Verleumdung durch Flugzettel?

Geköpfter Thun-Engel: CasaPound-Vertreter vor Gericht

Donnerstag, 30. Juni 2016 | 10:11 Uhr

Bozen – Vier Vertreter der rechtsextremen Bewegung CasaPound müssen vor Gericht. Ihnen wird die Verleumdung durch einen Flugzettel vorgeworfen.

Auf diesem war ein geköpfter Thun-Engel samt Zitat von Peter Thun über die Verlegung eines Teils der Produktion nach Thailand zu sehen.

Das Hauptverfahren gegen CasaPound-Chef Andrea Bonazza, Gemeinderat in Bozen, Maurizio Puglisi-Ghizzi, Mirco Gasperi und Patrick Stecher beginnt am 7. Juli.

Sie sollen 2013 am Bozner Weihnachtsmarkt die Flugzettel verteilt haben. Die Aktion dauerte Medienberichten zufolge nicht lange an, weil Digos-Beamte die CasaPound-Exponenten aufforderten, die Verteilung einzustellen. Unklar ist deshalb, wie viele Flugzettel ausgeteilt wurden.

Die Rechtsanwälte der vier Männer unterstreichen, dass ihre Mandanten keine Intention gehabt hätten, jemanden zu verleumden. Es habe sich um legitime politische Kritik gehandelt.

Sie hätten auf das „Sterben“ des heimischen Handwerks durch Auslagerung von Arbeiten aufmerksam machen wollen.

Ganz anders sah Peter Thun die Sache: Er fühlte sich durch die totenähnliche Abbildung sowie den Text verleumdet und stellte Strafantrag, auch weil er einen schweren Schaden für die Firma Thun vorliegen sah.

Jetzt liegt der Fall bei Richter Oswald Leitner auf. Er muss entscheiden, ob Bild und Text tatsächlich eine Verleumdung sind.

Hintergrund: Der auf dem Flugblatt geschriebene Text beinhaltete einen Satz aus der Wirtschafts-Tageszeitung „Il Sole 24 Ore“. Peter Thun war dort zitiert worden, dass seine Firma beschlossen habe Teile der Keramikproduktion nach Thailand zu verlegen. Allerdings war im Artikel auch die Rede, dass es dabei um die Produktion in China ging. Dies wurde nicht genannt. Der Leser des Flugblatts konnte so den falschen Eindruck gewinnen, dass die Produktion von Südtirol nach Thailand verlegt werden sollte.

Von: ©luk

Bezirk: Bozen