Für Kraft lief es heuer noch nicht so gut wie erwartet

Weltrekordler Kraft will auf Kulm Flugqualitäten nutzen

Donnerstag, 11. Januar 2018 | 12:43 Uhr

In der Vorsaison hat er fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: Doppel-Weltmeister von beiden Schanzen, Gesamt-Weltcup und Skiflug-Weltrekord. Nicht umsonst war Stefan Kraft der schärfste Gegner von Marcel Hirscher im Kampf um Österreichs “Sportler des Jahres”. In der Olympiasaison läuft es für ihn bisher mit drei dritten Plätzen und Zwischenrang sechs im Gesamtweltcup nicht nach Wunsch.

Auch bei der Vierschanzen-Tournee war der 24-jährige Salzburger noch zu unkonstant. Nun hofft Kraft, auf den von ihm geliebten Flugschanzen den Turnaround zu schaffen. Zwei Tage Pause sowie Trainings in Bischofshofen hat Kraft hinter sich. Am Donnerstag reiste Kraft zu den ersten beiden Skiflug-Bewerben am Kulm nach Bad Mitterndorf.

Zwischenstationen auf dem Weg zur erhofften starken Olympiaform sind der Kulm und kommende Woche die Skiflug-WM in Oberstdorf für den zwölffachen Weltcupsieger aber nicht. “Nein, das ist schon mehr. Auf die Skiflug-WM habe ich mich immer extrem gefreut, weil mir das Skifliegen voll taugt, das habe ich in den letzten drei, vier Jahren immer am besten zusammengebracht”, erklärte Kraft im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. “Ich hoffe, dass es heuer wieder so ist und ich meine Flugqualitäten wieder ausspielen kann. Die Skiflug-WM ist immer ein großes Ziel gewesen und Oberstdorf war immer in meinem Kopf.”

Und jener 253,5-m-Flug in die Rekordbücher vom 18. März 2017 in Vikersund hat seine Liebe gerade zu den größten Bakken der “Adler” noch vertieft. “Ja, sicher ein bisserl. Das ist halt dann etwas, das für ewig bleibt. Auch die Flüge danach in Planica, wo ich auch noch zweimal über 250 m geflogen bin, das ist schon etwas Besonderes.” Auf dem Kulm, wo Kraft bei der bisher letzten Veranstaltung vor zwei Jahren bei der WM Einzel- und Team-Bronze geholt hat, wird er – wie auf allen Flugschanzen – vor dem ersten Flug “ein bisserl mehr aufgeregt als sonst” sein.

Kraft erinnert sich an den Umbau von 2014 und den extrem hohen Luftstand der Springer davor. Die Modernisierung des Bakkens findet Kraft “megagelungen”. “Bei der WM war es eine sehr harmonische, coole Schanze, auch weil es um 20, 30 m weiter geht.”

Ob er wegen der gestiegenen Ansprüche von seiner bisherigen Saison enttäuscht ist? “Schwer zu sagen. Man muss immer ein bisserl die Situationen sehen, wie sie waren. Es könnte auch ein bisserl anders ausschauen. Sicher merke ich, dass ich nicht ganz so stabil bin”, gestand der Pongauer. Es habe viele sehr gute Sprünge gegeben, aber in den Wettkämpfen nicht so sehr. “Die ganz guten Sprünge schwinden leider immer wieder, weil es noch nicht so konstant ist.” Auch in den vergangenen Jahren habe er sich am Saisonanfang schwerer getan. Das wurmt ihn. “Die Konstanz ist das Wichtigste und die fehlt leider ein bisserl.”

Dass es auch vor allem mannschaftlich derzeit für die Skisprungnation Österreich mager aussieht (in elf Saison-Einzelbewerben nur neun Top-Ten-Plätze, im Nationencup Rang vier), hilft da nicht weiter. “Ja sicher wäre es cool, wenn einmal ein Junger oder wieder einmal wer kommt, der sich da reinhaut und zeigt, dass doch gut gearbeitet wird. Ich schaue sowieso auf mich und möchte meine Sache machen, aber für das ganze Team wäre es halt super wichtig.” Das Team habe auch in den Sommerkursen einen guten Job gemacht.

Über Kritik von außen ärgert sich Kraft nicht, versichert er. “Nein, es motiviert mich eher. Sicher gibt es Außenstehende, die sich eine Meinung bilden, und da kann man vielleicht einmal etwas lernen.” Kraft will nun nach vorne schauen. “An den richtigen Schrauben haben wir schon gedreht und analysiert – es wird wieder bergauf gehen.”

Aus Unsicherheiten und Verkrampfung entsteht im feinfühligen Skisprung-Sport schnell eine Kettenreaktion. “Dann willst du zu viel, dann spürst du es nicht mehr so und du willst es unbedingt erzwingen. Da sieht man wieder, wie feinfühlig das Skispringen ist und wie kompliziert es sein kann. Es hat mich selbst wieder einmal gewundert, wie schnell man, wenn man ein bisserl das Gefühl verliert, wieder weg ist vom Fenster.”

Noch nicht festlegen will sich Kraft, ob er das Weltcup-Programm bis zu den Olympischen Spielen in Pyeongchang voll durchzieht. “Da werde ich vor Zakopane nicht groß etwas entscheiden, Zakopane ist eine Woche nach Oberstdorf. Bis dahin ist alles klar, dann muss man schauen, ob man ein Training braucht, oder ob man nach Willingen fährt. Das wird eine 50:50-Sache sein – wie es gerade nötig ist.”

Am Teamspirit hat die resultatsmäßige Krise laut Kraft übrigens nicht gekratzt. “Es ist eher jeder ein wenig ratlos gewesen, weil sich doch jeder super vorbereitet hat”, erinnerte sich Kraft an die Ausgangslage vor der Tournee. “Richtung Bischofshofen sind wir extrem zusammengestanden, dass wir uns da gemeinsam wieder herausholen. Das war schon vom ganzen Team sehr gut”, lobte er die Mannschaft.

Von: apa

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