EURAC-Studie zur Förderung der umweltfreundlichen Mobilität

Elektroautos: Karte zeigt die besten Standorte für Stromtankstellen

Dienstag, 19. Juli 2016 | 11:53 Uhr

Bozen – Um den Umstieg aufs Elektroauto schmackhaft zu machen, braucht es nicht nur ausreichend Ladestationen – auch ihre Position ist entscheidend. Stromtankstellen in der Nähe des Bahnhofs oder Busbahnhofs erleichtern zum Beispiel die Kombination von privatem Fahrzeug und öffentlichen Verkehrsmitteln, gibt es ausreichend Ladesäulen in dicht besiedelten Gebieten, können auch Fahrer ohne Starkstromanschluss in der Garage ihr Auto bequem über Nacht aufladen. Das sind nur einige der Aspekte, die EURAC-Forscher berücksichtigt haben, um südtirolweit die geeignetsten Standorte für E-Tankstellen zu ermitteln. Die Ergebnisse und Methoden der Studie sind frei zugänglich, damit öffentliche Verwalter und Raumplaner sie nutzen können.

Um neue Stromtankstellen bestmöglich zu platzieren, muss eine Vielzahl von Faktoren in Betracht gezogen werden: Wo ist die Bevölkerungsdichte besonders hoch? Wo kann man existierende Stromleitungen nutzen, um Kosten zu sparen? Größere Parkplätze eignen sich gut für die Errichtung von Ladestationen, die Nähe viel besuchter Orte – Kaufhäuser, Restaurants, Freizeitparks, Universität, Museen –  ist ebenso zu berücksichtigen wie das Netz schon bestehender Ladestationen. „All diese Informationen sind in die Karte eingeflossen; die Stadt Bozen ist darauf in drei Farben eingeteilt, je nach erreichter Punktezahl. Innerhalb der Zonen mit der höchsten Punktezahl können lokale Verwalter entscheiden, wo die neuen Ladesäulen positioniert werden“, erklärt Alyona Zubaryeva, EURAC-Forscherin und Mitautorin der Studie.

Neben der Karte für Bozen haben die Forscher auch eine für ganz Südtirol erstellt, die anzeigt, wo entlang der Landstraßen und der Autobahn Ladestationen errichtet werden sollten. Ein Kriterium hierbei ist, dass Stromtankstellen auf der Landstraße maximal 30 Kilometer, auf der Autobahn maximal 60 Kilometer voneinander entfernt sein sollen.
„In Südtirol und anderen Alpenregionen ist es außerdem sinnvoll, Ladesäulen an den Talstationen von Seilbahnen und Schiliften oder an Ausgangspunkten von Bergtouren zu errichten“, erklärt der EURAC-Energieexperte Wolfram Sparber. „Die Fahrt dorthin hat viel Energie verbraucht und das Auto steht meist mehrere Stunden still – E-Tankstellen an diesen Orten sind also sehr nützlich.“ Die Methode, die die Forscher bei der Erstellung der Karten genutzt haben, ist leicht zu handhaben und flexibel einsetzbar, wie EURAC-Forscherin Alyona Zubaryeva betont: „Lokale oder regionale Verwalter können sie ohne großen Aufwand verwenden.“ Ausschlaggebend sei aber, dass die lokalen Behörden die nötigen Informationen – zum Stromnetz zum Beispiel – zugänglich machen. In der EURAC-Studie sind deshalb auch die Behörden angeführt, die die verschiedenen Daten zur Verfügung stellen können.

Straßenverkehr verursacht in Europa etwa ein Fünftel der gesamten CO2-Emmissionen, 15 Prozent davon stammen von Leichtfahrzeugen, Pkws und Kleintransportern. „Bedenkt man, dass 94 Prozent dieser Fahrzeuge mit Benzin und Diesel betrieben werden, wird sofort klar, wie wichtig es ist, alternative, umweltfreundliche Kraftstoffe flächendeckend anzubieten“, erklärt Alyona Zubaryeva.

Die Studie wurde von der EURAC in Zusammenarbeit mit dem Joint Research Centre, der Gemeinsamen Forschungsstelle der EU, erstellt und ist unter dem Titel „Optimal allocation of electric vehicle charging infrastructure in cities and regions” unter folgendem Link frei zugänglich: http://www.eurac.edu/en/research/technologies/renewableenergy/publications/Pages/Strategic-documents,-books-and-general-publications.aspx

Weitere von der EURAC erstellte Karten sind über das Portal webgis.eurac.edu zugänglich.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen