Onkologische Zertifizierung für optimale Behandlung von Krebspatienten

1400 Menschen in Südtirol sterben jährlich an Krebs

Freitag, 03. Juli 2015 | 12:46 Uhr

Bozen – Die bestmögliche Behandlung von Krebspatienten ist das Ziel der onkologischen Zertifizierung an den Südtiroler Krankenhäusern, die im Herbst 2013 auf den Weg gebracht wurde. LRin Martha Stocker, die Koordinatoren Oswald Mayr und Luca Armanaschi sowie die Zertifizierungsexpertin der Deutschen Krebsgesellschaft Simone Wesselmann zeigten am 3. Juli in Bozen die Inhalte und den Stand des Projektes auf

1400 Menschen in Südtirol sterben jährlich an Krebs. 20.000 Südtirol leiden laut Mayr an einer Tumorerkrankung. Um betroffene Patienten bestmöglich behandeln zu können, sollen die behandelnden Abteilungen an Südtirols Krankenhäusern an internationalen Standards ausgerichtet werden und die entsprechenden Zertifizierungen anstreben.

„Mit der internationalen Zertifizierung der onkologischen Chirurgie des Südtiroler Sanitätsbetriebes nach ISO-Standard 9001 hat das von der Landesregierung initiierte mutige Projekt eine erste wichtige Hürde genommen", sagte Ulrich Seitz, Direktor des Landesamts für Krankenhäuser. 

Gesundheitslandesrätin Martha Stocker berichtete bei einer Informationsveranstaltung in Bozen den Abgeordneten des Südtiroler Landtages, der Führung des Südtiroler Sanitätsbetriebes, den Vertretern der Sozialpartner und der Fachgewerkschaften, den Patientenorganisationen und den Vereinigungen zum Schutz der Patientenrechte, dem Vorstand der Ärztekammer, der Primargewerkschaft ANPO, der Südtiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin (SÜGAM) und der Südtiroler Akademie für Allgemeinmedizin (SAKAM) über den aktuellen Stand des Projektes. „Die schrittweise Spezialisierung und die erworbene Erfahrung eines Arztes, die richtige Auswahl aus einer Vielfalt an therapeutischen Angeboten und eine strukturierte, interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Fachleuten ist für eine schrittweise Steigerung der Qualität der Krebsbehandlung in Südtirol entscheidend", erklärte Stocker. „Daher streben wir die Zertifizierung unserer Abteilungen nach internationalen Standards sowie den Aufbau von Kompetenzzentren innerhalb Südtirol an, in denen die notwendigen Eingriffe vorgenommen werden sollen", informierte die Landesrätin. Eine Vor- und Nachbehandlung der Patienten soll jedoch auch in Zukunft weitestgehend in den Krankenhäusern vor Ort möglich sein. Wie Stocker unterstrich, stehe beim Projekt Qualität in der Behandlung und für die Patienten die Sicherheit optimal betreut zu werden im Mittelpunkt.

Die Projektkoordinatoren im Südtiroler Sanitätsbetrieb Mayr und Armanschi erläuterten die nächsten Schritte des Projektes. „Nachdem der Zertifizierung nach ISO-Standard 9001 der onkologischen Chirurgie im Südtiroler Sanitätsbetrieb nichts mehr im Wege steht, haben wir die Basis für die jeweiligen Fachzertifizierungen gelegt und können zeigen, dass in vielen Bereichen eine solide Tumortherapie in Südtirol möglich ist", informierte Mayr. Er verwies darauf, dass die Überlebensrate von Krebspatienten durch die Arbeit nach genau festgelegten Kriterien deutlich zunehme.

„Bis 2018 wollen wir diese Schritt für Schritt für die Bereiche der Allgemeinen Chirurgie, der Urologie, der Gynäkologie und der Hals-Nasen-Ohren-Abteilung erreichen", so Armanaschi, der zudem betonte, dass es für die Patienten wichtig sei, bereits bei der Diagnose umfassend informiert zu werden.

Die Zertifizierungsexpertin der Deutschen Krebsgesellschaft Simone Wesselmann hob die Bedeutung der internationalen Zertifizierung hervor. „Für jeden Patienten steht so für seine Krankheit in allen Phasen der Behandlung ein kompetenter Ansprechpartner bereit", sagte Wesselmann. Die Patienten bekämen also eine maßgeschneiderte Behandlung, so Wesselmann. „Die Zertifizierung ist keine Strafe, sondern eine Motivation und dient dazu, Qualität sichtbar zu machen", sagte die Zertifizierungsexpertin.

Die Sicht der Patienten legte der Präsident der Italienischen Krebsliga in Südtirol Paolo Coser dar. Es gehe um leben oder sterben und die Überlebensrate der Patienten steige bei den zertifizierten Betrieben aufgrund der personalisierten Therapie enorm, so Coser. „Es ist ein Team an Spezialisten am Werk, das die maximale Garantie für beste Betreuung gibt, deshalb bedeutet die Zertifizierung für Südtirol einen Qualitätssprung in der Behandlung der Krebspatienten", betonte Coser.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen