Stein an Stein 2: Verfahren geht weiter

Bürgschaft für Windt ünernommen, ohne sie zu kennen

Freitag, 11. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen – Als Rudolf Stocker eine Bürgschaft für Petra Windt in der Höhe von 450.000 Euro zum Kauf des Kraftwerks Mittewald übernommen hat, kannte er die Wienerin gar nicht. „Es war auch nicht vorhersehbar, ob die Operation rentabel sein würde, das Kraftwerk war in sehr schlechtem Zustand“, erklärte der Bruder des angeklagten Ex-SEL-Präsidenten Klaus Stocker gestern im Zeugenstand laut einem Bericht des Tagblatts Dolomiten.

Verdient habe er an der Bürgschaft keinen Cent, fügte der Bruder vor Gericht hinzu. Wie berichtet, hält Petra Windt – eine Studienkollegin von Ex-SEL-Direktor Maximilian Rainer – 70 Prozent der Gesellschaft „Stein an Stein Italia“ GmbH, die das Kraftwerk Mittewald betreibt. 30 Prozent gehören Martin Kofler von der Gesellschaft EVB aus Lienz.

Oberstaatsanwalt Guido Rispoli glaubt, dass beide nur Strohmänner für Rainer, Stocker sowie Ex-SEL-Aufsichtsratspräsident Franz Pircher sind. In dem Verfahren, bei dem es um die Unterschutzstellung des Eisacks geht, will Rispoli beweisen, dass Rainer die Änderungen am Entwurf zum neuen Gewässernutzungsplan vorgenommen und der damals zuständige Landesrat Michl Laimer diesen der Landesregierung zur Beschlussfassung vorgelegt habe.

Der neue Plan sah vor, dass Kraftwerke entlang kleiner Wasserableitungen des Eisacks zwischen der Einmündung des Maulser Bachs und des Stausees Franzensfeste doch erweitert werden dürften. Davon hätten die Betreiber des Kraftwerks in Mittewald profitiert.

Die Staatsanwaltschaft wirft Laimer, Rainer, Stocker und Pircher Amtsmissbrauch vor. Stockers mutmaßliches persönliches Interesse am Kraftwerk in Mittewald glaubt die Anklage unter anderem am Engagement von Rudolf Stocker erkennen zu können.

Als Zeuge beteuerte dieser gestern aber, dass sein Bruder Klaus gar nichts damit zu tun habe. Stattdessen habe ihn Paul Schweitzer, Wirtschaftsberater und Bevollmächtigter der „Stein an Stein“, im Februar 2007 gefragt, ob er eine Bürgschaft übernehmen würde.

Rudolf Stocker räumte laut „Dolomiten“ ein, dass das Kraftwerk in einem „sehr schlechten Zustand und es keinesfalls sicher war, ob die Operation lukrativ sein würde“. Allerdings habe die Aussicht bestanden, später ins Kraftwerk mit einzusteigen. Diese Option habe er aber nie ausgeschöpft, erklärte Rudolf Stocker.

Das Kraftwerk warf genug Geld ab, sodass die Bürgschaft schon nach rund zweieinhalb Jahren abgegolten war. Rudolf Stocker betonte, dass er sich nur auf die Sache eingelassen habe, um Schweitzer einen Gefallen zu tun, da dieser ein guter Freund sei.

Worauf er durch seinen reinen Freundschaftsdienst verzichtet hat, rechnete der Gutachter der Staatsanwaltschaft, Roberto Pallaver, vor. Demnach warf der Energieverkauf jährlich um die 100.000 Euro ab. Nach dem Ausbau, den die Landesregierung im August 2009 genehmigte, sei der Weg für eine Verdreifachung der Stromproduktion frei gewesen.

Bekanntlich hatte die SEL im Vorfeld beschlossen, das Kraftwerk nicht zu kaufen. Rainer und Vorbesitzer Johann Breiteneder hätten sich in Wien getroffen, von wo Rainer dessen Verkaufsangebot (450.000 Euro) mitgebracht habe. Das war dem SEL-Verwaltungsrat aber zu teuer. Ein Grund dafür ist unter anderem die Schätzung von Ingenieur Michele Morelli aus Turin, der den Wert mit 70.000 Euro bezifferte.

Wie Pallaver erklärte, hatte Morelli aber nur den veralteten Maschinenpark geschätzt, nicht den effektiven Wert des Kraftwerks, für den die Einnahmen aus dem Stromverkauf und die Konzession, die bei kleinen Kraftwerken erfahrungsgemäß automatisch erneuert werde, mit berechnet werden müssten.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen, Wipptal