Vettel unterwegs zum Sieg

Vettel konnte bei überlegenem Spa-Sieg “locker cruisen”

Montag, 27. August 2018 | 13:43 Uhr

Das WM-Duell zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton bleibt ein Krimi mit vielen Wendungen. Beim Grand Prix von Belgien am Sonntag spielte der Deutsche den Topspeed-Vorteil des Ferraris aus und reist mit viel Schwung zum Ferrari-Heimspiel in einer Woche nach Monza. Mercedes und Titelverteidiger Hamilton, dessen Vorsprung in der WM-Wertung schmolz, blieben in Spa indes ratlos zurück.

“Er hat mich überholt, als wäre ich nicht da gewesen”, sagte Hamilton mit Blick auf das letztlich entscheidende Überholmanöver Vettels bereits in der ersten Runde. Auf dem zweiten Platz gestartet, spielte der Deutsche den höheren Top-Speed des Ferraris sofort aus. Auf der Kemmel-Geraden zog er auf gleiche Höhe, vor der Schikane Les Combes war er vorbei. “Es ist alles nach Plan gelaufen. Das Timing ist wesentlich. Ich wusste, dass ich meine Chance bekomme”, sagte Vettel.

Unmittelbar nach dem Start hatte der umstrittene Schutzbügel Halo erstmals seinen Wert bewiesen. Der durch einen Bremsfehler von Renault-Pilot Nico Hülkenberg anschobene McLaren von Fernando Alonso wurde auf den Boliden von Charles Leclerc torpediert. “Ich bin mir sicher, dass Halo Leclerc heute geholfen hat”, sagte Alonso. Der frühere Weltmeister Nico Rosberg twitterte: “Wir können die Halo-Debatte jetzt beenden. Er wird Leben retten.”

Die Ferrari-Überlegenheit und Vettels Routine ließen den Belgien-Grand-Prix im Anschluss zu einem eher ereignislosen werden. “Einsam durch die Eau Rouge”, titelte die “Süddeutsche Zeitung” am Montag. Der vierfache Weltmeister sah dies nach seinem 52. Grand-Prix-Sieg ähnlich, formulierte es aber freilich anders: “Die letzten Runden konnte ich locker cruisen.” Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene stellte zufrieden fest: “Heute haben wir bewiesen, dass unser Auto stärker ist.”

Red Bull blieb wie vor der Sommerpause dritte Kraft. Während Daniel Ricciardo ausschied, fuhr der Niederländer Max Verstappen als Dritter zwar aufs Podest, beim Ringen um den Tagessieg konnten die “Bullen” aber wieder nicht eingreifen. Nach Qualifying-Platz sieben war aber wohl nicht mehr drin, deutete Motorsport-Berater Helmut Marko an. Verstappen hatte sich erst an den starken Racing-Point-Force-India-Boliden von Sergio Perez (5.) und Esteban Ocon (6.) vorbeikämpfen müssen. “Da haben wir Zeit verloren”, sagte Marko.

In der WM-Wertung reduzierte Vettel seinen Rückstand auf Hamilton auf 17 Punkte. Der Schlüssel dafür könnte die dritte Motoren-Ausbaustufe sein, die den Deutschen in Belgien unwiderstehlich vorbei an Hamilton zum Sieg trieb. Mercedes-Teamchef Toto Wolff konnte seinen Frust nicht verbergen. “Wir sind nicht da, wo wir sein wollen. Ich sehe nicht viel Positives”, so der Wiener.

Hamilton wirkte ebenfalls konsterniert. “Ich kann nicht immer Wunder vollbringen”, meinte der Brite. Er nahm sein Team in die Pflicht: “Wir müssen einfach härter arbeiten.” Doch im Rennstall fragt man sich, wo Ferrari die zusätzlichen PS gefunden hat. Hamilton spricht sogar von “Tricks” und meint: “Sie haben irgendwas am Auto, das wir nicht haben.” Einen Regelbruch will der 33-Jährige der Scuderia aber nicht unterstellen. “Trick ist einfach etwas, das dir zusätzliche Leistung bringt”, erklärte Hamilton. Spekuliert wird etwa über die Wirkung des von Ferrari verwendeten neuen Spezial-Benzins.

Vettel nahm das Geplänkel amüsiert zur Kenntnis. “Das ist Lob von höchster Stelle. In den letzten fünf Jahren haben die Leute nichts anderes getan, als den Mercedes-Motor zu loben.” Das Lob verteilte er diesmal an den eigenen Ferrari-Motor. “Wir haben den Speed, alles läuft nach Plan”, sagte Vettel mit Blick auf die kommenden Rennen. Als nächstes folgt Monza, der Heimparcours Ferraris. Es gibt nicht viele Strecken, auf denen es sich mit Antriebsstärke besser “cruisen” lässt als dort.

Von: APA/dpa/ag.

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