450 Flüchtlinge in vier Tagen registriert

Flüchtlinge werden weiter “zurückgeschoben” – VIDEO

Mittwoch, 22. April 2015 | 22:29 Uhr

Brenner – Der Verein Volontarius betreut am Brenner ankommende Flüchtlinge und berichtet von einem starken Zuwachs an Migranten, die in Richtung Norden wollen.

In den letzten vier Tagen wurden 450 Flüchtlinge an der Staatsgrenze registriert.

Südtirol Heute – VIDEO

Wenn eine Flüchtlingswelle in Italien eintrifft, sei es üblich, dass Tage später auch am Brenner eine Zunahme verzeichnet werde, so Volontarius.

Seit der Eröffnung der Anlaufstelle am Brenner im Dezember 2014 haben sich bislang 1.750 Flüchtlinge an die eingerichteten Schalter gewandt, heißt es Medienberichten zufolge.

Auch die gemeinsamen Kontrollen der italienischen, österreichischen und deutschen Polizei zwischen Trient und Brenner sollen fortgesetzt werden. Dies haben Beamte aller drei Polizeistellen bei einem Treffen in Bozen beschlossen.

Bei den Kontrolldiensten im Zug begleiten jeweils ein österreichischer und ein deutscher Polizeibeamter einen Kollegen aus Italien. So werden Flüchtlinge ohne gültige Reisepapiere auch schon in Bozen aus dem Zug gewiesen.

Täglich würden rund 100 Flüchtlinge versuchen, über den Brenner weiter in den Norden Europas zu gelangen.

Die italienische Polizeigewerkschaft SIULP fordert deshalb bald eine politische Lösung. Die Polizeigewerkschaft verlangt, dass den Flüchtlingen freier Personenverkehr gewährt wird und dass sie nicht immer wieder am Brenner in italienisches Staatsgebiet "zurückgeschoben" werden. Daran wird sich in naher Zukunft aber wohl nichts ändern, wie beim Treffen der Polizeivertreter aus den drei Ländern deutlich wurde.

Wegen der strengen Flüchtlingskontrollen am Brennerübergang kritisiert die SIULP auch Österreich. Die trilateralen Streifen aus italienischen, österreichischen und deutschen Polizei würden täglich Flüchtlinge in den Zügen in Bozen und Sterzing aufhalten. Dies belaste die italienische Polizei besonders stark, die im Umgang mit den Flüchtlingen allein gelassen sei.

"Während wir verhindern, dass fünf Flüchtlinge in den Zug steigen, klettert eine andere Gruppe in den nächsten Waggon", sagte der Sprecher der Polizeigewerkschaft, Mario Deriu, nach Angaben italienischer Medien. Das sei wie der Versuch, einen reißenden Strom aufzuhalten.
 
"Sinn der trilateralen Polizeistreifen ist Prävention und Verbrechensbekämpfung: Aber wer vor Terror, Krieg und Gewalt flieht, begeht doch kein Verbrechen", sagte Deriu. Es brauche "sofort" politische Lösungen auf internationaler Ebene.

Rund 5.000 Flüchtlinge wurden 2014 am Brenner von der österreichischen Polizei nach Italien rückgeführt, teilte die italienische Polizei mit. Kürzlich wurde von der Südtiroler Landesregierung eine Anlaufstelle für Flüchtlinge im Bahnhofsgelände am Brenner eingerichtet.

Von: ©lu/mk/apa

Bezirk: Wipptal