"Invasive Neophyten auf dem Vormarsch"

FH besorgt: “Einwanderung” fremder Pflanzenarten

Mittwoch, 02. September 2015 | 08:48 Uhr

Bozen – Durch den globalen Handel, den freien Waren- und Reiseverkehr verbreiten sich zusehends fremde Pflanzenarten, die auf das Ökosystem einen beträchtlichen Einfluss haben. Die Einschleppung, Ausbreitung und Etablierung der sogenannten „Neophyten“ in einem neuen Gebiet wird als biologische Invasion bezeichnet. Invasive Neophyten haben negative Auswirkungen auf die Biodiversität im neuen Lebensraum. Ein neuer Konkurrenzdruck entsteht und heimische Pflanzen werden zurückgedrängt. Zudem können sich die Neophyten als Schädlinge erweisen. Der Freiheitliche Landtagsabgeordnete Walter Blaas erkundigte sich in einer Anfrage über die Anzahl und Verbreitung von Neophyten in Südtirol.
 
Der Landesrat Arnold Schuler teilt dem Abgeordneten in seinem Antwortschreiben mit, dass von den 2.579 Südtiroler Farn- und Blütenpflanzen 2.169 und somit 84 Prozent als heimisch eingestuft werden. Die restlichen 410 Arten (16 Prozent) sind als Neophyten eingestuft. Die „prominentesten Einwanderer“ sind die Robinie oder Scheinakazie, eine Baumart aus Nordamerika, der Götterbaum, eine Baumart aus China, der Riesen-Bärenklau, eine krautige Pflanze aus dem Kaukasus sowie das Schmalblättrige Greiskraut aus Südafrika. Unter den Arten, die gesundheitliche Probleme (phototoxische Hautreaktionen) verursachen können, spielt zurzeit nur der Riesen-Bärenklau eine Rolle.
 
Einige dieser Pflanzenarten sind jedoch nicht erst seit kurzem in Südtirol eingewandert. So wurde die Robinie im 17. Jahrhundert als Ziergehölz nach Europa eingeführt, ebenso wie der Götterbaum im 18. Jahrhundert. Der Riesen-Bärenklau wurde im 19. Jahrhundert in Mitteleuropa als Zierpflanze und Bienenweide eingeführt. Das Schmalblättrige Greiskraut hat sich hingegen erst seit den 1970-er Jahren hierzulande stark verbreitet.
 
Auf Blaas‘ Frage mit welchen Mitteln man gegen die Neophyten vorgehe, entgegnet Schuler, dass der Verbreitung von Robinie und Götterbaum durch geeignete Waldbehandlung mit kleinflächiger Hiebsführung entgegengewirkt werde. Wo erforderlich, werden diese zwei Baumarten auch mit gezielten Methoden geringelt und zurückgeschnitten. Der Riesen-Bärenklau werde dort, wo eine Bekämpfung möglich ist, beseitigt. Die Wurzelstöcke werden ausgegraben und die Fruchtstände verbrannt. Für das Schmalblättrige Greiskraut sei am Vinschger Sonnenberg eine Versuchsreihe zur Ermittlung geeigneter Bekämpfungsmethoden angelegt worden. Der Landesforstdienst beteilige sich an lokalen Bekämpfungsaktionen durch Ausreißen der Pflanzen.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen