Ergebnisse präsentiert

Bersaglio-Studie nimmt Südtirols Gesundheitssystem unter die Lupe

Donnerstag, 23. Juni 2016 | 17:58 Uhr

Bozen – Südtirol hat ein überwiegend gut funktionierendes und qualitatives Gesundheitssystem: Dies geht aus der „Bersaglio“-Studie 2015 hervor.

Am heutigen Donnerstagnachmittag haben Gesundheitslandesrätin Martha Stocker, die Verantwortliche des Instituts für Management und Gesundheit der Fachhochschule Sant’Anna in Pisa Sabina Nuti und die Koordinatorin der Epidemologischen Beobachtungsstelle des Landes Carla Melani die Ergebnisse der "Bersaglio"-Studie 2015 präsentiert. Diese Studie bewertet und vergleicht die Performance, die Ziele und Leistungen der Gesundheitssysteme von 14 italienischen Regionen und stellt die Ergebnisse der Analyse von rund 200 verschiedenen Indikatoren in Form einer Zielscheibe dar. Die gewählte Darstellungsform ist dabei in ihren Grundaussagen unmissverständlich und klar: grün und zielgenau die Stärken des Gesundheitssystems, rot und weiter außen hingegen Bereiche mit Handlungsbedarf. "Die Daten zeigen auf, dass Südtirol ein gut funktionierendes und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem hat", erklärte Gesundheitslandesrätin Stocker, "es zeigt aber auch aktuelle Herausforderungen auf, denen wir mit der Gesundheitsreform begegnen wollen", verwies die Landesrätin beispielsweise auf die Stärkung der Versorgung vor Ort und die landesweite Vereinheitlichung der Betreuung. Die Vertreterin der Fachhochschule Sant’Anna in Pisa Nuti erklärte, dass die Bewertung der Gesundheitssysteme im Vergleich untereinander erfolge. Die Teilnahme der Regionen sei auf freiwilliger Basis und im Sinne der Transparenz: Die Ergebnisse werden in Buchform und online auf der Homepage des Instituts veröffentlicht. Südtirol nimmt seit 2010 an der Studie teil.

Südtiroler pflegen einen gesunden Lebensstil

Die Ergebnisse der "Bersaglio"-Studie 2015 zeigen auf, dass Südtirol ein gut funktionierendes und qualitativ hochwertiges Gesundheitssystem hat. Die Südtiroler pflegen einen gesunden Lebensstil, sind körperlich aktiv und im gesamtstaatlichen Vergleich weniger oft übergewichtig oder fettleibig. Mit 24,2 Prozent Rauchern liegt Südtirol im Mittelfeld, Handlungsbedarf macht die Studie hingegen beim Alkoholkonsum mit größerem Risiko aus. Eine gute Gesundheit bescheinigt die Fachschule Sant’Anna in Pisa den Südtirolern auch in der Analyse der Kindersterblichkeit und der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, während die Anzahl der Suizide höher als in den anderen Regionen liegt.

Vorgegebene Ziele: Impfrate und Screenings

Genauer unter die Lupe nimmt die "Bersaglio"-Studie – die Koordinatorin der Epidemiologischen Beobachtungsstelle Melani präsentierte die aussagekräftigsten Ergebnisse im Detail – die Fähigkeit der Sanitätsbetriebe, die vom Land bzw. den Regionen vorgegebenen Ziele zu erreichen. Südtirol weist in diesem Zusammenhang bekanntermaßen eine niedrige Impfrate als der gesamtstaatliche Durchschnitt auf, sowohl in Bezug auf die Grippeimpfung für Senioren als auch für die empfohlenen Impfungen im Kindesalter. Ein gutes Ergebnis erzielt Südtirol hingegen im Bereich der Vorsorgeuntersuchungen: Nahezu 100 Prozent der Bezugsbevölkerung wird zu den jeweiligen Screenings eingeladen.

Stärkung der Versorgung vor Ort, der Vereinheitlichung und der Effizienz

Innerhalb des Netzwerkes der Regionen weist Südtirol die höchste Hospitalisierungsrate (Krankenhausaufenthalte pro 1.000 Einwohner) auf. Viele Patienten könnten jedoch – so geht es aus der "Bersaglio"-Studie hervor – aufgrund ihrer Diagnose auch ambulatorial behandelt werden. Die Analyse zeigt weiters ein unterschiedliches chirurgisches Angebot in den Südtiroler Gesundheitsbezirken und Verbesserungspotential für die Betreuung von chronisch Kranken auf. Positiv bewertet die "Bersaglio"-Studie hingegen die Organisation und die Qualität der Versorgungsprozesse in den Südtiroler Krankenhäusern, die Mutter-Kind-Betreuung, die durchschnittliche Wartezeit bei chirurgischen Eingriffen, den Verbrauch von Antibiotika sowie – im landesweiten Durchschnitt – die Wartezeiten in der Ersten Hilfe. Sehr gut schneidet Südtirol bei den Wartezeiten in der onkologischen Chirurgie und bei der Behandlung von Schenkelhalsfrakturen ab.

Die im Vergleich mit den anderen Regionen hohe Pro-Kopf-Ausgabe in Südtirol von 2.270,92 Euro weist die Studie als negativen Punkt aus. "Diese höhere Kostenstruktur zeigt jedoch auf, dass wir viel Geld in die gesundheitliche Versorgung der Menschen investieren", unterstrich Landesrätin Stocker, "auch wenn wir uns in Zukunft verstärkt darauf konzentrieren müssen, was und wie viel wir wo ausgeben, um den Menschen eine gute Versorgung auch für die Zukunft gewährleisten zu können", so die Landesrätin mit Blick auf eine stärkere Effizienz durch das Vermeiden von Doppelgleisigkeiten und unangemessenen Leistungen.

Die gesamtstaatlichen Ergebnisse im Vergleich sind Thema des Treffens des Networks der Regionen. Dieses findet erstmals in Südtirol statt, und zwar am morgigen Freitag, 24. Juni ab 9.30 Uhr auf Schloss Maretsch.

Von: ©lpa

Bezirk: Bozen