ORF-Kommentator Wurz findet Gefallen an Formel-1-Saison

Wurz über Formel-1-Saison: “Auf einmal wird es menschlich”

Dienstag, 29. Juni 2021 | 09:23 Uhr

Ex-Pilot Alexander Wurz spricht angesichts der aktuellen Stärke von Red Bull von einer Zeitenwende in der Formel 1. “Mercedes hat sich so lange oben gehalten wie selten ein Team und kriegt jetzt Konkurrenz”, sagte der ORF-Experte und Vorsitzende der Fahrergewerkschaft GPDA. Das sei schön mitzuverfolgen, denn “auf einmal wird es menschlich – auf einem ganz hohen Niveau”. Das WM-Rennen ist laut dem Niederösterreicher weit weg von entschieden: “Das ist so spannend wie selten.”

Der bisherige Saisonverlauf ist für Wurz ein Glücksfall für die Formel 1, betonte er im Gespräch mit der APA – Austria Presse Agentur. “Den Sport schauen wir ja, weil wir die Heros sehen wollen, die wir so gut kennen. Aber irgendwann will ich sehen, dass er zum Zero wird, weil er einen Fehler macht. Dann merke ich, das ist auch nur ein Mensch.” Dass Mercedes-AMG in den vergangenen sieben Jahren sämtliche WM-Titel abgeräumt hat, sei gewissermaßen eine historische Anomalie. “Eigentlich ist die Formel 1 immer schon zyklisch”, sagte Wurz.

2021 scheint die Überlegenheit der “Silberpfeile” zumindest vorläufig an ihr Ende gekommen zu sein. Am Sonntag gewann Red-Bull-Star Max Verstappen in Spielberg souverän vor Mercedes-Mann Lewis Hamilton und dessen Teamkollegen Valtteri Bottas. In den Wertungen liegen Verstappen bzw. Red Bull voran. Prognosen über den WM-Ausgang traut sich Wurz aber nicht zu. “Ich würde meine 5 Euro nicht wetten”, verriet der 47-Jährige. Es könne leicht passieren, “dass einer die Nerven weghaut oder er Pech hat, weil ihm wer anderer reinfährt. Es ist ein Zufallsgenerator, auf den wir schauen müssen. Wenn keiner Fehler macht, dann wird es bis zum letzten Rennen spannend sein.”

Auf einem Level sieht Wurz die Handlanger der WM-Anwärter Verstappen und Hamilton, die eine entscheidende Rolle spielen könnten. Bottas und Verstappens Teamkollege Sergio Perez seien “ex aequo. Der Perez hat lange gebraucht, in die Gänge zu kommen. Er war da schon ein bisschen in Verruf. Valtteri hat auch ein paar Mal Pech gehabt. Wir dürfen nicht vergessen, dass er manchmal schneller ist als Lewis, aber nicht ganz den Rennspeed hat.” Es liege an den Coaching-Fähigkeiten der Teamchefs Toto Wolff und Christian Horner, das Beste aus den zweiten Piloten rauszukitzeln. Wolff etwa wäre schlecht beraten, würde er den Finnen Bottas vor den Ablösegerüchten um seine Person nicht schützen.

Die Teamchefs seien auch gefordert, die Entwicklungsressourcen zwischen dem aktuellen und dem Auto ab 2022 so aufzuteilen, dass in beiden Fällen die maximale Performance herausschaut. “Du kannst theoretisch schon bei den Ressourcen, die du fürs nächste Jahr einsetzen musst, herumschachern. Dann sagst du: Ok, ich gehe noch einmal mit dem jetzigen Auto in den Windkanal, weil der für das nächstjährige Auto eh schon da ist, weil du eine gewisse Anzahl hast”, erklärte Wurz und resümierte: “Das sind schon Entscheidungen, die eine große Tragweite haben. Jeder ist unter Druck – das ist super!”

Genau an diesem Punkt müsse die Formel 1 sein. “Wir als Fahrervereinigung haben immer gesagt, wenn die Autos knapp zusammen sind, ist dieser Sport gigantisch. Dann brauchen wir keine Gimmicks, weil wir die Persönlichkeiten der Fahrer sehen und erkennen werden”, sagte der 69-fache Grand-Prix-Starter, der am Wochenende für ORF 1 aus Spielberg berichten wird. “Wir würden uns ja noch zwei, drei andere Teams auch so stark wünschen, dann wäre es sowieso der Wahnsinn. Stell dir vor, Ferrari und McLaren sind auch noch dabei…”

Von: apa