Es ist doppelt verwerflich, wenn ein Spieler, der unsere Mannschaft einige Male als Kapitän auf das Feld geführt hat, Party feiert, obwohl er nicht mehr für seinen Arbeitgeber spielen kann”, sagte Rapid-Präsident Martin Bruckner. Die beiden Geschäftsführer Zoran Barisic und Christoph Peschek kündigten an, dass es in Zukunft für etwaige Unruhestifter scharfe Konsequenzen geben werde. “Niemand ist größer als der Club”, betonten sie.

Auch ohne den Montenegriner brachte eine laut Feldhofer “verstärkte Rapid-II-Mannschaft” ein 2:1 nach Hause, nachdem Grüll (10.) und Jonas Auer (13.) früh für einen komfortablen Vorsprung gesorgt hatten. “Ich bin richtig stolz, wie wir die Situation gemeistert haben”, betonte Feldhofer.

Sollte sich seine Mannschaft im Retourmatch durchsetzen, würden von Ende Juli bis Anfang November zwölf internationale Partien warten – und zwar dann, wenn Rapid alle drei Quali-Runden in der Conference League übersteht. “Das Wort Doppel- oder Dreifachbelastung wird bei uns im Verein dann nicht mehr in den Mund genommen werden”, kündigte Barisic an.

Die Ausgangsposition hätte für die Grün-Weißen noch angenehmer sein können, wenn Schiedsrichter Sebastian Gishamer nach einer halben Stunde auf den Elfmeterpunkt gezeigt hätte. WSG-Tormann Ferdinand Oswald hatte Grüll offensichtlich strafbar von den Beinen geholt, doch die Pfeife blieb stumm, genauso wie VAR Alan Kijas. Ein Fehler, wie die VAR-Instruktoren in der Nachbetrachtung einräumten. Sie hätten “ein Eingreifen als gerechtfertigt und wünschenswert erachtet”, twitterten sie am Donnerstagabend.

Die Analyse der Szene habe ergeben, dass es sich regeltechnisch um einen Strafstoß gehandelt habe. Zuvor aber hatte der VAR die Entscheidung des Schiedsrichters “als nicht klar und offensichtlich falsch eingestuft und deshalb nicht eingegriffen”, hieß es in der Erklärung. Für Feldhofer gab es keine zwei Meinungen: “Das muss einfach der Schiri am Spielfeld entscheiden”, sagte er: “Da brauchen wir auch nicht über den VAR reden.”

Gishamer gestand nach Schlusspfiff seinen Fehler ein. “Jeder ist im Nachhinein, wenn man die Bilder sieht, klüger und in dem Fall würde ich auch sagen, dass es eine Fehlentscheidung war. Man hätte wohl auf Strafstoß entscheiden müssen”, sagte er. Seine Wahrnehmung sei am Spielfeld eine andere gewesen, er sah Oswald als “eher statisch” an. Der VAR habe seiner Argumentation folgen können. Eine mögliche Abseitsposition im Vorfeld wurde ebenfalls gecheckt. Schiedsrichterglück hatten die Rapidler in einer anderen Szene, als Hofmann nach einem Foul etwas später nicht mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wurde.

Feldhofer freute sich jedenfalls über die “tolle Ausgangssituation”, die aufgrund der Auswärtstorregel “natürlich noch etwas besser” sei. Die Auswärtstorregel, im Europacup und andernorts längst aufgehoben, kommt in der laufenden Bundesligasaison noch zur Anwendung. “Das ist auch einmalig bei uns hier, in jedem anderen Wettbewerb wurde sie abgeschafft”, bemerkte Oswald. Die Wattener brauchen in Wien deshalb mindestens zwei Tore, um den Traum von Europa am Leben zu halten.

“Natürlich ist es ein schwieriges Unterfangen”, sagte WSG-Trainer Thomas Silberberger. Rapid habe verdient gewonnen, “weil sie uns in den ersten 20 Minuten den Stecker gezogen haben”. Dann hielt Torjäger Giacomo Vrioni die Tiroler mit seinem 19. Saisontor im Spiel. Da die Treffer im Play-off für die Torschützenliste gewertet werden, zog der 23-Jährige mit Salzburgs Karim Adeyemi gleich und könnte sich am Sonntag nach drei Bonusspielen noch die Torjägerkrone sichern.

Das Motto der Wattener für die nächsten Tage? “Clever regenerieren und dann schauen, dass wir in Wien das Unmögliche möglich machen”, sagte Silberberger: “Noch sind wir nicht raus. Es haben schon viele Spiele in der Relegation gezeigt, da gibt es fast nur Auswärtssiege.” Und Vrioni kündigte an: “Wir fahren nach Wien, um das Wunder zu verwirklichen.”

Von: apa

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