VZS: "Regeln verschärfen und Kontrollen effizienter gestalten"

Eisige Unterschiede: “Von wegen garantierte Qualität”

Freitag, 26. Juni 2015 | 17:47 Uhr

Bozen – Dr. Agostino Carli und seine Mitarbeiter vom Tierärztlichen Dienst des Südtiroler Sanitätsbetriebes sind der Frage nachgegangen, was so alles drin ist im Südtiroler Speiseeis. „Es wurden Eisdielen kontrolliert, die sich an die Südtiroler Handwerksordnung halten müssten. Es wurde nachgeprüft, welche Zutaten, eventuelle Lebensmittelzusatzstoffe und/oder Farbstoffe von Eisherstellern verwendet werden. Zu diesem Zwecke haben sie in 27 Eisdielen in Bozen die Zusammensetzung von vier unter den meist konsumierten Eissorten, nämlich Erdbeer-, Joghurt-, Vanille- und Schokoladeneis überprüft. Es wurde festgestellt, dass in 108 Halbfertigprodukten insgesamt 44 Lebensmittelzusatzstoffe enthalten sind, von denen 13 Farbstoffe sind. Sechs davon sind künstliche Lebensmittelfarbstoffe“, erklärt die Verbraucherzentrale Südtirol (VZS) in einer Aussendung.

Pasteurisierte Frischmilch alleine werde in nur sieben Prozent der Eisdielen verwendet, in 74 Prozent der Fälle werde der Frischmilch auch Milchpulver zugesetzt und in vier Prozent werde nur Milchpulver gebraucht. Milchpulver zusammen mit UHT-Milch werde in 15 Prozent der Eisdielen verwendet, so die VZS.

Im Rahmen der Kontrolle der Etiketten der Halbfertigprodukte wurden in 21 Prozent der Fälle gehärtete und in 45 Prozent der Fälle raffinierte Pflanzenfette  gefunden. Für das Erdbeereis verwendet die große Mehrzahl der Betriebe frische oder tiefgefrorene Erdbeeren (81 Prozent). Es gibt aber auch Hersteller, die ausschließlich Fruchtzubereitungen einsetzen (acht Prozent). Erdbeerfrüchte und Fruchtzubereitungen zusammen werden in zwölf Prozent der Eisdielen beigemischt“, so die VZS.

Bei der Herstellung von Joghurteis verwenden 38 Prozent der Eishersteller frisches Joghurt. 29 Prozent der Eisdielen würden hingegen Joghurt in Pulverform verwenden und in 33 Prozent der Fälle werde dieses zusammen mit frischem Joghurt der Eismischung beigemengt.

„Beim Vanilleeis fiel auf, dass in 50 Prozent der Fälle ausschließlich Vanillearoma oder Vanilleextrakte und in 19 Prozent Vanilleschoten bzw. Vanillemark zum Einsatz kommen. Hingegen verwenden 31 Prozent der Eishersteller Vanilleschoten zusammen mit Vanillearoma“, so die VZS.

Im Schokoladeneis würden unterschiedliche Kakaoprodukte verwendet, deren Qualität nur durch eine chemische Analyse hätte beurteilt werden können. Dazu fehlten der VZS jedoch die notwendigen Ressourcen.

„Es ist auffällig, dass diese Daten bemerkenswert große Unterschiede zwischen den einzelnen Eisdielen aufgezeigt haben, was die Verwendung der einzelnen Zutaten, der künstlichen Lebensmittelzusatzstoffe sowie der künstlichen Farbstoffe anbelangt“, so die Verbraucherschützer. Für den Konsumenten sei es allerdings schwierig, diese Unterschiede zu erkennen.

Laut VZS gibt es ein eigenes Landesgesetz, das die Kriterien für die Bezeichnung „Eisdiele“ und „handwerklich hergestelltes Speiseeis“ festlegt. Es verbietet z.B. einer „Eisdiele mit handwerklich hergestelltem Speiseeis“ die Verwendung von künstlichen Farbstoffen. Andere, in diesem Gesetz angeführte Kriterien seien weit gefasst worden und nicht ausreichend, so die Verbraucherschützer.

Daher verlangt die Verbraucherzentrale Südtirol eine Abänderung der Kriterien und effiziente Kontrollen. „Es kann nicht angehen, dass die durchaus positiven Erwartungen an das handwerklich hergestellte Eis dermaßen enttäuscht werden.“

Der Vorsitzende der VZS, Agostino Accarrino, und der Geschäftsführer Walther Andreaus meinen dazu: „Milchpulver statt frische Milch, Aromaextrakte statt frischer Früchte, ja sogar Farbstoffe: Das Ergebnis der Erhebung ist niederschmetternd. Das qualitative Lebensmittel Eis muss geschützt werden. Die Zutatenliste ist noch genauer zu definieren: Es muss so weit wie möglich auf frische Produkte zurückgegriffen werden. Zudem muss die Zutatenliste des einzelnen Betriebes genau das eigene Produkt bezeichnen. So wären auch die eventuell vorhandenen Allergene für den Konsumenten überschaubar.“

Von: ©mk

Bezirk: Bozen