Favoritin Lindsey Vonn dominierte das erste Abfahrtstraining der Damen

Vonn-Bestzeit im 1. Training vor Siebenhofer mit Torfehler

Sonntag, 18. Februar 2018 | 09:17 Uhr

Lindsey Vonn hat am Sonntag im ersten Olympia-Abfahrtstraining der Damen in Jeonsgeon Bestzeit erzielt. In 1:41,03 Min. war die US-Favoritin bei gutem Wetter aber vor komplett leeren Tribünen 0,18 Sek. schneller als die zweitplatzierte Österreicherin Ramona Siebenhofer, die aber ebenso wie Stephanie Venier (4.) und viele andere einen Torfehler hatte. Montag steigt die interne ÖSV-Qualifikation.

Als Modus wurde festgelegt, dass fünf ÖSV-Damen um drei Plätze fahren, nur Lake-Louise-Siegerin Cornelia Hütter hat ihren Startplatz bereits sicher. Die Kandidatinnen sind die Super-G-Zweite Anna Veith, Nicole Schmidhofer, Siebenhofer, Stephanie Venier und Tamara Tippler. Wer es im zweiten Training unter die besten vier schafft, hat seinen Platz ebenfalls sicher. Der Rest wird über Trainerentscheid festgelegt.

Allerdings ist die Gesamt-Situation rund um die Damenabfahrt höchst unsicher, weil die FIS einen Antrag gestellt hat, diese wetterbedingt von Mittwoch auf Dienstag vorzuziehen. Deshalb könnte es am Montag auch gleich zwei Trainingsläufe geben. Womöglich geht es bei den Überlegungen in Wahrheit aber um die Kombinaton am Freitag, denn erst da wird das Wetter richtig schlecht.

Die Steirerin Siebenhofer war im ersten Training, an dem auch Mikaela Shiffrin teilnahm (23.), schnellste ÖSV-Läuferin vor Venier, die als Vierte aber eine von gleich 18 Fahrerinnen mit Torfehler war. Tippler wurde ohne Fehler 11., Schmidhofer 13., Hütter 15., Veith 29. und Kombi-Teilnehmerin Ricarda Haaser belegte Platz 30.

“Das ändert zwar nichts für das Rennen, macht es aber für die Nerven schon leichter”, kommentierte Hütter ihre Fixnominierung. Die Steirerin erspart sich nun das Rennen vor dem Rennen. “Gut, denn so kannst auch im zweiten Training etwas ausprobieren”, nickte Hütter.

Zur Strecke, auf der die ÖSV-Herren medaillenlos geblieben sind, meinte sie: “Sie schaut von außen nicht so spannend aus. Aber die Tore kommen schnell, es ist immer Action drin und voll cool zum Fahren. Fad wird einem da nicht, es gibt viele Gleitkurven und viel Hocke zum Fahren.”

Anna Veith sah das etwas anders. Die Salzburgerin war nach dem ganzen Brimborium um Super-G-Silber inklusive zweistündigem Dopingtest erst kurz vor Mitternacht ins Bett gekommen. “Ich hatte kaum Zeit zum Regenerieren”, erklärte sie ihre “unten viel zu aufrechte Fahrt” und Platz 29. Als “Neuling” auf dieser Piste habe sie mehr als eine Stunde besichtigt. “Das ist mental anstrengend, du musst dir bei fast jedem Tor eine Welle merken.”

Der Kurs begeisterte Veith unterschiedlich. “Oben ist es interessant mit dem Schrägsprung. Insgesamt ist es aber durchgehend relativ flach und nicht schnell”, machte sie klar, dass sie anderes Gelände lieber hat. Die Qualifikation? “Kostet nur zusätzliche Energie, die schon sehr aussaugt.”

Siebenhofer bezeichnete ihren Torfehler als nicht sehr tragisch. “Ich hätte das Tor noch bekommen können, wollte aber keinen Speed verlieren, weil ja morgen Quali ist und sich die Passagen sonst ganz anders angefühlt hätten”, erklärte die Steirerin. “Mir taugt der Schnee und die Strecke mit den weiten Kurven und den vielen Wellen. Hier muss man mit Gefühl fahren, davon habe ich nicht zu wenig.”

Auch Venier kratzte der Torfehler wenig. “Die Verhältnisse hier liegen mir. Und am Ende haben wir auch die richtige Abstimmung gefunden. Schade, dass ich nicht im Super-G gefahren bin”, sagte die Abfahrts-Vize-Weltmeisterin.

Tippler hat für die Qualifikation schon einen klaren Plan. “Ich will unter die vier fahren. Sonst gibt es wieder Diskussionen und dann bin ich sicher nicht dabei, da fehlen mir die Saisonergebnisse. Deshalb werde ich morgen alles auf eine Karte setzen.” Schmidhofer ist offenbar kein Fan von Qualifikationen. “Das kostet sicher Energie, weil du den ganzen Tag eine ganz andere Spannung hast.”

Vonn hat kein Quali-Problem. Dem US-Star gehört vielmehr die Favoritenrolle und nach der Enttäuschung im Super-G ist die Amerikanerin in der Abfahrt ganz auf Gold fokussiert. “Die Strecke ist großartig. Ich bin hier für eine Medaille und ich will gewinnen”, machte sie klar. Bestzeit gleich im ersten Training sei gar nicht so unklug. “Da sieht man eher, wer schon ein gutes Gefühl für die Strecke hat. Später wird meist nur noch herumexperimentiert und man weiß nicht mehr, wer wirklich schnell ist.”

Die Abfahrt bleibt jedenfalls für Mittwoch angesetzt. Sollte das Wetter wie derzeit prognostiziert am Freitag tatsächlich schlecht sein, wäre eine Option, mit der Damen-Kombination auf Donnerstag vorzurücken. An diesem Tag findet auch der Herrenslalom in Yongpyong statt.

Von: apa