Gemeinde Prettau gegen den Entwurf des Gewässerschutzplanes

Bürgermeister wehrt sich gegen “Umweltextremismus”

Freitag, 05. Juni 2015 | 16:32 Uhr

Bozen/Prettau – Der Bürgermeister von Prettau Mag. Robert Alexander Steger hat an der heutigen Vorstellung des provisorischen Gewässerschutzplanes in der Eurac in Bozen teilgenommen. Dazu stellt er folgendes fest:

„Die Vorstellung des Gewässerschutzplanes ist ein weiteres Beispiel für den in Südtirol immer weiter um sich greifenden Umweltextremismus. Dabei werden die Prinzipien, welche die neue Landesregierung verkündet hat, dass die Gemeinden mehr Entscheidungen vor Ort treffen sollen, in keinster Weise umgesetzt. So soll ein Großteil der vorhandenen Energieerzeugungspotentiale in Südtirol durch den neuen Gewässerschutzplan nicht mehr nutzbar sein. Dies, obwohl durch sehr hohe Restwasserauflagen bereits die ökologisch vertretbare Nutzung der Wasserkraft in Südtirol sichergestellt ist.“

Die Gemeinde Prettau versuche beispielsweise seit elf Jahren das Kraftwerk „Ahrstufe 2“ zu realisieren. „Dabei war bisher die chaotische Gesetzeslage im Land das entscheidende Hindernis dazu.“ Zudem möchte die Gemeinde gemeinsam mit der Bevölkerung auch am „Wieserbach“ ein Kraftwerk errichten.

Dazu der Bürgermeister: „Prettau ist eine der Gemeinden mit dem größten Wasserreichtum in Südtirol. Dazu hat die Gemeinde Prettau bereits vor Jahren entschieden, die Wasserkraft im eigenen Gemeindegebiet möglichst zu nutzen. 73 Prozent der Gemeindefläche von Prettau befinden sich im Naturpark, in welchem ohnehin kein Ausbau der Wasserkraft möglich ist.“

Prettau stehe dazu und verzichte dadurch auf die Nutzungsmöglichkeiten an fünf Seitenbächen, welche jeweils ein sehr großes Potential für die Stromerzeugung hätten. „Deshalb möchte unser Dorf wenigstens jene Kraftwerke errichten, die außerhalb des Naturparkes liegen“, so Bürgermeister Steger weiter.

Konkret seien dabei nur noch zwei Kraftwerke möglich: die Ahrstufe 2 und der Wieserbach. Bei beiden Bachabschnitten handele es sich nicht um naturbelassene Gewässer. Der Wieserbach ist mit Sperren und Dämmen verbaut und der Mündungsabschnitt ist gänzlich vermauert. Die Ahr ist im betreffenden Abschnitt ebenfalls aus Gründen des Hochwasserschutzes verbaut.

Bürgermeister Steger betont: „Diese beiden Bachabschnitte sind in keiner Weise schützenswert. Im Gegenteil könnte die Errichtung eines Wasserkraftwerkes die Sicherheit des Dorfes erhöhen, da bei Hochwasser die Bachläufe durch die Kraftwerke entlastet werden könnten.“

Der Bürgermeister kündigt an, dass der Gemeinderat sich in der nächsten Sitzung mit diesen bedenklichen Entwicklungen befassen wird. Prettau habe als Randgemeinde ihren Beitrag zum Natur- und Landschaftsschutz mehr als geleistet. „Es kann nicht sein, dass wir jetzt noch mehr von Bozen und zentralen Plänen behindert werden.“

Der Bürgermeister weiter: „Ich fordere die Landesregierung dazu auf, dass die Entscheidung, ob bestimmte Bachabschnitte mit Wasserkraftwerken genutzt werden können, vor allem von der Bevölkerung vor Ort entschieden werden. Die Bevölkerung steht in unserem Fall voll hinter der Verbauung dieser zwei Bachabschnitte. Gleichzeitig möchten wir die entstehenden finanziellen Ressourcen zum Wohle unserer Gemeinschaft einsetzen.“

Der Bürgermeister von Prettau Mag. Robert Alexander Steger vertritt die Südtiroler Gemeinden unter anderem auch als Vizepräsident des Konsortiums für das Wassereinzugsgebiet der Etsch oder als Vizepräsident der SELFIN GmbH als Beteiligungsgesellschaft der Südtiroler Gemeinden an der SEL AG.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen, Pustertal