Riccardo Zoidl freut sich auf das WM-Zeitfahren

WM-Zeitfahren mit Bergfinish – Zoidl: “Wird Spektakel”

Dienstag, 19. September 2017 | 11:50 Uhr

Als Rad-Weltmeister im Einzelzeitfahren kommt bei den Titelkämpfen in Bergen (NOR) am Mittwoch (13.05 Uhr) nur ein Fahrer mit Kletter-Qualitäten infrage. Denn am Ende der 31-km-Strecke wartet ein 3,4 Kilometer langer Anstieg auf den Flöyen. Die Meinungen der Asse über dieses Novum mit erlaubtem Radwechsel sind geteilt. “Das wird sicher ein Spektakel”, meinte der Oberösterreicher Riccardo Zoidl.

Zoidl, der gemeinsam mit Giro-Etappensieger Lukas Pöstlberger den ÖRV vertritt, sieht seine Chancen durch das Finale mit einen Anstieg von durchschnittlich 9,1 Prozent erhöht. “Eine Platzierung zwischen 10 und 15 wäre ein Traum”, sagte der 29-Jährige, der nach drei Jahren auf der World Tour nun wieder für das heimische Team Felbermayr Wels fährt. Der 14. Platz im Jahr 2012 war die bisher beste Platzierung des Ex-Staatsmeisters.

“Ich bin gut in Schuss”, erklärte Zoidl nach einer speziellen Vorbereitung auf das Zeitfahren und die gut zehnminütige Belastung im Bergrennen. “Bei der ersten Besichtigung des Anstiegs habe ich geglaubt, da bin ich falsch”, sagte der frühere Gewinner der Österreich-Rundfahrt der APA. So eng und kurvig sei die Strecke zu Beginn der Steigung.

Topfavoriten sind die zwei Gewinner der großen Rundfahrten 2017. Der Niederländer Tom Dumoulin (Giro-Sieger) und der Brite Christopher Froome (Tour de France und Vuelta) verfügen in der Prüfung gegen die Uhr und auch am Berg über Qualitäten. Auch der Russe Ilnur Sakarin gilt als chancenreich. Für den vierfachen Tour-Gewinner Froome wäre es wie auch für Dumoulin der erste Einzel-Straßen-WM-Titel.

Ohne Chance auf eine erfolgreiche Titelverteidigung sieht sich hingegen der vierfache Rekord-Champion Tony Martin. Der Deutsche ist verärgert, dass auf dem ungeliebten Schlussanstieg auch noch ein Radwechsel gestattet wurde. “Wenn sie schon so ein Zeitfahren machen, dann sollte jeder auf Zeitfahrmaschinen bleiben müssen”, sagte Martin. Dann wäre es für ihn immer noch schwierig, zu gewinnen, aber er hätte bessere Chancen, stellte Martin fest.

Die Veranstalter haben kurz nach dem Beginn des Schlussanstiegs eine Wechselzone eingerichtet. Rund zehn Sekunden würde man durch den Wechsel verlieren, glaubt Zoidl, der Bonus durch das leichtere Straßenrad sei aber ungleich höher. Der Jung-Vater aus Eferding sieht sich als guter Bergfahrer – er war Ende August bei der Premiere des PRO Ötztaler 5.500 Fünfter – gegenüber den reinen Zeitfahr-Spezialisten im Vorteil.

“Die Strecke ist superschön und für mich echt gut”, betonte Zoidl. Vom erwarteten Rückstand von rund eineinhalb Minuten auf einen Spezialisten könnte er im Finale rund 40 Sekunden gutmachen, glaubt Zoidl.

Pöstlberger absolviert in der zweitgrößten Stadt Norwegens alle drei Rennen. Der 25-jährige Oberösterreicher war mit Bora im Teamzeitfahren Zehnter und startet auch noch im Einzelzeitfahren und im Straßenrennen (277 km) am Sonntag. Bei der Zeitfahr-Staatsmeisterschaft im Juni war er vor dem am Berg ungleich stärkeren Zoidl Dritter.

Staatsmeister Georg Preidler fehlt bei der WM, er hat damit auch den Titelgewinn seines Sunweb-Teams um Dumoulin verpasst. “Da wäre ich gerne dabei gewesen, aber dazu muss man richtig stark sein”, sagte der Steirer. Er war nach dem beschlossenen Teamwechsel für 2018 zum französischen FDJ-Rennstall um Thibaut Pinot kaum noch für Rennen nominiert worden, die Topform fehlt daher.

Von: apa