Testament beschlagnahmt

Fall Ladurner: Belege für Hundefutter und Benzin

Dienstag, 22. September 2015 | 12:00 Uhr

Bozen/Meran – Wie berichtet, muss sich der Meraner Anwalt Thomas Ladurner Übervorteilung einer Arglosen und wegen Verdachts auf Amtsunterschlagung in einem Hauptverfahren verantworten. Er soll in seine Funktion als Sachwalter einer 92-Jährigen ausgenutzt haben. Gestern legte die Anklage Belege vor, die den Tatverdacht untermauern sollen, schreibt das Tagblatt Dolomiten.

Dazu zählen 38 Kassazettel, die allein aus einem einzigen Supermarkt stammen und innerhalb weniger Stunden ausgestellt wurden, sowie Rechnungen für Benzin oder-Videospiele. Für die Anklage beweisen die Belege, dass das Geld der 92-Jährigen nicht für sie selbst ausgegeben wurde.

Die Seniorin erhielt monatlich knapp 800 Euro Rente, 900 Euro Pflegegeld und jährlich 8000 Euro Rendite aus einem Lebensversicherungsfonds. Als Sachwalter bezahlte Ladurner die laufenden Spesen vom Konto der Rentnerin, wobei er 3500 Euro laut Vormundschaftsrichter abheben durfte, um sie der Pflegerin für die Belange der Seniorin zu übergeben.

Die Pflegerin, die auch angeklagt war und inzwischen einem Vergleich zugestimmt hat, sagte als Zeugin der Anklage aus, dass Ladurner ihr nur rund ein Drittel des Geldes gegeben, aber so viele Belege wiemöglich verlangt habe.

Maurizio Sticcotti vom Polizeikommissariat Meran berichtete laut „Dolomiten“ gestern, dass bei Ladurner eine Tasche dieser Kassazettel sichergestellt worden sei. Darunter seien mehrere Rechnungen gewesen, die laut Anklage nicht zu den Bedürfnissen der Rentnerin passen. Rechnungen fand man etwa für Hundefutter, obwohl es im Haushalt keinen Hund gab, für Benzin, obwohl die Frau kein Auto hatte, oder für Modeartikel.

Sticcotti hatte sich auch die Wobi-Wohnung der Rentnerin angeschaut. Seiner Aussage zufolge hätten die Räume einen vernachlässigten Eindruck gemacht.

Ladurners Verteidiger, Fabrizio Francia, argumentierte hingegen, dass die Zettel gar nicht nötig gewesen seien, um die Ausgaben vor dem Richter zu belegen. Ladurner habe sich höchstens zu Schulden kommen lassen, dass er die Belege der Pflegerin nicht kontrolliert habe.

WAS BISHER BERICHTET WURDE (21.9.2015)

Der Meraner Rechtsanwalt Thomas Ladurner muss sich ab heute wegen Übervorteilung einer Arglosen und wegen Verdachts auf Amtsunterschlagung in einem Hauptverfahren verantworten.

Ladurner hatte bekanntlich die Sachwalterschaft einer 92-Jährigen inne. Sie hatte ihre Pflegerin als Erbin eingesetzt.

Wie das Tagblatt Dolomiten schreibt, sollen laut Anklage vom Konto der Frau 250.000 Euro behoben worden sein. Die Pflegerin zeigte sich im Frühjahr 2014 selbst an, belastete Ladurner aber schwer. Demnach sei er der eigentliche Drahtzieher hinter dem Testament gewesen.

In der Folge war Ladurner festgenommen und unter Hausarrest gestellt worden. Wenig später kam er wieder auf freien Fuß. Die Pflegerin stimmte indes einem gerichtlichen Vergleich über ein Jahr und zehn Monaten bedingter Haft zu.

Ladurners Verteidiger Fabrizio Francia ist überzeugt, in dem bevorstehenden Hauptverfahren die schweren Vorwürfe gegen seinen Mandanten widerlegen zu können. Thomas Ladurner hat von Anfang an alle Vorwürfe von sich gewiesen.

Von: ©lu/mk

Bezirk: Bozen