Bernd Neuendorf (r.) und Oliver Bierhoff bei einem Medientermin

Verbände wegen “One Love”-Binde “massiv von FIFA bedroht”

Dienstag, 22. November 2022 | 17:09 Uhr

Fußballverbände, die geplant hatten, ihre Kapitäne mit der “One Love”-Armbinde auflaufen zu lassen, um während der Weltmeisterschaft in Katar ein Zeichen gegen Diskriminierung zu setzen, seien “massiv von der FIFA bedroht” worden. Im Endeffekt führte es dazu, dass die geplante Aktion eingestellt wurde. Das teilte der deutsche Fußballverband (DFB) in Person seines Mediendirektors Steffen Simon am Dienstag mit.

Kapitän Manuel Neuer und seinen Teamkollegen wird nun vielfach Charakterschwäche vorgehalten. Daraufhin verteidigten Vertreter des DFB die Entscheidung, auf das Tragen der Schleife zu verzichten.”Wollen wir die Mannschaft, wollen wir unseren Kapitän einem solchen Risiko aussetzen, dass wir sportlich sanktioniert werden? Da war unsere Antwort, die ganze Debatte wollen wir nicht auf dem Rücken der Spieler austragen”, sagte DFB-Präsident Bernd Neuendorf.

Mediendirektor Simon könne die Enttäuschung der Öffentlichkeit verstehen, die dem DFB ein “Einknicken” vorgeworfen hatte. Der DFB habe seine Haltung aber nicht aufgegeben, nun müsse man sich andere Optionen überlegen.”Wir haben (…) die Binde verloren, aber nicht unsere Werte”, betonte Simon. DFB-Direktor Oliver Bierhoff deutete andere Aktionen für Menschenrechte zumindest an, indem er sagte: “Das eine ist das, was auf dem Platz passiert. Da gibt es klare Regularien. Was wir in der Freizeit machen, ist doch eher uns überlassen.”

FIFA-Chef Gianni Infantino habe dem englischen Team vor dem Spiel am Montag massive sportliche Sanktionen angedroht, ohne aber diese zu konkretisieren, erklärte Simon. Daraufhin hätten sich die europäischen Verbände dafür entschieden, solidarisch zusammenzustehen und kein Auseinanderbrechen des europäischen Blocks zu riskieren.

Die Androhung sportlicher Sanktionen seitens des Weltverbandes FIFA habe “sehr viel Druck ausgeübt auf die Spieler, die Unruhe hineinbringt in die Mannschaften. Das ist wirklich nicht das, was man vor so einem Turnier braucht”. Neuer war vor der Entscheidung telefonisch eingebunden worden. DFB-Direktor Bierhoff sprach angesichts des Zeitpunktes des FIFA-Diktats von einem speziellen Druck, dem die Spieler ausgesetzt würden.

Bundestrainer Hansi Flick meinte am Dienstagabend, dass die Spieler “sehr, sehr unzufrieden” und “geschockt” auf das FIFA-Verbot reagiert hätten. Laut Flick ging es auch nicht darum, eine Gelbe Karte für Neuer zu riskieren. “Wenn es eine Gelbe Karte ist, ist alles okay. Dann ist Jo Kimmich Kapitän, Thomas Müller für das dritte Spiel. Das wäre gar kein Problem gewesen.” Die FIFA hatte aber die genaue Art der Sanktion offen gelassen. “Die Verbände haben gesagt, wir wollen die Spieler da nicht reinjagen, wir nehmen den Druck raus, was auch vernünftig ist”, sagte Flick.

Angesichts des “One Love”-Verbots prüft der DFB einem “Bild”-Bericht zufolge den Gang vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS). “Die FIFA hat uns ein Zeichen für Diversität und Menschenrechte verboten. Sie hat dies mit massiven Androhungen sportlicher Sanktionen verbunden, ohne diese zu konkretisieren. Der DFB prüft, ob dieses Vorgehen der FIFA rechtmäßig war”, sagte Simon.

Für den DFB hat die FIFA-Entscheidung zur “One Love”-Armbinde bereits erste Folgen. Der Handelsriese Rewe stellt ab sofort die Kooperation mit dem DFB ruhend. Rewe wolle sich in aller Deutlichkeit von der Haltung der FIFA und den Äußerungen von Präsident Infantino distanzieren und werde deshalb auf seine Werberechte aus dem bestehenden Vertrag mit dem DFB insbesondere im Kontext der WM verzichten, sagte Konzernchef Lionel Souque am Dienstag. Auch die Deutsche Telekom kündigte an, mit dem DFB über die Thematik rund um die Binde sprechen zu wollen.

Bei der Debatte um die Armbinde beteiligte sich nun auch der US-Außenminister Antony Blinken. “Man darf niemanden zwingen, zwischen dem Ausdruck der eigenen Werten und dem Ausüben des Sports entscheiden zu müssen”, sagte Blinken am Dienstag.

Von: APA/dpa

Kommentare

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33 Kommentare auf "Verbände wegen “One Love”-Binde “massiv von FIFA bedroht”"


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sepp2
sepp2
Universalgelehrter
16 Tage 21 h

finde ich gut, es sollte ausschließlich um Sport gehen

xXx
xXx
Kinig
16 Tage 20 h

genau das wünscht sich jeder Fan.
Welche sportlichen Gründe gibt es nochmal für eine Winter WM on der Wüste?

@
@
Universalgelehrter
16 Tage 17 h

@xXx
Damit der Weltcup der Skispringer auf Matten ausgerichtet werden kann🙈. Verückte Welt.

Anja
Anja
Universalgelehrter
16 Tage 16 h

Menschenrechte haben immer und überall Platz! Menschenrechte stehen immer an erster Stelle und darüber muss nicht diskutiert werden!

Wir sprechen hier nicht von Politik, Menschenrechte sind keine poltische Meinung oder Strömung! Und es gibt keinen falschen Zeitpunkt, daran zu erinnern!

Die Frage ist: sind uns diese Grundrechte weniger wert als ein bisschen “Ballspielen”? laut Fifa ja… ich schaue auch gerne Fußball, aber nicht um jeden Preis… nimm dir die iranische Mannschaft als Beispiel, denke über deren Lage zuhause nach und dann sag ihnen ins Gesicht: Sport ist Sport, vergesst einfach die Realität! Solche Aussagen sind billig und realitätsfern

Anja
Anja
Universalgelehrter
16 Tage 16 h
… und wenn man bedenkt, dass – damits für dich um Sport gehen kann – x tausend Arbeiter einfach mal so unter horrenden Arbeitsbedingungen verschwunden, verstorben und sonst wo verscharrt wurden (sicher liegen gerade jetzt in dem Moment haufenweise Knochen von dieser menschlichen Ware unter dem perfekt grünen Rasen wo gerade Frankreich gegen Australien um einen goldenen Pott spielen)… … Arbeiter – Ehemänner, Brüder, Söhne – die das in Kauf genommen haben, in der Hoffnung, ihren Familien Geld nach Hause schicken zu können… Aber hauptsache wir können ein bisschen Ballspielen in klimatisierten Stadien mitten in der Wüste schauen… und alles… Weiterlesen »
krokodilstraene
Tratscher
16 Tage 22 h

Mit der Binde wurden eindeutig auch die Werte über Bord geworfen, da sie – ganz einfach gesagt – gegen die Meinung der FIFA und damit gegen die Meinung des Allmächtigen (Infantino) ausgetauscht worden ist!

Wie man “infante” übersetzt, wissen wir – und den Rest denken wir uns dazu…

Faktenchecker
16 Tage 21 h

Kürzlich im Stadion…

Staenkerer
16 Tage 20 h

@Faktenchecker na jo, gibs ba der FIFA eigendlich lei den infantino der es sogn hot oder gibs do a ondre de mitredn kennen?
denn das (zu)hochbezahlte spieler und trainer sich mit androhungen unter druck setzn lossn versteh i no, ober das oan oanziger drohen konn nit! do spuen woll olle FIFAfunktionäre wenn infantino pfeift, oder der gonze haufn isch nit besser und gleich korupt!

xXx
xXx
Kinig
16 Tage 22 h

Ja, das Risiko sportlicher Sanktionen kann man natürlich niemanden zumuten, da haben z.B die Iraner leicht reden, die riskieren ha nur ihr Leben.

Ich hätte die gesamte Mannschaft, inklusive Reserve und Betreuerstab mit Binde auflaufen lassen. Das hätt ich gern gesehen wie die FIFA diese 7 nicht unerheblichen Nationen sportlich Sanktioniert. Was wäre passiert, Punktabzug, Sperren…diese Nationen nach Hause schicken….?
Stellt euch mal vor was dann los wäre, dass wäre ein Protest und nicht dieses heuchlerische Drückebergerei kaum das jemand den Zeigefinger hebt.

Frank
Frank
Universalgelehrter
16 Tage 17 h

So ist es, drauf ankommen lassen und notfalls die Sperren in Kauf nehmen. Dann könnten die Herren Funktionäre ab nächster Woche selbst spielen. Das ganze Turnier ist eine unwürdige Farce.

gschaidian
gschaidian
Superredner
16 Tage 21 h

Jetzt hört mal mit dem Krampf auf.  Einmal knien sie nieder, ein anderes Mal geht es um Binden, was soll es denn noch alles sein! Es geht um Fußball !! Politische und moralische Werte oder Unwerte könnt ihr irgendwo anders proklamieren. Beim Sport geht es um Gewinnen oder Verlieren und sonst gar nichts. Wenn es so weiter geht, dann wird noch alles und jedes instrumentalisiert. Es braucht neutrale Veranstaltungen. 

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
16 Tage 18 h

Unter moralischen Gesichtspunkten tust du mir nur leid!

Faktenchecker
16 Tage 22 h

Die WM ist nichts mehr Wert. Infantino persönlich muss Schadenersatz zahlen.

Im Grunde genommen
16 Tage 21 h
Wenn es wirklich drauf ankommt, gegen Missstände aufzutreten, zeigt sich das wahre Gesicht. Dann ziehen unsere “Idole” und “Helden” den Sch… ein. Niemand von ihnen hat den nötigen Charakter, standhaft zu bleiben. Sie alle sind gekauft und man sieht, es interessiert sie nicht wirklich, was andere Menschen erleiden müssen – wenns gut ankommt, so wie in Europa, dann tun sie halt so. Wenn alle zusammenstehen würden, dann hätte die FIFA wohl kaum eine Chance. Ohne die europäischen Nationalmannschaften können sie eine WM vergessen. Aber das zeigt uns: In einer Welt, in der das Geld regiert, ist Empathie nur ein leeres… Weiterlesen »
tom
tom
Universalgelehrter
16 Tage 22 h

mögen niedrige Einschaltquoten mit ihnen sein. beim Eröffnungsspiel leerten sich in der 2. Halbzeit die Zuschauerränge. sehr gut, die habens wohl verstanden.

sophie
sophie
Kinig
16 Tage 22 h

Lei mehr ols a Krompf, do geats lei um Mocht und Geld, de WM intressiert mi net….

Hustinettenbaer
16 Tage 21 h

Oooh, eine Runde Mitleid.
Jetzt kommt die “Bedrohung” von Rewe, Telekom… und deren Kunden.

Wegen “OneLove”-Entscheidung: Rewe beendet Zusammenarbeit mit DFB | tagesschau.de
Rewe beendet Zusammenarbeit mit DFB: Aktion hat Beigeschmack – Adidas und Telekom reagieren (merkur.de)

einervonvielen
einervonvielen
Universalgelehrter
16 Tage 20 h

@Husinettenbaer….Rewe hatte das schon vor Wochen angekündigt…nur mal so ganz nebenbei

OrtlerNord
OrtlerNord
Superredner
16 Tage 18 h

Hust……..
Ist sachlich nicht richtig!
Rewe hat vor der WM schon gekündigt!
Sie hat jetzt alle Artikel mit DFB Werbung aus dem Verkauf genommen und verschenkt jetzt die Sticker mit Hefter.

Hustinettenbaer
16 Tage 16 h

Ach Leute, der frühe Rewe-Rückzieher steht doch in den Links (“Aktion mit Beigeschmack”).
Warten wir die weitere Entwicklung ab.

primetime
primetime
Kinig
16 Tage 21 h

Sicherlich sind die Fußballer aus sportlichen, nicht politischen Gründen dort.
Aber ein Zeichen setzt man nun nur mehr durch Boykott

Doolin
Doolin
Kinig
16 Tage 20 h

…was für arme Heiter!…zuerst grosse Klappe, dann Schwanz einziehen…was will denn der Infantino tun, wenn die stärksten Verbände mit der Binde auflaufen, Katar zum Weltmeister ernennen?…
🤪

Faktenchecker
16 Tage 21 h

So sieht  ein mit 41.721 ausverkauftes 40.000 Plätze Stadion aus.

Oracle
Oracle
Universalgelehrter
16 Tage 20 h

… Geld regiert die Welt, sagt man und die Fifa unter Blatter vorher und unter Infantino nachher hat sich nicht geändert…. und Katar hat viele Petroldollar zu vergeben….der Fußball ist bekanntlich ein armer Sport….schade, dass wiedermal demokratische Werte mit Füssen getreten werden (nicht nur der Ball).. ich bin aber sicherlich nicht die einzige Person, der Fußball nicht interessiert….

Paladin
Paladin
Superredner
16 Tage 20 h

Unglaublich wie offensichtlich korrupt die FIFA ist und hier, ebenso offensichtlich die freie Meinungsäußerung massiv boykottiert. Noch unglaublicher ist aber, dass alle daneben stehen und mit den Schultern zucken. Tja ist dann halt so. Panem et circensis, manches ändert sich halt nie.

Faktenchecker
16 Tage 21 h

Die neueste Entwicklung:

Die Auseinandersetzung um die Kapitänsbinde mit dem Vielfaltslogan könnte vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) landen.
sport1.de

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
16 Tage 19 h

Ich begrüße, dass bereits der erste FIFA Sponsor REWE mit sofortiger Wirkungen alle seine Aktivitäten eingestellt hat. Adidas hat verkündet, das sein Engagement bei der FIFA auf der Kippe steht und nach der WM zur Sprache kommt…

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
16 Tage 20 h

Meine erste Reaktion auf diese unglaubliche Verhalten der FIFA, war Fassungslosigkeit. Spontan dachte ich: eine spektakuläre Solidarität der Europäischen Verbände und ein weltweites Zeichen wäre die sofortige Abreise aus Katar gewesen. Ob das das Ende der FIFA und vorallem Infantinos bedeutet hätte, wage ich allerdings zu bezweifeln. Also wen bestraft man ? 1. Sportler, die nicht oft oder nur dieses eine Mal in ihrer Karriere an einer WM teilnehmen können. 2. Tausende, auch einheimische Fans, die Nichts für das Tun und vorallem Lassen ihrer Regierenden können…

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
16 Tage 14 h

Ist es möglich, dass Fussballmillionäre von der FIFA bedroht werden können? Ich würde mit meinen Millionen heimfahren und der Infantino mit seinem Scheich können sich die WM selber ausspielen, wenn sie meinen. So eine Drecksbande!

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
16 Tage 14 h

Wenn ich als Fussballer die WM in diesen Stadien spielen müsste, würde ich die Gänsefrigilan bekommen,  bei jedem Schritt auf diesem Rasen voller Blut und Elend…

Mimispatz
Mimispatz
Grünschnabel
16 Tage 8 h

Die Fifa hat ihre Konfrontation mit sieben europäischen Ländern gewonnen. Das Lamentieren im Nachhinein hätte im Vorhinein schon Konsequenzen haben müssen : Nein zu Katar !

krokodilstraene
Tratscher
16 Tage 6 h

Haben die Verbände wirklich so wenig Macht und MUMM, dass sie sich ein solches Verhalten eines einzelnen “Großkopfeten” bieten lassen?
Was hätte der Infantino (kleines Kind 😉 ) gemacht, wenn alle Verbandsgremien geschlossen bei ihm aufgetaucht wären und ihm unmissverständlich erklärt hätten, dass er sich seine Meinung dorthin schieben kann, wo es immer stockdunkel ist (außer vielleicht bei einer Koloskopie…)?
Die Verbände dürfen sich eingestehen, dass sie “Mitspieler” sind und sich durch ihr Duckmäuserverhalten ebenso mitschuldig machen!

Nathanbosemann
Nathanbosemann
Grünschnabel
15 Tage 5 h

Dänemark wird von der FIFA austreten und Deutschland denkt darüber nach – alle anderen Fußballgroßmächte wie Italien, Frankreich, England, Spanien könnten folgen, dann kann Infantino nicht nur seinen Wohnsitz nach Katar verlegen sondern auch die FIFA mitnehmen – Sauhaufen! Was für ein Tiefpunkt des Weltfußballs!

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