Ältere Menschen und das „eGovernment“

Digitalisierung auf Kosten älterer Menschen?

Sonntag, 27. September 2015 | 08:36 Uhr

Bozen – Das digitale Zeitalter dringt fortwährend in sämtliche Lebensbereiche vor und fordert von den Bürgern Schritt zu halten. Auch in Südtirol setzt die Landesregierung auf digitale Verwaltungsdienste und deren Ausbau. Je mehr auf die digitalen Maßnahmen gesetzt wird, umso mehr werden auch die entsprechenden Computerkenntnisse in der Südtiroler Bevölkerung vorausgesetzt. Viele ältere Menschen sehen in der zunehmenden Digitalisierung eine Herausforderung und benötigen fachliche Unterstützung, um die Dienste in Anspruch nehmen zu können.
 
„Nicht für jeden kommt mit der Digitalisierung die öffentliche Verwaltung bequem nach Hause“, hält der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Walter Blaas einleitend fest. „Besonders für ältere Menschen und Sehbehinderte stellt die rasante technische Entwicklung eine Herausforderung dar und setzt die entsprechenden Kenntnisse und den Zugang zum sogenannten ‚eGovernment‘ voraus. Solche Voraussetzungen können jedoch nicht als gegeben angesehen werden. Dienste, die nur mehr digital angeboten werden, fördern eine Zweiklassenverwaltung. Der Generation des digitalen Zeitalters kommt ein Vorteil zu, den andere nicht haben.“
 
„Der Zugang zu den öffentlichen Diensten muss trotz der zunehmenden Digitalisierung allen Bürgern möglich sein“, fordert der Freiheitliche Landesparteiobmann und Abgeordnete Walter Blaas. In einer Landtagsanfrage setzte sich der Freiheitliche Abgeordnete über die Möglichkeiten der älteren Menschen hinsichtlich des Zugangs zur digitalen Verwaltung auseinander: „Ein Pilotprojekt der Abteilung Informationstechnik in Zusammenarbeit mit dem KVW zur Vermittlung der Grundkenntnisse des ‚eGovernments‘ sei gestartet worden. Etwa zehn bis 15 Personen wurden ausgebildet, die in den Seniorenclubs Südtirols andere ältere Menschen im Umgang der digitalen Verwaltung schulen sollen.“
 
„Schulungen sind nur ein notwendiger Schritte zum Zugang zur digitalen Verwaltung“, unterstreicht der Freiheitliche Landtagsabgeordnete und verweist darauf, die Digitalisierung nicht als Allheilmittel der öffentlichen Verwaltung anzusehen. „Nach wie vor kann der direkte menschliche Kontakt Fragen und Unklarheiten leichter lösen als eine Onlineplattform. Es braucht ein gesundes Wechselspiel zwischen den digitalen und den klassischen Diensten, sodass allen Bürger der gleichberechtigte Zugang zur öffentlichen Verwaltung garantiert werden kann“, so Blaas abschließend.

Von: ©mk