Er „wusste, dass er unrecht handelte“

Fossilien: Urteilsbegründung im Fall Wachtler

Freitag, 17. April 2015 | 12:05 Uhr

Bozen/Innichen – Der Hobbyarchäologe und -paläontologe aus Innichen, Michael Wachtler, ist wie berichtet am Bozner Oberlandesgericht auch in zweiter Instanz schuldig gesprochen worden, wertvolles paläontologisches Material manipuliert und beschädigt zu haben. Dabei wurde er zu acht Monaten bedingter Haft und einer Geldbuße über 500 Euro verurteilt. Nun liegt die Urteilsbegründung vor.

Die Richter ließen dabei laut einem Bericht des Tagblatts Dolomiten kein gutes Haar an Wachtler. In der Begründung ist etwa zu lesen, dass sich Wachtler zu jeder Zeit im Klaren gewesen sei, dass er unrecht handelte, indem er seine Funde nicht fristgerecht meldete. Aus zitierten Schriftstücken sei die Schlussfolgerung abzuleiten, dass Wachtler die Güter „offensichtlich als die eigenen betrachtete und dass er sich ihres Wertes bewusst war“, heißt es in der Urteilsbegründung.

Zudem sei erwiesen, dass Wachtler „nicht ermächtigt war, Fossilien zu suchen und zu sammeln“. An die Auflagen der zeitlich begrenzten Ermächtigung des Landes habe er sich nicht gehalten.

2010 hatten die Carabinieri laut „Dolomiten“ in Wachtlers Museum „Dolomythos“ in Innichen an die 5.000 Fundstücke beschlagnahmt. Diese wurden vom Land unterdessen per Gesetzesdekret unter besonderen Schutz gestellt.

„Als Sammler könne ihm eigentlich kaum etwas Besseres passieren, da sich nun das Land um diese Objekte kümmern müsse, erklärt Wachtler laut „Dolomiten“.

Trotzdem will er nun wissen, ob Staat oder Land einfach so hergehen und geistiges Eigentum enteignen können. Schließlich habe auch er durch seine Forschungsergebnisse und seinen Einsatz dazu beigetragen,
dass die Dolomiten heute Weltnaturerbe sind.

Wem die Funde gehören, wird wohl erst nach der Entscheidung des Kassationsgerichts in Rom geklärt sein. Sollte die Entscheidung zu seinen Ungunsten ausfallen, könnte Wachtler neues Ungemach drohen. Das Land könnte als Zivilkläger nämlich Schadenersatz in der Höhe von rund 250.000 Euro einfordern.

Von: ©mk

Bezirk: Bozen, Pustertal