Wozniacki mit ihrem riesigen Pokal

Wozniacki holte in Melbourne ihren ersten Grand-Slam-Titel

Samstag, 27. Januar 2018 | 13:16 Uhr

Nach Paris und New York 2017 gibt es auch in Melbourne ein neues Siegergesicht im Damen-Tennis, allerdings ein überfälliges: Während sowohl die Siege der Lettin Jelena Ostapenko bei den French Open und der US-Amerikanerin Sloane Stephens bei den US Open völlig überraschend gekommen waren, ist es der Dänin Caroline Wozniacki im dritten Finalanlauf gelungen.

Die 27-jährige Dänin kürte sich gegen die Rumänin Simona Halep nach 2:49 Stunden mit einem 7:6(2),3:6,6:4 zur Nachfolgerin der noch in Baby-Pause befindlichen US-Amerikanerin Serena Williams als Australian-Open-Siegerin und zudem auch zur neuen Nummer eins. Wozniacki war zuvor schon 67 Wochen lang auf dem Tennis-Thron gesessen, war aber oft dafür kritisiert worden, dass sie dies ohne Major-Titel geschafft hatte.

Wozniacki kassiert für den Titel nicht weniger als 4 Mio. australische Dollar (2,60 Mio. Euro) brutto, ihre unterlegene Gegnerin darf sich mit der ansehnlichen Hälfte trösten. Für Halep bedeutet die Niederlage allerdings, dass sie auch nach ihrem insgesamt dritten Major-Endspiel nach den French Open 2014 und 2017 auf ihren ersten Titel weiter warten muss.

“Es tut mir leid, ich muss das mal eine Sekunde umarmen, ich habe auf diesen Moment so lange gewartet”, sagte Wozniacki nach der Übergabe der Siegestrophäe durch US-Legende Billie Jean King. “Heute ist ein sehr emotionaler Tag”, fügte sie mit tränenerstickter Stimme hinzu, “es waren zwei unglaubliche Wochen.” Zu Halep sagte sie mitfühlend: “Simona, es tut mir leid, dass ich heute gewinnen musste, aber wir haben sicher noch viele Matches in der Zukunft.”

Die frisch gebackene Nummer eins der Welt bedankte sich bei ihrem Vater und Coach Piotr Wozniacki, ebenso wie bei ihrem Verlobten David Lee. Der frühere NBA-Star hatte sie noch in der Früh beruhigt: “Ich war heute Früh ein nervliches Wrack.”

Halep zeigte sich nach ihrer dritten Major-Niederlage sehr fair. “Es ist nicht leicht jetzt zu sprechen, aber ich möchte Caroline gratulieren. Natürlich bin ich traurig, aber Caroline war besser als ich”, sagte Halep. “Es war ein tolles Turnier für mich. Ich habe es mit einer Knöchelverletzung begonnen und ich bin froh, ins Finale gekommen zu sein. Ich habe noch viele Jahre vor mir, vielleicht habe ich in einem vierten Finale dann mehr Glück.”

Das Endspiel verlief ausgeglichen, über weite Strecken hochklassig und von Spannung geprägt. Wozniacki startete in ihrem insgesamt dritten Major-Endspiel nach jenen bei den US Open 2009 und 2014 bärenstark und ging nach einem Break zum 2:0 mit 5:2 in Führung. Doch ihre Gegnerin, für die nicht nur ebenfalls ihr erster Grand-Slam-Titel, sondern auch die Nummer-1-Position auf dem Spiel stand, packte einmal mehr ihren großartigen Kampfgeist aus. Halep spielte plötzlich wesentlich aggressiver und glich zum 5:5 aus. Der Satz ging ins Tiebreak, in diesem war aber wieder die Dänin voll da und gewann dieses klar mit 7:2.

In der Folge wollte Wozniacki so schnell wie möglich für klare Verhältnisse sorgen. Halep wehrte im dritten Game vier Breakbälle ab, spürte dann aber in der Folge ihr doch wesentlich anstrengenderes Programm vor diesem Endspiel. Halep hatte in zwei Partien Matchbälle abwehren müssen – in Runde drei siegte sie erst mit 15:13 im dritten Satz nach 3:44 Stunden gegen Lauren Davis (USA), im Halbfinale mit 9:7 gegen Angelique Kerber (GER).

Beim Stand von 3:2 ließ sich Halep beim Seitenwechsel den Blutdruck messen und bekam auch ein Medikament. Wozniacki nutzte die Schwächephase allerdings nicht und ließ sich durch die offensichtlich angeschlagene Halep, die sich auch mehrmals an den linken Oberschenkel griff, eher rausbringen.

Halep gelang sogar das Break zum 5:3, Wozniacki vergab drei Chancen zum Rebreak, während Halep ihren dritten Satzball zum 6:3 verwertete. Für Halep doppelt Gold wert, denn wegen der anhaltend heißen und schwülen Bedingungen auch nach 21.00 Uhr gab es nach dem zweiten Durchgang eine zehnminütige Pause – so sieht es das Reglement vor.

Der Entscheidungssatz war alles andere als ein Statement der Aufschlägerinnen. Nach dem 1:0 durch Wozniacki gab es gleich vier Breaks en suite, Wozniacki konnte ihr Break zum 2:0 nicht bestätigen. Bei 3:3 gelang dann Halep das Break und nun hatte auch die Dänin ein körperliches Problem: Sie nahm sich eine dreiminütige Auszeit, und erhielt am linken Knie einen Tapeverband.

Offenbar auch mental damit abgesichert, schaffte die Skandinavierin mit polnischen Wurzeln das sofortige Rebreak und in der Folge nutzte sie ihren ersten Matchball zum Triumph. Erleichtert ließ sich Wozniacki auf den Rücken fallen – all die Jahre als Nummer eins ohne Titel sind nun Vergangenheit.

Von: apa