„Vertrag für Kofler Engl wird aber nicht verlängert“

Denkmalpflege wird doch nicht aufgelöst

Montag, 27. April 2015 | 16:00 Uhr

Bozen – Landeshauptmann Arno Kompatscher dementiert laut einem Bericht des Tagblatts Dolomiten die geplante Auflösung des Denkmalamtes. Damit ist man in der Landesregierung offensichtlich zurückgerudert.

„Es wird keine Auflösung oder Schwächung des Denkmalamtes und der Denkmalabteilung geben“, so Kompatscher wörtlich gegenüber den „Dolomiten. Dies sei auch nie so beschlossen worden.

Zwar soll die Abteilung erhalten bleiben, der Vertrag mit Abteilungsdirektorin Waltraud Kofler Engl werde aber nicht verlängert. Nun müsse sich Kofler Engl entscheiden, ob sie Amtsdirektion wird, oder nicht, betont der Landeshauptmann. Ihr Auftrag als Abteilungsdirektorin für die Denkmalpflege werde – nach einer gescheiterten Mediation – nicht verlängert. Laut Kompatscher befand sich Kofler Engl in Probezeit.

Wie berichtet, hatte erst kürzlich der zuständige Landesrat Florian Mussner angekündigt, dass die Landesabteilung aufgelöst und möglicherweise zum Teil bei den Museen und zum Teil beim Landschaftsschutz angesiedelt werde. Als Grund wurden die Neuorganisation der Landesabteilungen und Einsparungen genannt. Laut Kompatscher sind diese Pläne aber nun vom Tisch.

„Es herrscht scheinbar eine Hysterie“, betonte Kompatscher laut „Dolomiten“.

Gegen die Auflösung der Abteilung Denkmalpflege hatte es einigen Widerstand gegeben – unter anderem auch von der Stiftung Südtiroler Sparkasse. Diese rief die Landesregierung „zu einer Nachprüfung der am 14. April getroffenen Entscheidung“ auf. Jegliche Aufweichung eines den gesetzlichen Kriterien entsprechenden Denkmalschutzes im Vergleich mit Trentino, Tirol und der Schweiz würde einen hohen Schaden für die Kulturgüter und das kulturhistorische Image Südtirols bedeuten, schrieben Stiftungspräsident Karl Pichler und seine Stellvertreterin Simona Kettmeir Altichieri in einer Mitteilung.

Doch Kompatscher lässt sich davon nicht beeindrucken. „Die Stiftung soll sich vorher informieren – diesen Beschluss hat es nie gegeben“, erklärt er laut „Dolomiten“. Laut Kompatscher sei trotz dieses „Kommunikationsproblems“ das Verhältnis zwischen ihm und Landesrat Mussner „nach wie vor gut“.

Dass das Hickhack um die Denkmalpflege dem Edelweiß bei den anstehenden Gemeinderatswahlen schaden könnte, glaubt Kompatscher nicht.

Pöder: „Kompatscher hat seinen Laden nicht im Griff“

Im Zusammenhang mit dem Hin und Her zur Landesabteilung Denkmalschutz und deren bisherigen Direktorin Waltraud Kofler-Engl wirft der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder, Landeshauptmann Arno Kompatscher vor, den eigenen Laden nicht im Griff zu haben.

„Wenn wochenlang öffentlich von Landesregierungsmitgliedern vermittelt wird, dass die Abteilung Denkmalpflege aufgelöst wird und man deren bisherige Abteilungsdirektorin öffentlich blamiert und demontiert, dann ist die Debatte gründlich aus dem Ruder gelaufen. Eine derartige öffentliche Demontage von Führungspersonen der Landesverwaltung durch die Landesregierung ist absolut neuer politischer Stil in Südtirol. Dass zudem die Landesregierung unter Arno Kompatscher und die SVP unter Philipp Achammer sich derart weit von den Wurzeln des Erhalts der Kulturlandschaft Südtirols wegbewegt, um ernsthaft dem Denkmalschutz in Südtirol den Boden zu entziehen ist auch ein absolutes Novum. Der Einfluss der Betonlobbys in Südtirol wird offenbar immer größer“, so der Abgeordnete.
 
Pöder hat bereits vor Tagen eine Aktuelle Anfrage und einen Beschlussantrag zu den Vorgängen um die Denkmalabteilung eingebracht.
 
Die Auflösung der Abteilung Denkmalschutz und die Unterordnung unter die Raumordnung würde laut Pöder zudem gegen die Grundsätze des Autonomiestatuts verstoßen. „Im Artikel acht des Autonomiestatuts sind ‘der Schutz und die Pflege der geschichtlichen, künstlerischen und volklichen Werte’ als eigenständige Kernkompetenz der Autonomie definiert. Demnach können Denkmalschutz und Denkmalpflege nicht der anderen Kernkompetenz Raumordnung untergeordnet werden“, zeigt sich Pöder überzeugt. Der Landtag müsse sich hier schützend vor und hinter die Kernkompetenz Denkmalschutz stellen und der Landesregierung die Auflösung und Rückstufung dieser für den Erhalt von Südtirols Kulturlandschaft wesentlichen Zuständigkeit untersagen.
 
„Die Konflikte zwischen Erfordernissen des Denkmalschutzes und  des Bauwesens sind evident und müssen in einem vernünftigen Dialog gelöst werden. Denkmalschutz muss unbequem und hartnäckig aber auch bezahlbar sein. Die Denkmalschutzbestimmungen sind unverzichtbar für den Erhalt unseres Landschaftsbildes. Er muss jedoch an die aktuellen Gegebenheiten angepasst werden“, schreibt der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder in einer Aussendung der BürgerUnion.

Zum Beispiel sei es vielen Bauherren nicht erlaubt, ihr denkmalgeschütztes Haus ordentlich zu dämmen, so Pöder. „Wenn wir eine Ummantelung anbringen und nachher verputzen, beeinträchtigt dies das äußere Erscheinungsbild keineswegs. Ebenso wenig Dreifachverglasungen bei Fenstern oder z.B. Holz-Alu-Fenster sofern im Design an das Erscheinungsbild angepasst. Hier müssen Besitzer von denkmalgeschützter Bausubstanz sehr viel Energieeffizienz auf der Strecke lassen“, heißt es in der Aussendung der BürgerUnion.

„Wenn der Denkmalschutz lebendig und beweglich ist, dann sind Konflikte zwischen Denkmalschutz und Bauherren zwar vorprogrammiert, aber auch einfacher zu lösen. Denkbar wäre beispielsweise eine unbürokratische Schlichtungsstelle, die bei scheinbar unlösbaren Konfliktsituationen vermittelt und Vorschläge unterbreitet“, so Pöder.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen