Meinungsfreiheit hat Grenzen

Bozner verteidigt sich nach Hass-Posting

Dienstag, 08. September 2015 | 15:00 Uhr

Bozen – Der Bozner, der von der Staatspolizei angezeigt wurde, weil er einen abfälligen Kommentar über den Tod des kleinen Aylan auf Facebook gepostet hatte, verteidigt sich. Er sei kein Rassist, behauptete der Mann laut einem Bericht von stol.it.

Auch dieser Fall zeigt, dass Menschen, die ausländerfeindliche Inhalte im Internet veröffentlichen, oft nicht begreifen wollen, dass Meinungsfreiheit ihre Grenzen hat und dort aufhört, wo die Würde anderer verletzt wird. Wer Meinungsfreiheit missbraucht, um Intoleranz und Hass zu schüren, hat ein Recht darauf verwirkt.

Der Mann wendet sich in seinem Posting vor allem an die Journalistin und Bloggerin Selvaggia Lucarelli, die mit einem Artikel in der italienischen Tageszeitung "Fatto Quotidiano" auf die Hass-Reden des Mannes aufmerksam gemacht hat.

Sein Vater sei einer der ersten gewesen, der in seinem Unternehmen in Südtirol zwei Personen aus Ghana eingestellt habe, obwohl ihm anderen davon abgeraten hätten, erklärt der Bozner. Außerdem habe er als Bauarbeiter schon oft mit Männern aus Albanien oder afrikanischen Ländern gearbeitet.

Gleichzeitig erklärt der Bozner, dass man ihm in der Nacht auf Dienstag am Telefon mit Mord gedroht habe. "Ich habe keine Angst. Aber wenn meinen Kindern etwas passiert, dann mache ich Sie dafür verantwortlich", warnte der Mann die Journalistin laut stol.it.

Es sei die vor allem die Politik, die ihn geärgert habe, erklärte der Bozner weiter. Zudem entschuldigte er sich für seine zahlreichen Rechtschreibfehler. Grund dafür sei, dass er es nach der Mittelschule vorgezogen habe, zur Arbeit zu gehen.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (7.09.2015)

Die Quästur in Bozen teilt mit, dass die Polizeikräfte jenen Mann ausgeforscht haben, der sich mit Freude und Genugtuung auf Facebook über den Tod des kleinen Aylan äußerte.

Der Betreffende muss sich nun wegen eines mutmaßlichen Verstoßes gegen das Mancino-Gesetz verantworten, das unter anderem rassistische Aufwieglerei ahndet.

Die Landtagsabgeordnete Elena Artioli erklärt in einer Aussendung, dass sie mit Giorgio Artioli – so der Name des mutmaßlichen Verantwortlichen – nicht verwandt sei. Abgesehen davon sei jeder selbst für das verantwortlich, das er tut, kommentiert Artioli. Es handle sich lediglich um eine bedauernswerte Namensgleichheit.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (6.09.2015)

Das umstrittene Bild des leblos an einen Strand gespülten Körpers eines syrischen Flüchtlingsjungen Namens Aylan ging um die ganze Welt und erschütterte Politik und Gesellschaft. Das Foto hat jedoch auch viel Anstoß erweckt und Meinungen gespalten, zahlreiche Menschen sind der Ansicht, es hätte in der Form gar nicht abgedruckt werden dürfen, andere kritisieren dessen politische Instrumentalisierung oder das heuchlerische Messen mit zweierlei Maß in Bezug auf täglich sterbende Kinder in Krisengebieten.

Der Bozner G.A. allerdings entzog sich einem rationalen und menschenwürdigen Diskurs, indem er sich via Facebook ganz offen über den Tod des Kindes freute. „Durch die italienische Politik hätte der Junge uns 50 Euro am Tag gekostet. So kostet er uns nichts. Hoffen wir, dass das wieder passiert", meint G.A. in zynischem Ton. Laut Medienberichten habe der Mann zahlreiche Freunde in- und außerhalb Südtirols, auch mit Politikern sei er "befreundet".

Obwohl der Täter seine Hass-Postings mittlerweile gelöscht hat, kursieren weiterhin Screenshots davon im Netz. Selbst das Online-Portal „Il fatto quotidiano“ hat den Fall bereits thematisiert, die Journalistin Selvaggia Lucarelli forderte die Bozner Quästur zum Handeln auf. Auch in anderen Ländern werde gegen derartige Hass-Poster gerichtlich vorgegangen, so etwa in Deutschland, wo vor Kurzem die Wohnung eines 26-Jährigen durchsucht wurde, nachdem er sich ähnlich verunglimpfend über den Tod des kleinen Aylan geäußert hatte. Laut aktuellen Berichten habe die Bozner Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen aufgenommen.

Von: ©mh