Freude und Erleichterung bei Granerud

“Wahnsinn”: Granerud erlöst Norwegen mit Tourneesieg

Freitag, 06. Januar 2023 | 20:38 Uhr

Nach dem ersten norwegischen Triumph bei der Vierschanzentournee seit 16 Jahren hat Skisprung-Star Halvor Egner Granerud überglücklich den “Goldadler” in den Bischofshofener Nachthimmel gestreckt und einen tiefen Schluck aus der Champagner-Flasche genommen. Mit einer Machtdemonstration gewann der 26-Jährige am Freitag auch das Dreikönigsspringen, es war sein dritter Sieg bei der 71. Vierschanzentournee nach Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. In Innsbruck wurde er Zweiter.

Der Oberösterreicher Michael Hayböck (-15,8 Punkte) landete auf der Paul-Außerleitner-Schanze auf dem vierten Platz, womit die ÖSV-Adler erneut knapp am Podest vorbei sprangen. Zweiter wurde der Slowene Anze Lanisek (-7,9) vor dem polnischen Weltcup-Spitzenreiter Dawid Kubacki (-9,7). In der Tournee-Gesamtwertung verteidigte Granerud seine Führung souverän, am Ende lag der Norweger bei seinem ersten Triumph bei der traditionellen Schanzen-Veranstaltung komfortable 33 Punkte vor Kubacki.

Damit erlöste Granerud das norwegische Team mit dem ersten Tourneesieg seit Anders Jacobsen 2006/07. “Wahnsinn. Das ist der größte Moment meiner Karriere. Ich fühle mich so geehrt und dankbar, dass ich meinen Kindheitstraum erleben durfte”, sagte Granerud sichtlich mitgenommen. Am Abend stand noch eine größere Feier an. “Wir werden ein bisschen mit den Japanern feiern, weil wir im gleichen Hotel wohnen. Ich werde die Rechnung bezahlen und hoffe, dass ich bis zu den Staatsmeisterschaften am Sonntag wieder nüchtern bin.”

Der Tiroler Alexander Stöckl, seit mehr als elf Jahren Cheftrainer der Norweger, war ebenfalls erleichtert. “Wir feiern heute ordentlich. Halvor hat wirklich Unglaubliches geleistet”, sagte Stöckl. Jeder im Team könne ein Stück von diesem Erfolg mitnehmen, das sei für ihn das Schönste.

Gesamt-Dritter wurde Lanisek vor dem polnischen Duo Piotr Zyla und Kamil Stoch. Dahinter folgte eine große Gruppe an rot-weiß-roten Springern. Mit Weltmeister Stefan Kraft (6.), Hayböck (7.), Daniel Tschofenig (8.), Jan Hörl (9.) und Manuel Fettner (10.) durfte sich ÖSV-Cheftrainer Andreas Widhölzl über ein ausgezeichnetes Mannschaftsergebnis freuen. Einzig ein Podestplatz blieb aus, drei vierte sowie fünfte Plätze brachten den Österreichern den Titel “best of the rest”, die Besten des restlichen Feldes, ein.

In Bischofshofen durften sich auch Hörl als Fünfter und Manuel Fettner als Achter vor 14.000 Fans und Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt über einen guten Tournee-Abschluss freuen. Clemens Aigner meldete sich als Zehnter im Weltcup zurück. Lokalmatador Kraft riskierte unterdessen bei seinem 250. Weltcup-Start im zweiten Durchgang auf Platz vier liegend zu viel und fiel auf Rang 14 zurück. “Es sind wieder einmal alle Pferde durchgegangen mit mir. Es war einfach ein bissl zu viel Attacke. Das bin ich, das gehört zu mir”, war Kraft enttäuscht. “Ob ich jetzt Sechster oder 14. werde, war mir dann auch wurscht.”

Hayböck war zwar zufrieden, ein bisschen ärgerte sich der Routinier aber über das verpasste Podium. “Ich bin so happy, wie es gerade läuft”, sagte der 31-Jährige. “Aber andererseits zerreißt es mich innerlich, weil ich im zweiten Durchgang einen halben Meter zu früh war. Wenn ich den Sprung auf die Kante bringe, stehe ich auf dem Stockerl.” Fettner freute sich wie seine Kollegen auf ein paar freie Tage. “Ich bin froh, dass sie vorbei ist. Wenn du nicht gleich gut reinstartest, läufst du von Anfang an hinterher, und es wird dann immer schwerer”, sagte der Tiroler.

Vor dem vierten Tournee-Bewerb war Kubacki erster Granerud-Jäger. Der Champion von 2019/20 hatte aber schon im ersten Durchgang als Dritter 4,9 Punkte auf seinen Konkurrenten verloren und blieb so ohne eine echte Chance auf seinen insgesamt zweiten “Goldenen Adler”. Der Pole hatte dennoch Grund zur Freude, wurde der 32-Jährige doch am Freitag Vater einer Tochter. Sein erstes Kind war vor zwei Jahren ebenfalls während der Tournee zur Welt gekommen.

Von: apa

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1 Kommentar auf "“Wahnsinn”: Granerud erlöst Norwegen mit Tourneesieg"


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Rudolfo
Rudolfo
Kinig
28 Tage 19 h

Die österreichischen Springer sind großartig, zeigen starke Leistungen, allerdings auch ohne den Fähnchenwinker “Zwider” Andreas Widhölzl. Vom österreichischen Cheftrainer der Ski Springer/Flieger darf man vor dem Hintergrund überragender technischer, finanzieller und materieller Unterstützung sowie einer fantastischen Nachwuchsarbeit in den Ski Gymnasien DEUTLICH MEHR erwarten…

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