Serena Williams stürmte ins Finale der US Open

Williams im Generationenduell mit Osaka um 24. Major-Titel

Freitag, 07. September 2018 | 11:50 Uhr

US-Tennisstar Serena Williams nimmt am Samstag (22.00 Uhr MESZ) einen weiteren Anlauf auf ihren 24. Grand-Slam-Titel. Die 36-Jährige zog am Donnerstag (Ortszeit) in New York mit einem 6:3,6:0-Erfolg im Halbfinale gegen die Lettin Anastasija Sevastova ähnlich souverän in das Damen-Endspiel der US Open ein wie die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka mit 6:2,6:4 gegen die US-Amerikanerin Madison Keys.

Es kommt in Flushing Meadows also zum Generationen-Duell. Als Williams bei den Australian Open 1998 16-jährig ihr erstes Major-Match gespielt hat, war Osaka drei Monate alt. Mehr als 20 Jahre später steht die Asiatin mit US-amerikanischen Wurzeln und Pass in ihrem ersten Grand-Slam-Finale ihrem Idol gegenüber. “Ich wollte unbedingt gegen Serena spielen”, erklärte die Weltranglisten-19. ihre Motivation, wie und warum sie alle 13. Breakbälle von Keys abgewehrt hat.

Die Tochter einer Japanerin und eines Haitianers betrat mit dem Sieg gegen die Vorjahresfinalistin Neuland, denn noch nie stand eine Tochter Nippons in einem Grand-Slam-Einzelfinale. Ihr Landsmann Kei Nishikori hatte am in der Nacht auf Samstag (MESZ) im Herren-Halbfinale gegen den Serben Novak Djokovic die Chance, es ihr gleichzutun. Schon zwei japanische Einzel-Halbfinalisten bei einem Major bedeuteten eine noch nie dagewesene Leistung.

Schafft Osaka auch den siebenten und letzten Schritt beim letzten Grand-Slam-Event des Jahres, würde sie ihre bisher beste Weltranglistenplatzierung um zehn Ränge verbessern und am Montag bereits auf Platz sieben rangieren. Eine Niederlage würde Position zwölf bedeuten. Williams würde auch im Erfolgsfall nicht in die Top Ten zurückkehren, sondern als Ranking-Elfte in die neue Woche gehen. Bei einer Niederlage würde die aktuell 26. auf Platz 16 aufscheinen.

Die Olympiasiegerin von 2012 im Einzel sowie von 2000, 2008 und 2012 mit ihrer Schwester Venus im Doppel achtet aber weniger auf ihr Ranking. Mehr Bedeutung hat für sie die Familie mit der einjährigen Olympia und ein wenig der Allzeitrekord an Grand-Slam-Triumphen von Margaret Court. Die Marke der Australierin von 24 würde Williams mit einem Sieg am Samstag einstellen. Wie in Melbourne und Wimbledon hätte sie dann auch in New York sieben Titel, drei sind es in Paris.

23 Titel in 30 Grand-Slam-Endspielen bedeutet eine Erfolgsquote von mehr als 75 Prozent. Drei ihrer sieben Niederlagen auf höchstem Niveau kassierte Williams allerdings in ihren vergangenen fünf Matches auf dieser höchstmöglichen Ebene. Und zwar unterlag sie sowohl bei den Australien Open 2016 wie heuer in Wimbledon der nun 30 Jahre alten Deutschen Angelique Kerber, bei den French Open 2016 war im Titel-Duell mit der damals 22-jährige Spanierin Garbine Muguruza Endstation.

Ihre anderen vier Endspielniederlagen bei Majors passierten Williams in Roland Garros 2004 und 2008 sowie bei den US Open 2001 und 2011. Ihr Bezwingerinnen vor 17 bzw. sieben Jahren waren Schwester Venus und die Australierin Samantha Stosur. Dass aber Serena Williams die klar beste Spielerin bei Majors ist, verdeutlicht ihre Bilanz der vergangenen vier Jahre. In den da 13 bestrittenen Grand-Slam-Turnieren zog sie nun zum zehnten Mal ins Finale ein, zweimal war sie Semifinalistin.

Gegen Sevastova dominierte Williams nach einem 0:2-Rückstand fast nach Belieben, holte danach zwölf von noch 13 gespielten Games. “Serena schlägt hervorragend auf und macht mit den ersten zwei Schlägen unglaublich Druck”, sagte die unterlegene Wahl-Wienerin. Williams rückte gegen ihre Gewohnheit auch gelegentlich ans Netz vor. “Normalerweise mache ich das nur, um meiner Gegnerin die Hand zu schütteln. Aber heute wollte ich einmal etwas Anderes probieren.”

Das bisher einzige Duell mit Osaka gewann der Youngster heuer in der ersten Miami-Runde 6:3,6:2, nachdem sie unmittelbar davor in Indian Wells ihren überhaupt ersten Turniersieg auf der Tour gelandet hatte. Damals war Williams aber gerade aus der Babypause gekommen und selbst nach dem Sieg über Sevastova sah sie sich noch lange nicht am Zenit ihres Könnens. “Ich bin vielleicht bei 50, 60 Prozent meiner Leistung”, ließ Williams noch viel Spielraum nach oben vermuten.

Auch bei den Herren kann es einen Finalisten aus Japan geben. Kei Nishikori, der schon 2014 im US-Open-Endspiel stand, trifft im Halbfinale an diesem Freitag auf Wimbledonsieger Novak Djkokovic aus Serbien. Das erste Halbfinale bestreiten ab 22.00 Uhr MESZ der spanische Titelverteidiger Rafael Nadal und der Argentinier Juan Martin del Potro.

Von: APA/dpa