Harte Linie bei Kommentaren auf Südtirol News

Die Flüchtlinge und wir

Montag, 07. September 2015 | 22:43 Uhr

Bozen – Noch vor wenigen Monaten schien es so als würde die Flüchtlingskrise Europa wenig angehen. Nur die Mittelmeeranrainerstaaten, die bereits seit Monaten Bootsflüchtlinge aus dem Meer zogen, forderten in Brüssel lautstark Solidarität ein. Aber außer ein paar wohlfeilen Worten, ein bisschen Geld und ein paar Schiffen war für Griechen, Spanier und Italiener in der EU nichts zu holen.
 
Nun aber ist alles anders. Nun trifft die Flüchtlingskrise voll das Herz Europas. Österreich und Deutschland ächzen nun unter dem Ansturm der Verzweifelten, denen die kleinen und armen Balkanstaaten kaum Herr werden konnten. Wer ins Herz Europas will, lässt sich durch keinen Zaun und keinen Stacheldraht aufhalten.
 
Flüchtlingskrise auf der Balkan-Route
 
So ist die Zahl der Flüchtlinge auf der sogenannten Balkan-Route erneut stark angestiegen. Laut Aussagen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in Serbien und Mazedonien am Freitag von Griechenland aus mehrere 1.000 Menschen eingetroffen, während sich weitere Tausende in Griechenland auf die Weiterreise in den Norden vorbereiten.
 
Unter den Flüchtlingen, die vor allem aus Syrien und Afghanistan stammen, befinden sich Medienberichten zufolge viele Familien mit Babys, Kleinkindern und auch schwangeren Frauen.
 
Gleichzeitig sind mit "Austria, Austria"-Rufen Hunderte Flüchtlinge vom Ostbahnhof in Budapest zu Fuß nach Österreich aufgebrochen. Die Migranten trugen ihr gesamtes Hab und Gut in Rucksäcken und Taschen mit sich, während in Süd-Ungarn hunderte Flüchtlinge aus einem Erstaufnahmezentrum ausgebrochen sein sollen.

Der Flüchtlingsstrom nach Deutschland riss auch am Wochenende nicht ab. In München sind rund 20.000 Menschen angekommen, weitere 11.000 werden für heute erwartet.

Ein Foto, das für Bestürzung sorgt

 
Es war ein Bild, das schockierte, für Bestürzung sorgte und auch polarisierte. Während einige den Medien unterstellten, mit dem Bild des toten Aylan die eigene Auflage erhöhen zu wollen, hielten es andere für gerechtfertigt, die Fotos zu zeigen. Es sei ein Symbolbild, für das menschliche Drama, das sich vor unseren Augen abspielt.
 
Der Dreijährige, der auf der Flucht nach Kanada ertrunken ist, wurde in seiner nordsyrischen Heimatstadt Kobane beigesetzt. Auch sein ebenfalls ums Leben gekommener Bruder und seine Mutter sind bestattet worden.
 
Unterdessen hat Großbritanniens Premier David Cameron eingelenkt und gesagt, England werde seine Haltung überdenken und Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien aufnehmen. Auch Kanada will seinen rigiden Kurs in Sachen Flüchtlingsaufnahme überdenken. Tragisch ist nur, dass dafür wohl ein Kind sterben musste, um dies zu ermöglichen.
 
Bröckelnde Solidarität

 
Gleichzeitig muss selbst das große, starke und reiche Bayern das kleine Südtirol um Hilfe bitten. Aber wie ist es bei uns um die Solidarität hier bei uns bestellt? Ein Blick in die nackten Zahlen offenbart, dass ein großer Teil der Menschen doch aus Krisengebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan kommt.
 
Allen Kritikern zum Trotz erfahren Flüchtlinge in Südtirol viel Hilfe und Solidarität. Von deutschen Zuständen wie Anschläge auf Flüchtlingsheime und gewaltsamen Demos ist Südtirol weit entfernt.

Inzwischen wurde die vorübergehende Unterkunft für Flüchtlinge in Brixen um eine Woche verlängert, wobei die Menschen allerdings in der Turnhalle der Berufsschule Tschuggmall in untergebracht werden.

Mit dem heutigen Beginn des neuen Schuljahrs wird die Turnhalle der Wirtschaftsfachoberschule gebraucht, in der die Unterkünfte bisher aufgebaut waren.

Rund 120 Flüchtlinge halten sich vorübergehend in Brixen auf. Sie wollen allerdings nach wie vor Deutschland erreichen. Viele sind bereits weiter gereist. Südtirol tauscht sich unterdessen regelmäßig mit den Behörden in Bayern aus.

Harte Linie bei Kommentaren auf Südtirol News
 
Südtirol News wird unterdessen seine Linie bei den Kommentaren beibehalten (siehe Netiquette).
 
Rassistische Kommentare sind ein absolutes No-Go. Die Palette reicht dabei von Begriffen wie „Pack“, „Gsindl“ über mehr oder weniger offenkundige Unterstellungen, dass es sich bei Flüchtlingen allesamt um faule Taugenichtse, Verbrecher und verkappte Terroristen handelt. Menschen können nicht alle über einen Kamm geschoren werden.
 
Flüchtlinge als reine Belastung zu bezeichnen, ist ebenfalls einseitig. Pietät hat in diesem Fall Vorrang.
 
Eine Diskussion über die Fragen, die sich mit der aktuellen Entwicklung auftun, ist durchaus möglich. Allerdings sollte sachlich argumentiert werden.
 
Ob ein Kommentar veröffentlicht wird, oder nicht, liegt immer im Ermessen der Redaktion.
 
Die Redaktion behält sich außerdem, keine Inhalte mehr von Kommentatoren zu veröffentlichen, die wiederholt gegen die Richtlinien verstoßen.
 
Zudem sollte man sich darüber im Klaren sein, dass das Internet kein rechtsfreier Raum ist. Rassistische Kommentare und Hass-Postings stellen Vergehen dar, die strafrechtlich verfolgt werden können.

Von: ©mk/ka

Bezirk: Bozen, Eisacktal