„Heißer Herbst“

Delegation des Südtiroler Schützenbundes in Barcelona

Donnerstag, 10. September 2015 | 16:08 Uhr

Bozen/Barcelona – Am Donnerstag ist eine Delegation des Südtiroler Schützenbundes in Barcelona, der Hauptstadt Kataloniens, gelandet. Am 11. September feiern die Katalanen ihren Nationalfeiertag „Diada". Es ist der Gedenktag an den 11. September 1714, als Katalonien im spanischen Erbfolgekrieg mit der Kapitulation der Stadt Barcelona seine staatliche Unabhängigkeit verlor.
 
So wie auch in den vergangenen Jahren wird auch dieses Jahr die "Diada" eine einzige große Kundgebung für die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien. Die Veranstalter rechnen mit rund zwei Millionen Teilnehmern. Mit dabei sind neben den Südtirolern auch Schotten, Basken, Flamen, Veneter, Sarden und viele andere Völker und Regionen, die nach mehr Freiheit und Unabhängigkeit streben.
 
Aufgeheizt ist die Stimmung besonders seit der inoffiziellen Volksbefragung, genannt Bürgerbeteiligungsprozess, am 9. November vergangenen Jahres. Nach 300 Jahren Fremdbestimmung machte die katalanische Regierung unter Artùr Mas ernst und bot der spanischen Zentralregierung die Stirn. Trotz Interventionen und Drohungen aus Madrid stand das katalanische Parlament mit breiter Mehrheit hinter dem Plan, das Volk entscheiden zu lassen, ob es in Zukunft mit oder ohne Spanien weitergeht. Ungehindert des gerichtlichen Verbots gaben schlussendlich über 2,25 Millionen Menschen ihre Stimme ab und 1,8 Millionen (ca. 80%) stimmten für die Unabhängigkeit.
 
Während die Schotten am 18. September 2014 ganz offiziell über eine mögliche Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich abstimmen durften, ist dies den Katalanen bislang noch verwehrt geblieben. Die Frage lautet: Wie lange kann die Freiheit aufgehalten werden?
 
In Katalonien rüsten sich die Parteien für die anstehenden, vorgezogenen Regionalwahlen am 27. September. Der katalanische Regierungschef Artùr Mas lässt wieder die Muskeln spielen. In diesen plebiszitären Neuwahlen soll legal für oder wider die Unabhängigkeit abgestimmt werden. Die Befürworter formieren sich und treten mit dem Versprechen einer Abspaltung an. Die CDC (Demokratische Konvergenz), die Linksrepublikanern (ERC) und weitere separatistischen Organisationen bilden die geschlossene Einheitsliste „Junts pel Sí“ (Gemeinsam für das Ja). Spitzenkandidat ist Raül Romeva, Politiker der katalanischen grünen Partei ICV (Iniciativa per Catalunya Verds) und seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments in der Fraktion Grüne/EFA. International bekanntester Name unter den Kandidaten ist wohl Pep Guardiola, Trainer des FC Bayern München, der symbolisch auf dem letzten Platz der Liste antritt.
 
Die konservative spanische Zentralregierung von Mariano Rajoy (Partido Popular (PP)) erkennt den plebiszitären Charakter der Wahlen jedoch nicht an. "Es wird Wahlen zum Regionalparlament geben, aber keine plebiszitären Wahlen", so Rajoy. Eine Abspaltung verstoße gegen die Verfassung.
 
Unbeeindruckt davon ist das Wahlbündnis fest entschlossen der Obrigkeit in Madrid abermals Paroli zu bieten und im Falle einer Mehrheit am 27. September einseitig die Unabhängigkeit der wirtschaftsstärksten Region Spaniens zu erklären. Der PP versucht eine mögliche Unabhängigkeit Kataloniens mit allen Mitteln zu verhindern und die Einheit Spaniens zu erhalten. Namhafte Vertreter der Partei initiieren nun gar eine Gesetzesreform, welche die Befugnisse des Verfassungsgerichts soweit ausdehnen soll, dass Politiker bestraft, abgesetzt und verhaftet werden können, sofern diese sich nicht an Urteile der Gerichte halten bzw. sich darüber hinwegsetzen.
 
Der September wird laut Mas in die Geschichte eingehen. Die Diada ist sicherlich ein erster Stimmungsbarometer vor den Wahlen.
 
In unregelmäßigen Abständen wird die Delegation ihre Eindrücke und Erlebnisse auf der Facebook-Seite „iatz“ festhalten. Fortlaufend wird live aus dem Herzen der katalanischen Hauptstadt berichtet.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen