Generalversammlung in Bautzen in der Lausitz

EFA will Selbstbestimmungsparteien weltweit vernetzen

Montag, 20. April 2015 | 09:23 Uhr

Bozen/Bautzen – Die Europäische Freie Allianz (EFA), eine europäische politische Partei, die für die Selbstbestimmung der europäischen Völker eintritt und in 17 Mitgliedsstaaten der EU vertreten ist, hielt vom 16. bis 18. April ihre Generalversammlung in Bautzen in der Lausitz ab. Gastgeber war die Partei „Lausitzer Allianz“. Sie vertritt die Interessen der Sorben, einer slawischen Minderheit, die sich auf die Oberlausitz (Sachsen) und die Niederlausitz (Brandenburg) verteilen.

Auf der Versammlung, an der als Vertreter der Süd-Tiroler Freiheit Cristian Kollmann teilnahm, wurde über eine Reihe von Dingen debattiert, die die jüngsten Entwicklungen und Bestrebungen in europäischen Minderheitenregionen zum Inhalt haben. In Katalonien findet am 27. September 2015 die Wahl des regionalen Parlaments statt. „Feststeht, dass sich der Freiheitswille der Katalanen nicht mehr aufhalten lässt. Alle Bemühungen in Katalonien werden sich nun darauf konzentrieren, dass die independentistischen Kräfte die Mehrheit erlangen, damit diese nach den Wahlen mit einem Plebiszit die Unabhängigkeit Kataloniens ausrufen können“, so Kollmann.

„Die Lausitz ist dagegen von einem solchen Ziel noch sehr weit entfernt. Als unmittelbares Zukunftsmodell strebt die Lausitzer Allianz, die sich auf Sorbisch „Łužyca Alianca“ nennt, eine eigene sorbische Volksvertretung an, den sogenannten „Serbski Sejmik“. Dieser soll den Sorben erstmals die Möglichkeit bieten, mit einer eigenen politischen Stimme zu sprechen und damit selbstbestimmt zu agieren. Als Inspiration über mögliche Zuständigkeiten und Aufgaben des zukünftigen „Serbski Sejmik“ dienten der Lausitzer Allianz Berichte über die derzeitige Situation und Zukunftsvisionen von Flandern, Wales und Süd-Tirol, die von den Vertretern der jeweiligen Parteien (Nieuw-Vlaamse Alliantie, Plaid Cymru, Süd-Tiroler Freiheit) vorgebracht wurden“, schreibt die Süd-Tiroler Freiheit.

Breiten Raum auf der Generalversammlung nahm das Thema Braunkohleabbau ein: Der schwedische Energiekonzern Vattenfall plant nach wie vor, zusätzlich zu den 136 sorbischen Dörfern, die von der Landkarte bereits verschwunden sind, das Braunkohleabbaugebiet in der Lausitz zu erweitern und damit weitere Dörfer, Natur und Heimat der Sorben zu zerstören, erklärt Kollmann. „Alle Mitgliedsparteien der Europäischen Freien Allianz konnten sich von der katastrophalen Situation ein Bild machen, und sie sprachen der Lausitzer Allianz ihre volle Solidarität aus. Die EU-Abgeordneten der EFA haben zugesagt dafür zu sorgen, dass das Thema im EU-Parlament endlich  aufs Tapet kommt und die politisch Verantwortlichen zur Rede gestellt werden.“

Die Europäische Freie Allianz erfreut sich immer mehrerer Mitgliedsparteien sowie Interessens- und Solidaritätsbekundungen. Da Letztere zunehmend auch von außerhalb Europas kommen, möchte die EFA ein weltweites Netz von Selbstbestimmungsparteien schaffen, heißt es abschließend.

Von: ©lu

Bezirk: Bozen