Forschungsprojekt

Drogenkonsum: Höheres Risiko für Schulabbrecher

Sonntag, 26. April 2015 | 09:36 Uhr

Bozen – Jugendliche, die die Schule abbrechen oder Schwierigkeiten bei ihrer Berufsausbildung haben, sind in Zusammenhang mit Drogenkonsum deutlich mehr gefährdet. Dies ergab eine Studie, die das Forum Prävention in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Bozen, dem Projekt streetlife.bz der Caritas und dem Verein La Strada–Der Weg durchgeführt hat.

Bei der Studie handelt es sich um ein vom Europäischen Sozialfonds finanziertes Forschungsprojekt zum Thema „SchulabbrecherInnen in Freizeitdrogenkonsumszenen“. Ausgangspunkt der Untersuchung war die Frage, ob und inwiefern diese beiden Phänomene miteinander in Beziehung stehen.

Ziel dieser Studie war es Gründe über jugendlichen Schulabbruch zu erörtern sowie das Wissen über die Zusammenhänge zwischen Schulabbruch und Drogenkonsum auszubauen. In einem weiteren Schritt sollten Drogenkonsumszenen und -trends beschrieben werden.

Insgesamt wurden 226 Fragebögen ausgewertet, aber auch qualitative Interviews durgeführt – zum einen mit Personen, die bereits die Schule abgebrochen haben, aber auch mit Personen, die die Schule erfolgreich abgeschlossen haben oder wieder eingestiegen sind. Alle Befragten sind in Nachtszenen aktiv und haben Erfahrungen mit dem Konsum von Substanzen.

Die Untersuchung zeigt, dass in Freizeitkonsumszenen in erster Linie Alkohol, Tabak und Cannabis konsumiert werden. Aber auch weitere psychoaktive Substanzen kommen vor, weisen jedoch deutlich geringere Prävalenzraten auf und sind damit weniger häufig verbreitet. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Untersuchungsfeldes wiesen eine relativ hohe Lebenszufriedenheit auf und sind um eine Risikominimierung bemüht. Die Befragten berichteten zu einem Großteil von erlebten kurzfristigen Folgen, zwei Drittel auch von langfristigen Folgen durch den Konsum psychoaktiver Substanzen.

In Bezug auf Schulabbruch konnte gezeigt werden, dass der Konsum psychoaktiver Substanzen und Schwierigkeiten in der Schule bzw. Ausbildung sowie bedeutsame Lebensereignisse in Wechselwirkung zueinander stehen.

Warum kommt es zum Schulabbruch?

Zu Schulabbrüchen kommt es häufig aus mehreren Gründen. An der Wurzel liegt meist ein Ursachenbündel aus sich wechselseitig beeinflussenden Faktoren. Dabei spielen Belastungen im schulischen, familiären und sozialen Umfeld eine wichtige Rolle.

„In Beziehung sein“ und subjektiv positiv erlebte Beziehungen zu haben sind starke Resilienzfaktoren in Bezug auf Schulabbruch und dem problematischen Konsum psychoaktiver Substanzen, heißt es in der Studie. Das bedeutet: Positiv erlebte Beziehungen stärken die psychische Widerstandsfähigkeit.

Der Zweck der Studie

Aus der Fragebogenuntersuchung und den Interviews sowie aus den Ergebnissen der Literaturrecherche und den Inputs von Fachpersonen, die bei der Interpretation der Ergebnisse einbezogen wurde, sind weiterführende Handlungsempfehlungen entwickelt worden. Diese geben Eltern, Therapeuten und Erziehern in Bezug auf die Thematiken Schulabbruch und Freizeitdrogenkonsum die Möglichkeit angemessen und mit der entsprechenden Sensibilität zu reagieren bzw. präventiv zu handeln. Ebenso soll eine multifaktorielle Betrachtung der Phänomene Schulabbruch und Freizeitdrogenkonsum gefördert und zu einer reflektierten und personenzentrierten Haltung im Umgang mit beiden angeregt werden.

Die Publikation zum Forschungsprojekt „Schulabbruch und Freizeitdrogenkonsum“ beinhaltet die spezifischen Ergebnisse der Untersuchung sowie die Diskussion dieser und die Handlungsempfehlung für die Bereiche Schule, Jugendarbeit und Elternarbeit. Die Publikation liegt sowohl in deutscher als auch in italienischer Sprache vor.

Von: ©mk