Wildentnahme vor Verfassungsgericht

Bald keine Jagd in Naturparks mehr?

Freitag, 06. März 2015 | 17:22 Uhr

Bozen – In Südtirols Naturparks könnte es mit der Jagd bald vorbei. Grund ist der Rekurs von zwei Tierschutzorganisationen, die vor dem Verwaltungsgericht Trient, die technischen Vorgaben zur Jagdausübung in Naturparks angefochten haben. Nun prüft das Verfassungsgericht, ob eine jagdliche Entnahme in Naturparks zulässig ist, berichtet das Tagblatt Dolomiten.

Landesrat Arnold Schuler befürchtet aufgrund der zentralistischen Ausrichtung des Verfassungsgerichtes, dass den Tierschützern recht gegeben wird. Falls dem so ist, rechnet er mit Millionenkosten aus Wald- und Wildschäden, die auf die öffentliche Hand zukommen werden.

Laut einem Staatsgesetz aus dem Jahr 1991 Ist die jagdliche Entnahme in Naturparks verboten. Ausnahmen sind die beiden Provinzen Südtirol und Trentino. Sollte Trient den Rekurs verlieren, ist das Südtiroler Jagdgesetz in diesem Punkt zwar nicht annulliert, trotzdem wird mit einer Signalwirkung gerechnet.

120.000 Hektar der bejagbaren Fläche liegen in Naturparks. Das ist insgesamt ein Fünftel. Betroffen wären 46 Jagdreviere.

Hierzulande kommen die Jäger selbst für die Schäden aus jagdbarem Wild an der Berglandwirtschaft auf, in den einzelnen Ortschaften gibt es unterschiedliche Regelungen. Es wird gezahlt, es gibt aber auch Wildbret oder Arbeitseinsätze als Gegenleistung.

Falle die Jagd flach, so seien die Jäger nicht mehr in der Pflicht, und die Ausgleichszahlungen gingen zulasten des Landes, erklärt Schuler laut „Dolomiten“. Außerdem seien über 60 Prozent des Südtiroler Waldes Schutzwald. Wenn der Druck des Rotwildes zu groß und der Wildverbiss zu stark wird, verjünge sich der Wald nicht mehr. Dann müsse verstärkt in technische Eingriffe wie Lawinenschutzbauten investiert werden.

Trotzdem will Schuler nicht aufgeben und versuchen, auf allen Ebenen versuchen, Südtirols Zuständigkeiten zu wahren. Das Thema wurde auch bei Treffen des Bauernbundes mit den SVP-Parlamentariern diskutiert.

Wie Senator Karl Zeller laut „Dolomiten“ erklärt, habe Südtirol zwar die primäre Zuständigkeit in Sachen Jagd. Allerdings sei das Verfassungsgericht der Ansicht, dass Regionen mit Sonderstatut nur strengere Regelungen erlassen dürfen, als in den Mindeststandards des Staates vorgesehen.

„Ständig neue Einschränkungen im Naturpark“

Mit Entsetzen hat der Bürgermeister von Prettau, Robert Alexander Steger, der Presse entnommen, dass bald auch die Jagd im Naturpark nicht mehr möglich sein soll. „Als die Ausweisung von Naturparken angedacht wurde, hatte die Prettauer Bevölkerung von Anfang an Bedenken, dass dies große Einschränkungen für unser Dorf bedeuten könnte“, so Bürgermeister Steger.

Im Dekret für den Naturpark Rieserferner-Ahrn wurden daraufhin verschiedene Garantien für die lokale Bevölkerung aufgenommen. So wurde garantiert, dass die einheimische Bevölkerung im Naturpark weiterhin Pilze oder Mineralien sammeln kann. Diese Bestimmungen stehen immer noch im Naturparkdekret, obwohl das Landesumweltschutzgesetz diese Ausnahmen nicht mehr vorsieht. „Auch bei anderen Themen wie der Erschließung von Almen bzw. bei der Sanierung bestehender Almen, hat sich der Naturpark entgegen vorhergehender Zusagen als großes Hindernis herausgestellt“, so Steger.

Die Gemeinde Prettau hat eine Fläche von 86,5 Quadratkilometer und gehört somit flächenmäßig zu den größeren Gemeinden Südtirols. Davon befinden sich 73 Prozent im Naturpark. „Naturparkgemeinden haben bereits jetzt große Einschränkungen. So sind beispielsweise im Naturpark keine Wasserkraftwerke möglich, d. h. die lokale Bevölkerung verzichtet hier bereits jetzt auf die Nutzung einer wichtigen Ressource. Dazu stehen wir auch, jedoch müssen die Vereinbarungen mit den Naturparkgemeinden eingehalten werden. Wenn jetzt auch noch die Jagd im Naturpark verboten werden soll, dann sehe ich bereits jetzt eine Forderung der Prettauer Bevölkerung und auch in anderen Gemeinden zur Abschaffung des Naturparkes“, so Bürgermeister Steger. Eine solche Forderung werde in den letzten Tagen immer häufiger genannt. „Zu diesem Thema kann ich mir durchaus auch eine entsprechende Volksabstimmung in den Naturparkgemeinden vorstellen“, meint der Bürgermeister.

„Die Idee des Naturparkes ist es doch, die durch die Pflege der lokalen Bevölkerung über viele Generationen entstandene Natur- und Kulturlandschaft zu erhalten. Wenn jetzt gerade diese traditionelle Nutzung z. B. durch Verbote wie jenes der Jagd eingestellt wird, dann leidet auch dieses Landschaftsbild, das ja bereits seit Jahrhunderten auch vom Menschen mitgeprägt wird. Ich hoffe dass zu diesem wachsenden Spannungsfeld zwischen lokaler Bevölkerung und ständig verschärften Naturparkbestimmungen auf politischer Ebene eine Lösung gefunden wird. Es kann nicht sein, dass die Menschen in Landgemeinden die über Jahrhunderte die Landschaft gepflegt haben jetzt dafür auch noch bestraft werden“ so Bürgermeister Steger abschließend.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen