Ende der Grenzkontrollen in Deutschland

Flüchtlinge: Situation in Südtirol relativ ruhig

Montag, 15. Juni 2015 | 15:35 Uhr

Bozen – "Trotz der Befürchtungen rund um die Aussetzung des Schengen-Abkommens in Zusammenhang mit dem G7-Gipfel in Bayern ist die Situation an Südtirols Bahnhöfen derzeit relativ ruhig", informiert Soziallandesrätin Martha Stocker. Nichtsdestotrotz sei man weiterhin um eine Verbesserung der Erstversorgung bemüht. Seit vorgestern steht dafür am Bozner Bahnhof ein neuer Raum zur Verfügung.

Die schwierige Lage der Flüchtlinge auf der Durchreise und die Situation an den Bahnhöfen ist mittlerweile zu einem gesamtstaatlichen Thema geworden. "Die höhere Konzentration von flüchtenden Menschen an den Bahnhöfen von Mailand und Rom sowie an den Grenzübergängen zu Frankreich hängt vermutlich mit der in den vergangenen Wochen erschwerten Weiterreise am Brenner zusammen", erklärt Landesrätin Stocker. In Südtirol sei die Zahl der ankommenden Flüchtlinge derzeit eher rückläufig. Im Durchschnitt übernachten derzeit etwa 40 bis 50 Menschen in einer eigenen Aufnahmeeinrichtung am Brenner und etwa 20 bis 30 Personen im Hotel Alpi in Bozen. Dabei gibt es immer wieder Flüchtlinge, die nicht schlafen und den Bahnhof nicht verlassen wollen. "In der vergangenen Nacht war die Situation besonders ruhig: Insgesamt waren es weniger als zehn Personen, die vorübergehend am Brenner und in Bozen übernachtet haben", so Stocker. Die Befürchtungen und Ängste in Bezug auf die verstärkten Grenzkontrollen rund um den G7-Gipfel in Deutschland hätten sich kaum bewahrheitet.

Dank der Bemühungen des Landes, des Regierungskommissariats und der Quästur steht zudem seit vorgestern am Bozner Bahnhof ein neuer Raum für die Versorgung der flüchtenden Menschen mit Essen und Trinken sowie der Möglichkeit einer medizinischen Versorgung während des Tages zur Verfügung. "Dadurch konnten wir die Rahmenbedingungen und Logistik für die Hilfe am Bahnhof deutlich verbessern", berichtet Stocker von einer geordneten Situation. Der eingerichtete Koordinierungstisch mit den Vertretern des Staates, des Regierungskommissariats und der Quästur wird die Entwicklung in den nächsten Tagen weiterhin beobachten, die laut Einvernehmensprotokoll an den Bahnhöfen tätigen Freiwilligenorganisationen sind weiterhin tagtäglich unter der Gesamtkoordination des Landes im Einsatz. "Unser Dank gilt allen Beteiligten für ihre ausdauernde Hilfe und Bemühungen, den Menschen auf der Flucht eine kleine Unterstützung auf ihrem Weg zu geben", so Stocker. 

BISHER (Brennerroute: Nimmt der Flüchtlingsstrom wieder zu?)

Deutschland beendet die verschärften Grenzkontrollen, die im Zuge des G7-Gipfels in Bayern drei Wochen lang durchgeführt wurden.

Nun gilt wieder das Schengenabkommen, wonach die Grenzen innerhalb Europas offen sind.

Nur Österreich will weiterhin mit starker Polizeipräsenz den Flüchtlingskorridor über den Brenner und Tirol nach Norden kontrollieren,

Trotz der geschlossenen deutschen Grenzen ist es laut Medienberichten in den vergangenen Wochen nicht zu dem befürchteten Rückstau von Flüchtlingen am Brenner und in Bozen gekommen.

Das Risiko ist aber noch nicht vorüber: Denn wenn jetzt die Flüchtlinge in Italien von den Lockerungen an der deutschen Grenze erfahren, könnten sie wieder vermehrt ihren Weg nach Norden fortsetzen.

Kontrollieren die Tiroler Exekutivkräfte aber tatsächlich scharf, könnte es am Brenner dennoch zum „Stau“ kommen.

Unterdessen hat sich am Bozner Bahnhof die Betreuung der Flüchtlinge verbessert. Jetzt steht ihnen ein großer Saal mit Tischen und Bänken zur Verfügung. Zudem wurde die medizinische Versorgung durch das Rote Kreuz direkt am Bahnhof ausgebaut.

Von: ©lu/lpa

Bezirk: Bozen, Wipptal