Steuervergehen: Güter im Wert von 22 Millionen beschlagnahmt

Finanzpolizei zieht Bilanz

Montag, 13. April 2015 | 16:42 Uhr

Bozen – Die Finanzpolizei in der Region Trentino-Südtirol hat kürzlich Bilanz über das vergangene Jahr gezogen. In Zusammenhang mit Steuerbetrug und Schwarzgeldern wurden insgesamt 820 Überprüfungen und 1.600 eingehendere Kontrollen durchgeführt.

175 Personen wurden wegen verschiedener Steuervergehen angezeigt. Insgesamt wurden in der Region Güter im Wert von rund 22 Millionen Euro beschlagnahmt. Beantragt wurde außerdem die Beschlagnahme von weiteren Gütern im Wert von 73 Millionen Euro.

Zwei Fälle von Betrug in Zusammenhang mit der Mehrwertsteuer konnten aufgedeckt werden. Außerdem wurden 20 Einsätze im Bereich der internationalen Steuerfahndung durchgeführt. Dabei wurde vor allem Augenmerk auf jene Personen und Firmen gerichtet, die einen Scheinsitz im Ausland angelegt haben, um weniger Steuern zu bezahlen.

In diesem Zusammenhang stießen die Ermittler auf insgesamt Personen oder Firmen, die überhaupt keine Steuern bezahlt haben.

Des Weiteren wurde in 8.760 Fällen überprüft, ob Kassenbelege regulär ausgestellt werden. In 22 Prozent der Fälle wurden Unregelmäßigkeiten registriert.

88 Arbeitgeber wurden erwischt, die insgesamt 144 Handlanger „schwarz“ angestellt hatten. Außerdem war die Position von 205 weiteren Arbeitern ebenfalls nicht regelkonform.

Kontrolle der öffentlichen Ausgaben

Wie es die Spending Review auf nationaler Ebene vorgibt, wachte die Finanzpolizei auch in der Region über die Ausgaben öffentlicher Gelder.

Insgesamt wurden sieben Ermittlungen wegen mutmaßlichen Betrugs in Zusammenhang mit EU-Beiträgen, die unrechtmäßig bezogen worden sein sollen, in die Wege geleitet. 36 Personen wurden angezeigt. Insgesamt geht es um eine Summe von 380.000 Euro.

28 Ermittlungen betrafen hingegen Betrug beim Bezug von staatlichen Beiträgen, wobei es insgesamt um eine Summe von 20 Millionen Euro ging. 233 Personen kassierten eine Anzeige, drei davon wurden zudem verhaftet.

In Zusammenhang mit Renten- und Sozialbeiträgen wurde insgesamt ein Betrag von neun Millionen Euro von 218 Personen unrechtmäßig kassiert. Die Betroffenen wurden angezeigt, drei davon wurden ebenfalls festgenommen.

166 Personen haben Armut vorgetäuscht, und sich auf diese Weise Unterstützung in der Höhe von 240.000 Euro erschwindelt, etwa durch niedrigeres Kindergartengeld, geringere Kosten für die Schulmensa, durch Gutschriften für Schulbücher und Stipendien oder etwa durch Ermäßigungen beim Krankenhausticket.

82 Personen wurden wegen Vergehen gegen die öffentliche Verwaltung angezeigt, eine Person wurde verhaftet.

In Zusammenhang mit der Vergabe von öffentlichen Aufträgen wurden Zuweisungen in der Höhe von insgesamt 500.000 Euro beanstandet.

Im Rahmen von Untersuchungen vonseiten des Rechnungshofes wurde ein Schaden zulasten der öffentlichen Hand in der Höhe von 17 Millionen Euro festgestellt. Insgesamt hat die Finanzpolizei 28 Kontrollen durchgeführt, wobei 134 Personen betroffen waren.

Schmuggel und illegales Glückspiel

Im Kampf gegen den Schmuggel wurden 47 Einsätze durchgeführt. Neun Personen wurden angezeigt. In Zusammenhang mit der Verbrauchssteuer wurden 29 Einsätze durchgeführt. Insgesamt wurden 50.000 Kilo Treibstoff und 120 Liter Alkohol beschlagnahmt.

In Zusammenhang mit illegalem Glücksspiel wurden 68 Personen verwarnt.

Organisierte Kriminalität

Auch die wirtschaftlichen Aktivitäten krimineller Banden und Mafia-Organisationen sowie Geldwäsche sind Gegenstand der Ermittlungen vonseiten Finanzpolizei – ebenso wie der Schmuggel von Wertpapieren und -gegenständen über die Grenzen hinweg.

Insgesamt wurden 49 Untersuchungen wegen Geldwäsche durchgeführt, zwölf Personen wurden angezeigt, eine Person konnte verhaftet werden.

In 166 Fällen ist man dem Verdacht auf Geldwäsche nachgegangen, sieben Untersuchungen wurden durchgeführt.

Im Rahmen der Antimafia-Normen wurde Vermögen in 47 Fällen kontrolliert. Betroffen waren 85 Personen. Dabei wurde die Beschlagnahme von Gütern im Wert von über 2,5 Millionen Euro beantragt.

Bei Südtirols Grenzen zu Österreich und zur Schweiz wurden hingegen Bargeld und Wertpapiere im Wert von insgesamt 1,4 Millionen Euro entdeckt. 400.000 Eurowurden beschlagnahmt. Unterstützt wurden die Ordnungshüter von speziellen Hundestaffeln, die auf Bargeld spezialisiert sind. In vielen Fällen konnten die Tier die Banknoten im wahrsten Sinne des Wortes „erschnüffeln“.

Falschgeld mit einem Nennwert von 27.000 Euro beschlagnahmt

Außerdem stieß die Finanzpolizei im Jahr 2014 in der Region auch auf Falschgeld. Die Scheine wiesen einen Nennwert von insgesamt 27.000 Euro auf und wurden beschlagnahmt.

Wegen betrügerischen Bankrotts und vergleichbarer Strafvergehen wurden hingegen 47 Personen angezeigt.

Zudem wurden 2.097 gefälschte Markenartikel und weitere 546.759 Produkte egen Sicherheitsmängel beschlagnahmt. 99 Artikel mit der Aufschrift „Made in Italy“ verstießen gegen die Norm zur Herkunftsbeschriftung. Zwölf Personen wurden in diesem Zusammenhang angezeigt.

Drogenhandel

Insgesamt wurden im Jahr 2014 90 Drogenhändler angezeigt, 50 landeten hingegen im Gefängnis. Insgesamt wurden 40 Kilogramm an Drogen beschlagnahmt.

Die Palette reichte von Haschisch, Marihuana, Kokain, Heroin und anderer bewusstseinsverändernder Substanzen.

Im Zusammenhang mit dem illegalen Waffenhandel wurden zehn Personen angezeigt, vier davon wurden verhaftet.

Einsätze am Berg

Die Finanzpolizei hat im Jahr 2014 gemeinsam mit den Bergrettern und anderen Rettungsorganisationen 863 Einsätze durchgeführt.

823 Personen wurden aus einer Notlage gerettet. In 21 Fällen konnte hingegen nur mehr der Leichnam geborgen werden.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen