"Eingreifen, bevor die Situation explosiv wird!"

Flüchtlinge: Bozen als schmales Ende eines “Trichters”

Donnerstag, 30. April 2015 | 18:47 Uhr

Bozen – Die Flüchtlingssituation in Bozen spitzt sich zu. Diese Auffassung vertritt zumindest der Generalsekretär der Polizeigewerkschaft COISP, Franco Maccari.

Laut Medienberichten bezeichnete er Bozen als einen "Trichter" – und meinte damit offensichtlich das schmale Ende. Seiner Meinung nach würden sich in Bozen jene Flüchtlinge sammeln, die in den Norden Europas gelangen wollen, wobei er auf die Probleme in Zusammenhang mit der öffentlichen Ordnung und dem sanitären Zustand verweist.

Man dürfe nicht darauf hoffen, dass die Flüchtlinge es schaffen, ihre Spuren zu verwischen, sondern man müsse eingreifen, bevor die Situation explosiv wird, betonte Maccari.

BISHER: Dramatische Lage der Flüchtlinge am Bozner Bahnhof

Die Mitglieder des Bozner Stadtrates haben sich gestern bei einem Lokalaugenschein die Lage am Bozner Bahnhof angeschaut. Im Anschluss daran sprach Bürgermeister Luigi Spagnolli von einer „inakzeptablen Situation“.

Als Schuldigen macht er Rom aus. Der Staat sei nicht in der Lage mit dem Problem umzugehen und die Stadt Bozen müsse das ausbaden. Doch auch Brüssel wirft der Bozner Bürgermeister eine verfehlte Politik vor. Es müsse ein Verteilungsplan her.

Problematisch sei zudem die Haltung Österreichs und Deutschlands. Die Flüchtlinge wollen nach Norden, doch sie werden von den trilateralen Streifen in den Zügen an der Ausreise gehindert und finden sich schließlich am Bahnhof in Bozen wieder, wo sie sich selbst überlassen werden.

Die Gemeinde könne relativ wenig tun, weil der Bahnhof dem Verantwortungsbereich der RFI unterliegt.

Aus diesem Grund wird jetzt zusammen mit den Staatsbahnen nach Möglichkeiten gesucht, den in der Südtiroler Landeshauptstadt gestrandeten Menschen Räumlichkeiten am Bahnhof anzubieten, damit sie wenigstens in der Nacht ein Dach über den Kopf haben, heißt es Medienberichten zufolge.

Für Spagnolli ist aber klar: „Bozen kann nicht alle Flüchtlinge aufnehmen und das Problem alleine lösen.“ Der Staat und das Land seien gefordert, aktiv zu werden und nach Lösungen zu suchen.

Inzwischen wurde am Bahnsteig Nummer 1 in Bozen ein Wartesaal für Flüchtlinge, die nach Norden reisen, eingerichtet. Dort können auch die Hilfsorganisationen die  Versorgung der Menschen einrichten. Der Raum ist jedoch nur untertags geöffnet.

Quästor Lucio Carluccio weist unterdessen auf den Einsatz der Polizeikräfte am Brenner und in Bozen hin, die sich fast tagtäglich mit dem Flüchtlingsproblem auseinandersetzen. Die Situation sei kritisch. Trotzdem würden die Beamten mit der nötigen Entschlossenheit, aber auch mit Menschlichkeit vorgehen. Dadurch sei es gelungen, dass die öffentliche Sicherheit gewahrt werden konnte.

Von: ©lu/mk

Bezirk: Bozen