Es wird wieder durch Frankreich geradelt

Zweifach-Sieger Froome bei Tour de France der Gejagte

Dienstag, 28. Juni 2016 | 11:10 Uhr

Der Weg zum dritten Gesamtsieg in der Tour de France wird für Christopher Froome beschwerlich. Der Brite ist bei der am Samstag in Mont-Saint-Michel startenden 103. Auflage der Gejagte. Die Creme de la Creme der Rundfahrtspezialisten nimmt die 3.535 km in Angriff: Alberto Contador, Nairo Quintana, Richie Porte und Fabio Aru sind die größten Herausforderer des Gewinners von 2013 und 2015.

Der Brite Froome hat neuerlich ein starkes Sky-Team hinter sich. Geraint Thomas und Mikel Landa führen die Riege der Helfer an. Mit seinem jüngsten Sieg im Criterium du Dauphine hat der 31-Jährige Bedenken über seine Form zerstreut. Bei der Bergankunft der 5. Etappe gewann er solo und hielt danach alle Konkurrenten in Schach. Dennoch sah Froome sein aktuelles Potenzial noch nicht ausgereizt. “Ich bin noch in der Entwicklung. Ich glaube, dass ich mich noch steigern kann”, erklärte er nach seinem dritten Dauphine-Erfolg.

Auch Contador hat schon zweimal in der Tour triumphiert (2007, 2009), der dritte Sieg 2010 wurde ihm wegen Clenbuterol-Dopings nachträglich aberkannt. Nach dem im Vorjahr gescheiterten Versuch, das Double aus Giro (Sieger) und Tour (Fünfter) zu schaffen, hat der Spanier heuer auf einen weniger fordernden Rennplan vertraut. Mit 33 Renntagen weist er dennoch mehr als die Rivalen auf.

Bei insgesamt neun Bergetappen der 103. Tour-Auflage (21 Anstiege der höchsten und der 1. Kategorie) haben Contador, der zweifache Gesamt-Zweite Quintana (2013, 2015) und Tour-Debütant Aru mehr als genug Möglichkeiten, ihre offensive Fahrweise zu beweisen und den Top-Favoriten Froome zu attackieren.

Contadors Selbstvertrauen wurde durch einen Zeitfahrsieg im Dauphine-Prolog vor Porte und Froome gestärkt. “Ich weiß, dass ich mich von Tag zu Tag steigern kann. Für die Tour darf man nicht zu früh in Topform sein”, betonte der 33-jährige Tinkoff-Profi.

Quintana hat sich zwischen seinen starken Auftritten in Europa (Sieg in Katalonien und in der Romandie, Rang drei im Baskenland) neuerlich mit mehrwöchigen Aufenthalten in seiner hochgelegenen Heimat vorbereitet. Er wäre der erste kolumbianische Gesamtsieger der “Tour de Leiden”. Seine Generalprobe, die nicht sehr stark besetzte Route du Sud, hat er gewonnen. Der 26-Jährige hat im mit starken Kletterern bestückten Team Movistar in Alejandro Valverde, dem Dritten der Tour 2015 und des heurigen Giro, einen erstklassigen Helfer zur Seite.

Das gilt auch für Vuelta-Gewinner Fabio Aru. Der Italiener, der am Sonntag seinen 26. Geburtstag feiert, wird im Astana-Aufgebot u.a. von Vincenzo Nibali (31) geführt. Der vierfache Gesamtsieger großer Rundfahrten, u.a. der Tour 2014, fährt nach seinem heurigen Giro-Sieg ähnlich wie Valverde zur Olympia-Vorbereitung auch noch die Tour, wenngleich nicht mit letzter Konsequenz. Aru muss sich im Vergleich zu seinen bisherigen Saisonleistungen freilich enorm steigern, will er im Konzert der Großen mitspielen.

Das BMC-Team versucht es im Gegensatz zur Konkurrenz mit einer Doppelspitze. Der Australier Richie Porte, der zuletzt bei Sky vier Jahre lang Helfer von Ex-Tour-Sieger Bradley Wiggins und Froome war, und Tejay van Garderen sind vorerst gleichberechtigt. Der US-Amerikaner war zweimal Gesamt-Fünfter (2012, 2014) und will diesmal auf das Podest. Im Vorjahr hatte er auf der 17. Etappe als Gesamt-Dritter erkrankt aufgeben müssen.

Entweder flach oder bergig, heißt die Devise der heurigen Tour. Etappen mit schwierigem Finale oder im Mittelgebirge fehlen diesmal fast völlig. Es gibt neun Etappen für Sprinter und neun in den Bergen, darunter vier Ankünfte in der Höhe (Andorra-Arcalis, Mont Ventoux, Finhaut-Emosson/SUI, St. Gervais Mont Blanc).

Drei Tage in den Pyrenäen (7. bis 9. Etappe), dann der Mont Ventoux unmittelbar gefolgt von einem 37-km-Einzelzeitfahren (12./13.) und schließlich vier Alpen-Abschnitte, inklusive eines 17-km-Bergzeitfahrens (17.-20.) werden über den Gesamtsieg entscheiden.

Die vier Österreicher Georg Preidler (Team Giant), Marco Haller (Katjuscha), Bernhard Eisel (Dimension Data) und Patrick Konrad (Bora) werden meist Helferdienste leisten müssen. Debütant Konrad sollte noch am ehesten Freiheiten genießen. Der 24-jährige Niederösterreicher und der 26-jährige Steirer Preidler sind Kandidaten für die zwei Olympia-Startplätze des ÖRV.

Von: apa