„Südtirol überlebt in Sterzing“

Florian Kronbichler bei Kundgebung in Sterzing nicht dabei

Donnerstag, 14. Juli 2016 | 15:51 Uhr

Sterzing/Rom – Der Südtiroler Kammerabgeordnete der Bewegung SEL in Rom, Florian Kronbichler wird am heutigen Donnerstag nicht bei der Kundgebung in Sterzing dabei sein – obwohl er gern möchte, wie er in einer Aussendung mitteilt.

„Heute wäre ich lieber in Sterzing als in Rom. Wir behandeln in der Kammer den Gesetzesentwurf zur staatsweiten Einführung eines Lebensminimums (was wir in Südtirol schon haben), und meine Fraktion und ich engagieren uns dafür ganz besonders. Ich kann somit nicht in Sterzing an der Kundgebung für den Erhalt der dortigen Geburtenabteilung teilnehmen. Das tut mir leid und ich schäme mich auch ein bisschen dafür. Doch wir wählen hier und ich halte Wählen für meine erste Amtspflicht“, erklärt Kronbichler in einer Aussendung.

„Ich habe mich für den Erhalt der kleinen Krankenhäuser engagiert und engagiere mich weiterhin, wann, wie und wo immer mir das als kleiner und dazu noch oppositioneller Parlamentarier möglich ist. Ich bin für sie, so wie sie sind und wie die Menschen ihres Einzugsgebiets sie haben wollen. Die Spitäler sind die Herzkammern ihrer Gebiete. Mit ihnen leben und sterben die Gebiete um sie herum“, meint Kronbichler.

Geburtenabteilungen seien nicht irgendwelche Abteilungen. „Wenn in Sterzing  – und, Achtung! dann in Schlanders – nicht mehr geboren werden kann, dann werden das Wipptal und der Vinschgau nicht mehr bleiben, was sie sind. Wo nicht mehr geboren wird, beginnt das Sterben. Was die Landesregierung hier entschlossen ist, zu kappen, ist der Lebensnerv des (bisher erfolgreichen) Modells Südtirol. Südtirols Besonderheit und Reichtum waren die unvergleichlich gleichwertige Entwicklung von Zentrum und Peripherie. Nirgendwo anders sind die Bauern so viel auf ihren Höfen geblieben, die Seitentäler so entwickelt worden, das Leben ‚auf dem Land‘ so wertig gemacht worden. Das widersprach der herrschenden Lehre von Fortschritt und kostete Geld. Wir können sagen, das Ergebnis war es wert. Es waren ‚soldi spesi bene‘“, erklärt Kronbichler.

Mit seiner Gesundheitspolitik zeige das Land neuerdings, dass es vom Südtiroler Sonderweg abgeht und gewillt ist, auf die zivilisatorische Normalität einzuschwenken. „Auf Markt statt Pflege, Sparen statt Fördern, Stadt statt Land, Eintopf statt Vielfalt, Zentrale statt Peripherie, Organigramm statt Menschlichkeit, Fertilitätsmanagement statt Auf-die-Welt-Kommen. Südtirol hat für so viel Unmögliches eine Sonder-, heißt autonome Lösung erstritten. An der Frage Erhalt der peripheren Geburtenabteilungen übt das Land kolossalen Autonomieverzicht“, kritisiert Kronbichler.

„Die Landesregierung scheint entschlossen, Südtirol zu normal-administrieren. Die Schließung der peripheren Geburtenabteilungen sind ein Meilenstein auf dem Weg von Südtirol zu einer Provinz Bozen. Gestern wurde Innichen geräumt, heute ist Sterzing dran, und morgen?“, fragt Kronbichler. Er ruft zur Teilnahme an der Protestkundgebung auf. „Demonstriert erst einmal für die Unterschutzstellung von Sterzing!“, erklärt er abschließend.

Von: ©mk

Bezirk: Wipptal