Franco Foda muss mit einem ÖFB-Rumpfteam nach Schottland

WM-Qualifikation im Corona-Griff: ÖFB-Team kein Einzelfall

Donnerstag, 18. März 2021 | 18:51 Uhr

So als ob es keine Corona-Pandemie gäbe, schwärmen die Profifußballer in der kommenden Woche aus in die weite Welt, um den Auftakt zur WM-Qualifikation mit ihren Heimatländern zu bestreiten. Oder auch nicht. Denn der Beginn der Quali für die Endrunde 2022 in Katar wird getrübt von Reisebeschränkungen, Abstell-Verweigerungen und Corona-Quarantänen sein. Österreichs davon schwer getroffenes Team ist kein Einzelfall.

Zwar erwischt es wohl kaum ein Team derart heftig, wie das in Schottland spielende ÖFB-Team mit seiner Phalanx an Deutschland-Legionären. Doch auch andere Nationen müssen teilweise auf Spitzenkräfte verzichten, weil Rückkehrern in einigen Ländern gerade nach Spielen im Nicht-EU-Raum eine mehrtägige Quarantäne droht.

So kämpft Polen vor dem Auswärtsspiel in England noch um den Einsatz von Bayern-Star Robert Lewandowski und England noch um Dortmunds Jude Bellingham. Pikant: In Bezug auf David Alaba haben die Bayern-Verantwortlichen bereits Nägel mit Köpfen gemacht, und dem ÖFB-Star die Reise nach Schottland untersagt. Für Inter-Legionäre haben sich die Länderspiele nach dem Auftreten eines Corona-Clusters allesamt erledigt. Dies betrifft neben der Squadra Azzura etwa Dänemark mit Spielmacher Christian Eriksen oder Belgien mit Stürmer Romelu Lukaku.

Warum können manche Spieler dem Ruf ihrer Nationalteams nicht Folge leisten? Bereits im Herbst hob die FIFA die Abstellpflicht für Clubs auf, wenn deren Spieler mit ihrer Landesauswahl eine Reise antreten, die anschließend eine zumindest fünftägige Quarantäne nach sich zieht. Von diesem Recht machen nun deutsche, französische, belgische, norwegische, russische und slowakische Vereine Gebrauch.

Österreichs Meister Salzburg lässt seine Legionäre laut Clubauskunft hingegen ziehen. Patson Daka und Enock Mwepu spielen mit Sambia zuhause gegen Algerien und in Simbabwe. Auch Noah Okafor (Schweiz), Mergim Berisha (Deutschland) und Luka Sucic (Kroatien) sind jeweils für die ab Mittwoch beginnende U21-EM abgestellt. Brenden Aaronson spielt mit dem US-Nationalteam in Wiener Neustadt gegen Jamaika und in Belfast gegen Nordirland.

Weltmeister Frankreich und auch Deutschland haben Glück – und wohl das nötige Verhandlungsgeschick. Sie können mit einem vollen Kader planen. Mit Regierungen und Behörden wurden dementsprechende Vereinbarungen getroffen. Joachim Löw kann entgegen erster Befürchtungen die in England beschäftigten Nationalspieler Ilkay Gündogan, Timo Werner, Kai Havertz, Antonio Rüdiger und Bernd Leno einsetzen.

Das zuständige Gesundheitsamt Duisburg – hier finden die Heimspiele Deutschlands gegen Island und Nordmazedonien statt – erteilte dafür die Freigabe, ordnete jedoch eine “Arbeits-Quarantäne” an. Außerhalb des eigentlichen Spiels, des Trainings und der Mannschaftsbesprechungen dürfen die betroffenen Spieler keinerlei Kontakt zu anderen Personen haben. Zwischen den Spielen in Duisburg tritt die Nationalmannschaft am 28. März in Bukarest gegen Rumänien an.

Nach dem Willen der FIFA halten neben dem europäischen Verband (UEFA) auch die kontinentalen Verbände in Asien und der CONCACAF-Region (Nord- und Zentralamerika sowie Karibik) eisern am Spielplan fest.

Mit dem Wegfall der Abstell-Pflicht habe sich gewissermaßen die Büchse der Pandora geöffnet, monieren Kritiker wie Gambias Teamchef Tom Saintfiet. “Es ist in erster Linie eine schlechte Entscheidung, es den Vereinen zu erlauben, Einberufungen abzulehnen und trotzdem die Qualifikation fortzusetzen. Die FIFA hätte die Beziehung zwischen Vereinen und Nationalteams niemals berühren dürfen.”

Den Afrikanischen Nationalteams werden gerade nach der Abstellweigerung der französischen Liga in den entscheidenden zwei Gruppenspielen in der Qualifikation für den Africa Cup of Nations viele Schlüsselspieler fehlen. Normalerweise treten bis 400 Spieler die weiten Reisen in ihre Heimatländer an. “Wenn wir heute verhindern, dass die Spieler zu dieser Qualifikationsrunde kommen, was wird morgen beim Africa Cup passieren? Es wird hier nicht enden”, meinte der ehemalige belgische Profi Saintfiet.

Von: APA/Reuters

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!


wpDiscuz