Britin Jemma Prior ist Englisch-Dozentin an der Uni-Bozen

“Am Boden zerstört”

Samstag, 25. Juni 2016 | 12:00 Uhr

Bozen – Die Engländerin Jemma Prior, die seit 15 Jahren als Englisch-Dozentin an der Freien Uni Bozen tätig ist, zeigt sich am Tag nach dem Brexit-Referendum entsetzt.

„Ich bin am Boden zerstört. Das Undenkbare ist eingetreten und Großbritannien hat die wichtigste politische Entscheidung einer ganzen Generation auf der Basis von Anti-Einwanderer-Rhetorik getroffen. Und dann daran zu denken, dass es überhaupt keinen Plan gibt, was nun passieren soll. Ich bin einfach geschockt“, erklärt Prior gegenüber dem Tagblatt Dolomiten.

Da ihr Job Sprache sei, wisse sie, wie Worte die Sicht der Menschen auf die Welt und ihr Verhalten beeinflussen können. „Das ‘Ja’, für viele positiv besetzt, stand für den Brexit. Die Position jener, die in der EU bleiben wollten, war daher von Anfang an schwächer, denn sie waren ja ‘dagegen’. Das ist wirklich lächerlich“, erklärt die Dozentin laut „Dolomiten“.

Wie sich der Brexit auf den Arbeitsmarkt auswirken werde, sei unklar. „Keiner weiß, was jetzt passiert. Wahrscheinlich werden EU-Bürger künftig eine Arbeitserlaubnis und ein Visum brauchen, um in Großbritannien bleiben zu können – und umgekehrt Briten in der EU“, meint die Dozentin. Für die junge Generation gebe das allerdings mit Sicherheit Probleme, wenn sie die gleichen Vorzüge genießen wollen, die sie wie sie und viele andere dank des bisher freien Arbeitsmarktes genießen durften, erklärt die Britin. „Was auch immer jetzt passieren wird, es hat sicherlich einen negativen Einfluss.“

Auf ihr eigenes Leben habe der Brexit jedoch keinen Einfluss, ist die Dozentin überzeugt. „Ich habe im März die italienische Staatsbürgerschaft bekommen und bin dank der doppelten Staatsbürgerschaft auch weiterhin Britin. Und ganz egoistisch gedacht, wird es Aufenthalte in Großbritannien für mich billiger machen. In der Nacht auf Freitag lag das britische Pfund um 22.00 Uhr bei 1,50 Dollar und fiel dann am Freitag auf 1,33 Dollar. Das war der heftigste Absturz in den vergangenen 30 Jahren. Wir sind nun alle in rauer See – dank der Mehrheit der Briten, die der Demagogie von Nigel Farage und Boris Johnson geglaubt haben“, erklärt die Dozentin gegenüber den „Dolomiten“.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen