Caritas: "Verantwortungsvoller Umgang mit Bettlern"

“Betteln ist ein Menschenrecht”

Donnerstag, 16. Juli 2015 | 17:51 Uhr

Bozen – „Jemanden um Almosen zu bitten, ist ein Menschenrecht. Nur weil die Bettler nicht in unser Stadtbild passen, dürfen wir sie nicht unmenschlich behandeln und ihnen das Betteln verbieten“, erklären die beiden Caritas-Direktoren Franz Kripp und Paolo Valente. „Wirtschaftliche Interessen dürfen nicht gegen individuelle Notlagen ausgespielt werden. Nicht die Armen gilt es zu bekämpfen, sondern die Armut!“
 
Damit reagieren die beiden Caritas-Direktoren auf das Bettelverbot, das in mehreren Gemeinden angedacht und zum Teil auch schon erlassen wurde. Als besonders menschenverachtend wird in diesem Zusammenhang die Verordnung der Marktgemeinde St. Lorenzen erachtet. Darin ist wörtlich von „abstoßendem und unverschämtem Verhalten“ bettelnder Menschen die Rede, die gerade für Ortschaften mit viel Tourismus ein „Bild der Verwahrlosung“ bieten würden. „Vor der Armut kann man niemals die Augen verschließen oder sie aus unserem Blickfeld verdrängen. Es gibt kein Recht auf ein gepflegtes und armutsfreies Ortsbild, wohl aber ein Recht eines bedürftigen Menschen, andere Menschen um Almosen zu bitten. Selbstverständlich steht es dann jedem Bürger frei, etwas zu geben oder nicht. Auch dürfen bettelnde Menschen nicht alle über einen Kamm geschert und kriminalisiert werden. Wenn sich beispielsweise mehrere Personen organisieren und in Gruppen auftreten, ist das noch lange kein Verbrechen. ,Die Bettler‘ als einheitliche Gruppe gibt es nicht“, betonen Kripp und Valente.
 
„Natürlich kann es unangenehm berühren, mit bettelnden Menschen konfrontiert zu sein. Auch muss man sich von ihnen nicht alles gefallen lassen. Wir als Caritas lehnen jede Art von betrügerischem, ausbeuterischem oder störendem Betteln ab. Dagegen gibt es bereits ganz klare Gesetze. Wenn die Ordnungshüter diese zur Anwendung bringen, genügt das vollauf, um die öffentliche Sicherheit zu garantieren. Das sogenannte ,stille‘ Betteln zu verbieten, nur weil es als geschäfts- oder tourismusschädigend erachtet wird, ist nicht angebracht. Denn damit löst man sicher nicht das Problem der notleidenden Menschen (reiche Bettler gibt es nicht), ganz im Gegenteil“, unterstreichen Kripp und Valente. Für eine Gesellschaft sei es völlig falsch, die Armut aus ihrem Blickfeld zu verdrängen. „Wir müssen wohl wieder lernen, mit der Not und den von ihr Betroffenen umzugehen.“ Den Südtirolerinnen und Südtirolern raten sie daher, wie es auch die Diözese Bozen-Brixen tut: „Lassen Sie ihr Herz sprechen. Sie allein entscheiden, ob und wie Sie helfen wollen. Nicht die Armen gilt es zu bekämpfen, sondern die Armut!“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen