Der US-Star gab sich auch mit Bronze zufrieden

Vonns letzte Ringe-Abfahrt auf Platz 3 – Respekt für Goggia

Mittwoch, 21. Februar 2018 | 08:28 Uhr

Auf Platz drei hat Lindsey Vonns letzte Olympia-Abfahrt geendet. Während die italienische Draufgängerin Sofia Goggia am Mittwoch als erste Italienerin Abfahrts-Gold holte und Ragnhild Mowinckel Norwegen die bereits 6. Alpin-Medaille bei den Korea-Spielen bescherte, musst sich die Amerikanerin mit Bronze begnügen. “Ich bin trotzdem superhappy”, behauptete Vonn.

Zumindest ihre äußere Laune bestätigte dies. Nachdem sie die 2014er-Spiele in Sotschi verletzt verpasst hatte, hatte Vonn ihre Karriere “verlängert”. Der Plan, acht Jahre nach den Vancouver-Spielen nochmals Abfahrtsgold zu holen, ging trotz der Siege in den letzten drei Weltcup-Abfahren vor den Spielen und vor den Augen ihrer Familie nicht auf.

“Ich wusste, dass es Sofia sein würde, die es zu schlagen gilt und dass es hart werden würde”, gestand die 33-jährige Vonn, die sich schon in beiden Speedrennen der Olympia-Generalprobe der Italienerin geschlagen hatte geben müssen. “Ich hatte einen sauberen Lauf. Vielleicht zu sauber und deshalb nicht schnell genug”, erklärte die Gewinnerin von 81 Weltcuprennen.

Auf dem Podium überschütteten sich Vonn und Goggia mit Komplimenten. “Unglaublich. Ich habe sie 2010 verletzt vom Sofa aus siegen gesehen”, sagte die acht Jahre jüngere Goggia. “Es ist eine Riesen-Ehre, mit der Größten aller Zeiten im gleichen Rennen fahren zu dürfen”, verneigte sich die erste Abfahrts-Olympiasiegerin Italiens. Bisher hatte nur Zeno Colo 1952 in Oslo Abfahrtsgold für Italien geholt.

Vonn bei Olympia zu schlagen, sei aber auch etwas unwirklich, gestand eine erstaunlich gefasste Goggia. Die Italienerin gilt als “Chaotin” und “Vulkan”, freute sich nach ihrem Triumph auch über ein SMS-Herz von Alberto Tomba. “Ja, ich bin ein Vulkan. Aber einer, der noch nicht ausgebrochen ist. Mein Airbag hält ziemlich gut”, erklärte sie in Jeongseon lachend.

Vonn bedankte sich kurz später für Goggias Ehrerbietungen. “Auch ich habe viel Respekt für Sofia. Sie hatte auch schon viele Verletzungen, ist ein guter Charakter und nimmt das alles auch nicht zu ernst. Nach den Rennen sind wir wieder nur ganz normale Menschen.”

Zumindest eine Saison wird Vonn noch anhängen, um Ingemar Stenmarks Siegrekord im Weltcup (86) zu überbieten. Geht es nach ihr, fährt sie aber noch länger. Das Problem sind die Folgen ihrer vielen Verletzungen. “Ich hoffe auf medizinische Wunder, die meine Karriere verlängern könnten”, hatte sie vor dem Rennen gesagt.

Es sei auch nach Bronze ein sehr emotionaler Tag, sagte Vonn. Sie war für ihren kürzlich verstorbenen Großvater Don Kildow gefahren, ihre ganze Familie hatte sie auf den Tribüne angefeuert. “Das bedeutet mir alles. Wenn ich fahre, fahre nicht nur ich, sondern meine ganze Familie. Sie liebt mich, auch wenn ich Letzte werde”, sagte Vonn und freute sich vor allem über die Anwesenheit ihres Vaters. 2010 war man noch so zerstritten gewesen, dass Alan Kildow nicht dabei gewesen war.

Sie werde Olympia vermissen, war sich Vonn sicher. “Das ist auch der Grund, warum das heute alles so emotional ist”, sagte sie einen Tag vor der Kombi, in der sie noch ein letztes Mal auf Medaillenjagd gehen wollte.

“Dieser Druck, an einem Tag alles geben zu müssen, Medaillen-Hoffnungen zu haben, das Land zu repräsentieren. Ich liebe es. Ich wünschte, ich könnte weiterfahren und mein Körper würde nicht so wehtun”, sagte Vonn. “Ich bin deshalb sehr glücklich, dass ich nach meiner letzten Olympia-Abfahrt auf dem Podium bin.”

Vonn war zuletzt wegen politischer Aussagen in ihrer Heimat als Anti-Amerikanisch beschimpft worden. “Es ist so unglaublich. Ich bin aus Minnesota, ich liebe mein Land, amerikanischer als ich kann man nicht sein”, entgegnete sie.

Goggia war die einzige der vier Italienerinnen, die am Mittwoch sturzfrei ins Ziel gekommen war. Sowohl Nadia Fanchini als auch Nicol Delago und Federica Brignone schieden aus. Brignone wurde danach mit der Ambulanz zum Knie-Check gebracht. “Von mir aus hätte sie heute nicht starten dürfen”, ärgerte sich ihre Mutter Maria Rosa Quario im Pressezentrum. Die Ex-Rennläuferin ist heute Journalistin.

Von: apa