Kraft schaffte den Anschluss an die Elite wieder

Versöhnliches Ende für Kraft nach verpatzter Tournee

Sonntag, 07. Januar 2018 | 14:05 Uhr

Stefan Kraft hat die Vierschanzen-Tournee doch noch mit einem Lächeln verlassen. Der in Garmisch und Innsbruck arg gebeutelte Doppel-Weltmeister schaffte am Dreikönigstag in Bischofshofen wieder den Anschluss an die Elite. “Der vierte Platz ist etwas bitter, aber ich bin voll zufrieden wie ich gehüpft bin und wie ich das zusammengebracht habe”, sagte der 24-Jährige.

Seine Heimschanze mit dem langen und eher flachen Anlauf sei ihm in der aktuell schwierigen Situation entgegengekommen. “Da konnte ich mich ganz in Ruhe auf meine Hocke konzentrieren”, sagte der Pongauer. Selbstvertrauen schöpfte er auch aus der Tatsache, dass er trotz noch nicht optimaler Sprünge vorne mit dabei war. “Sie waren brav und sehr stabil”, erklärte Kraft. Genau das Richtige nach der vorangegangenen Unsicherheit, aber noch nicht das vom Weltcupsieger in der vergangenen Saison gewohnte Niveau. “Das Letzte hat halt noch gefehlt”, meinte der Ex-Tourneesieger.

Schon das kommende Wochenende soll eine weitere Steigerung bringen. Da wartet das Skifliegen auf dem Kulm bei Bad Mitterndorf/Tauplitz. Im Training in Bischofshofen am Dienstag will sich der Dritte der Skiflug-WM 2016 auf die Generalprobe für die heurige WM einstimmen. “Skifliegen ist das Beste, das es gibt. Ich weiß, dass ich es kann”, betonte Kraft. “Da braucht man viel Ruhe, da geht nichts mit Gewalt. So wie ich das in Bischofshofen gemacht habe, kann es sehr gut funktionieren.”

Aus der Tournee habe er viel gelernt, erklärte Kraft. “Es gibt Phasen, wo ich zu hart zu mir bin und zu spät einsehe, dass ich verkrampft war”, bekannte er in Bischofshofen. Vor Weihnachten sei er im ÖSV-Training in Garmisch “bombastisch” gesprungen. “Dann komm ich zur Tournee hin, will alles niederreißen und das geht sechs Mal in die Hose. Ich wollte es gleich vom ersten Sprung weg zeigen, das gelang nicht und dann war das Gefühl schon beim Teufel”, analysierte Kraft rückblickend.

Cheftrainer Heinz Kuttin hatte vor Bischofshofen an das Vermögen von Kraft und von Michael Hayböck (11. Rang) geglaubt. Die Leistungen waren Balsam nach den Enttäuschungen von Garmisch und Innsbruck. “Das tut der ganzen Mannschaft richtig gut, weil wir die positive Emotion mitnehmen. Nach allem, was wir da erlebt haben”, sagte der am Freitag 47 Jahre alt gewordene Kärntner. “Wir wissen, welches Potenzial in unseren Burschen steckt und das wollen wir in Ruhe umsetzen.”

Fehler hätten sich er und sein Team nicht vorzuwerfen. “Wir haben sehr viel analysiert, haben sehr viel hinterfragt. Man ist nicht ganz auf der Höhe, die Leichtigkeit geht etwas verloren und dann schaut man auf die Ski, auf die Anfahrtsposition. Aber man darf nicht vergessen, man muss an sich selbst arbeiten, an der Emotion. Man darf nicht sagen, das ist schlecht, das ist schlecht, sonst kommt man in einen Strudel rein”, betonte Kuttin.

Seine Enttäuschung verhehlte der Cheftrainer freilich nicht. “Ich kehre immer vor meiner eigenen Türe. Aber unser Plan war gut, wir waren sehr gut aufgestellt.” Er sei stolz, dass alle im Team ruhig und sachlich geblieben seien. Präsident Peter Schröcksnadel habe sich vor das Team gestellt. “Er hat mir ganz klar gesagt, dass er mir vertraut. Das war sehr wichtig für uns”, betonte Kuttin. “Wir haben vor zehn Monaten schöne Erfolge gefeiert mit dem gleichen Team und jetzt ist eine Phase, wo wir durchfighten müssen.”

Das nächste Großereignis, die Skiflug-WM in Oberstdorf (19.-21.1.), steht vor der Tür. Auf dem Kulm soll die perfekte Einstimmung gelingen, ein Team muss gefunden werden. Kraft sei trotz des noch fehlenden letzten Selbstvertrauens nicht weit weg von Kamil Stoch, Hayböck habe sich während der Tournee gut entwickelt, sagte Kuttin. Und Manuel Poppinger sowie Manuel Fettner hätten “kleine positive Emotionen” erlebt. Für Gregor Schlierenzauer setzte es hingegen just in den Heimbewerben Enttäuschungen.

Fettner dürfte im steirischen Salzkammergut fehlen, er zieht Training vor. Das ÖSV-Team für die zwei Weltcupbewerbe wird am Dienstag nominiert. Zuvor wird am Dienstag in Innsbruck bzw. Bischofshofen trainiert, da können sich auch Springer aus dem Kontinentalcup für das Skifliegen empfehlen.

Von: apa

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