Caritas: Die Menschenwürde der Flüchtlinge muss geachtet werden

Alle vier Sekunden muss ein Mensch flüchten

Samstag, 20. Juni 2015 | 17:53 Uhr

Bozen – Alle vier Sekunden muss irgendwo ein Mensch vor Krieg und Hungersnot fliehen. Es gibt heute über 50 Millionen Flüchtlinge auf der Welt, mehr als während des Zweiten Weltkrieges. Anlässlich des heutigen Weltflüchtlingstages hat die Caritas einen Tag der offenen Tür in ihrer Dienststelle Migrantes organisiert, um Denkanstöße zum Thema Flucht und Einwanderung zu geben. Besonders betont wurde dabei, dass einer großen Professionalität bedarf, um die Rechte jener Menschen zu verteidigen, welche in unserem Land Schutz suchen. „Die Menschenwürde der Flüchtlinge, die in unser Land kommen, muss geachtet werden. Wir können zweierlei tun: Sie aufnehmen und uns ernsthaft über die Ursachen ihrer Flucht befragen“, unterstreicht Caritas-Direktor Paolo Valente.

Alle 24 Stunden ist in der Welt eine Stadt von der Größe Brixens gezwungen, unsichtbar zu werden – und für die Menschen, die in ihr leben zu flüchten. Krieg, Hunger und totalitäre Regime zwingen Millionen von Menschen, in ihrem Heimatland alles aufzugeben, um einen sicheren Ort zu erreichen. Im Jahr 2014 haben sich die Asylbewerber in Italien mehr als verdoppelt (64.600 Personen),  das entspricht einem Plus von 143 Prozent gegenüber 2013. Im Vergleich mit den anderen EU-Ländern ist dies der stärkste Anstieg, obwohl das Verhältnis zwischen Einwohnerzahl und Asylbewerbern in Italien mit 1,1 unter dem EU-Durchschnitt von 1,2 liegt. Im Verhältnis zur Einwohnerzahl ist Schweden das Land mit den meisten Asylbewerbern (8,4 Asylbewerber auf 1000 Einwohner), gefolgt von Ungarn (4,3) und Österreich (3,3).

Der Weg der Asylbeantragung ist oft lang und beinhaltet manchmal sogar eine Wartezeit von zwei Jahren, wenn man die Zeiten gerichtlicher Streitbeilegungen berücksichtigt. „Die Materie ist nicht leicht zu verstehen. und ihrer Bedeutung entspricht kein ausreichendes Angebot an Master- und Fachstudiengängen”, erläutert die Anwältin und Expertin für Asylrecht Maria Grazia Tedesco. Die Rechtsprechung sei noch nicht sonderlich weit entwickelt und es fehle an einem starken Eingreifen des Staates, um die Integration derer zu fördern, denen internationaler und humanitärer Schutz gewährt wird.

„Oft ist das Angebot für diejenigen, die vom staatlichen System anerkannt werden, zu schwach“, erklärt Danilo Tucconi, Leiter des Caritas-Dienstes Migrantes. „Der Einsatz in unseren Strukturen beschränkt sich nicht darauf, Unterkünfte bereitzustellen, sondern wir unterstützen die Migranten bei der Arbeitssuche sowie beim Spracherwerb und geben Antworten auf Grundbedürfnisse wie die persönliche Pflege und Hygiene.“ In Südtirol bietet die Caritas den Flüchtlingen Aufnahme in den Häusern Arnika, Aaron und Sara sowie Hilfs- und Begleitungsdienste für Flüchtlinge und Migranten – in Bozen mit dem Dienst Migrantes und der Flüchtlingsberatung, in Meran mit der Migrant(inn)enberatung Moca und in Bruneck mit der Beratungsstelle Input.

Diese Tätigkeiten und Dienste zielen nicht nur darauf ab, den momentanen Bedürfnissen gerecht zu werden, sondern die Menschen zur Selbstständigkeit und Eingliederung in die Gesellschaft zu befähigen. „Die Menschenwürde der Flüchtlinge, die in unser Land kommen, muss geachtet werden. Wir können zweierlei tun: Sie aufnehmen und uns ernsthaft über die Ursachen ihrer Flucht befragen”, schließt Caritas-Direktor Paolo Valente. Nach der öffentlichen Veranstaltung mit der Anwältin Maria Grazia Tedesco zum Thema „Der internationale Schutz: menschliche und rechtliche Aspekte“  wurde in der Dienststelle in der Bozner Romstraße 85 die Ausstellung mit dem Titel „Mein Zuhause“ eröffnet. Darin werden Bilder von Kindern gezeigt, die im Haus Migrantes untergebracht sind.  Im Anschluss daran konnten die Räumlichkeiten des Dienstes unter der Führung von Caritas-Mitarbeitern besichtigt werden.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen