Brandstätter dementiert Theorie zu Schwazers Dopingtest

Anabolika über Steak? – “Ist Käse”

Sonntag, 26. Juni 2016 | 09:01 Uhr

Kalch – Ein Testosteron-Steak soll Alex Schwazers Dopingprobe vom 1. Jänner beeinflusst haben. Diese Meldung ließ gestern aufhorchen, doch der Anwalt des Gehers, Gerhard Brandstätter, dementiert gegenüber der Sonntagszeitung „Z“ und meint: „Das mit dem Fleisch ist ein Käse!“

Er sieht Schwazer vielmehr als „Bauernopfer von verbandsinternen Spannungen und Interessenkämpfen, die vor allem seinen Trainer Sandro Donati betreffen.“

Brandstätter spricht von einer Reihe merkwürdiger Vorgänge. In diesem Zusammenhang nennt er die späte Bekanntgabe des positiven Dopingbefundes oder eine Nachanalyse, die von außen angeordnet wird.

Es sei doch eigenartig, dass das Ergebnis schon am 12. Mai vorlag, es dem Geher aber erst am 21. Juni mitgeteilt wurde. Alex Schwazer, seinem Trainer Sandro Donati und Anwalt Gerhard Brandstätter fehlt damit ein entscheidender Faktor, nämlich die Zeit.

„Für uns ist es ein ganz eigener Wettlauf geworden. Für die Anfechtung der B-Probe, die am 5. Juli geöffnet wird, bleibt dann praktisch keine Zeit vor Rio. Wie soll es noch ein Urteil des Antidoping-Tribunals in Rom oder des Internationalen Sportgerichtshofes in Lausanne vor dem 11. Juli geben, bis zu welchem die Einschreibung für Olympia erfolgen muss?“.

Für Brandstätter gibt es eigentlich nur einen Weg: Nämlich dass der internationale Leichtathletikverband IAAF „die Nichtigkeiten in diesem Verfahren anerkennt, die zu diesem ungerechtfertigten Resultat in der Dopingprobe führten.“ Er will seine Strategie auf die "widersprüchlichen Tatsachen und Verfahrensfehler" ausrichten.

Anwalt Brandstätter unterstreicht im Gespräch mit der "Z", dass in der Leichtatheltik zu viele ein Interesse daran haben, dass Alex Schwazer nicht in Rio antritt. Auf die Frage, was Schwazer denn jetzt macht, meint Brandstätter: "Er trainiert".

WAS BISHER BERICHTET WURDE (25.6.2016)

Der erneut positiv ausgefallene Dopingtest von Alex Schwazer sorgt weiterhin für Rätsel. Nun haben er und sein Anwalt Gerhard Brandstätter möglicherweise eine neue Erklärung, wie es dazu kommen konnte.

Seit seiner Sperre arbeitete Schwazer hart an einer Rückkehr in den Profisport und versuchte, sich zu rehabilitieren. Bekanntlich wurde er, wie so oft im vergangenen Jahr, auch am 1. Jänner einem Anti-Doping-Test unterzogen. Entnommen wurden sowohl eine Urin- als auch eine Blutprobe. Das Ergebnis fiel negativ aus, wie übrigens auch bei allen anderen Tests, die der Geher aus Kalch abgegeben hat, seit er mit Sandro Donati trainiert.  

Im Mai feierte Schwazer beim 50-Kilometer-Weltcup in Rom ein sensationelles Comeback und qualifizierte sich auf der langen Distanz für die Olympischen Sommerspiele in Rio de Janeiro. Am. 12. Mai, also vier Tage nach dem Bewerb, wurde dann die Jänner-Probe ein weiteres Mal kontrolliert. Diesmal fiel das Ergebnis allerdings positiv aus. Die Testosteron-Werte sollen etwas über dem zulässigen Wert gelegen sein.

Medienberichten zufolge vermuten Schwazer und sein Anwalt, dass ein Steak Schuld am Dilemma sein könnte. Der Athlet könnte am Silvesterabend ein Steak verspeist haben, in dem Anabolika enthalten waren.

Anabolika werden in der Tiermast benutzt, um Muskelmasse aufzubauen, was in Europa allerdings verboten ist.

Am Freitag hat Brandstätter unterdessen am Bozner Landesgericht – wie bei der Pressekonferenz angekündigt – Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet. Dass es sich um einen Komplott handelt, schließen Schwazer und sein Team nach wie vor nicht aus.

Die Steak-Theorie klingt zwar etwas abenteuerlich, sollte sie aber tatsächlich zutreffen, dann hat Schwazer schlechte Karten. Denn beweisen lässt sich das Ganze kaum. Radprofi Alberto Contador hatte ebenfalls gesagt, es könne nur verunreinigtes Fleisch gewesen sein, als er 2010 während der Tour de France ebenfalls positiv auf Anabolika getestet wurde. Contador wandte sich an den Internationalen Sportgerichtshof (CAS), aber geholfen hat es nichts, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Für Schwazers Traum von Rio wird unterdessen die Zeit knapp: Am 5. Juli wird die B-Probe geöffnet, und schon der 11. Juli ist der letzte Tag für die Olympia-Nominierung. Falls auch die B-Probe positiv ausfällt, ist es in so kurzer Zeit kaum möglich, eine Aufhebung der Suspendierung zu erreichen.

Von: ©mk/luk

Bezirk: Wipptal